Romane

Science-Fiction at its best

1898 wurde H.G. Wells´ "Krieg der Welten" veröffentlicht, es folgten mehrere Auflagen. Die deutsche Übersetzung von Gottlieb August Crüwell erschien drei Jahre später. Doch berühmt wurde das Science-Fiction-Spektakel erst als Hörspiel, inszeniert in Form einer fiktiven Reportage, das der US-amerikanische Radiosender CBS am Abend vor Halloween am 30. Oktober 1938 ausstrahlte. Das Hörspiel führte Zeitungsberichten zufolge zu heftigen Irritationen bei der Bevölkerung von New York und New Jersey, die teilweise das Hörspiel für eine authentische Reportage hielt und einen tatsächlichen Angriff Außerirdischer für glaubwürdig erachtete. Mit der vorliegenden Buchausgabe, herausgegeben vom Mantikore Verlag, erfährt man Literatur, die so genial ist, dass es einen glatt umhaut.

Großbritannien, in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts: Der Erde nähern sich außerirdische Flugobjekte. Als auf einer Heide in der Nähe von Woking der erste riesige Zylinder vom Mars einschlägt, ahnt niemand der englischen Kleinstadt, welche Folgen dieses Ereignis haben wird. Zunächst hält man das fremdartige Objekt für einen Meteoriten, doch dann beginnt es sich zu öffnen und immer mehr Fragen tauchen auf: Was befindet sich im Inneren des außerirdischen Artefakts? Was wissen die undurchschaubaren Wesen über die Menschen? Und wozu sind sie fähig? Die Antwort bekommen bald nicht nur die Bewohner Wokings, sondern die ganze Menschheit zu spüren. Und es soll nicht der einzige marsianische Zylinder bleiben, der sich durch die Galaxie seinen Weg zur Erde bahnt.

Noch ist unklar, welche Absicht hinter dem Angriff der Marsianer steckt, doch das erschütternde Ausmaß der Invasion wird immer deutlicher. Die Fremden sind den Erdbewohnern technisch weit überlegen - selbst das Militär ist wehrlos gegen die schonungslosen Waffen aus der anderen Welt - und machen schnell klar: Sie kommen nicht in Frieden. Die anfängliche Faszination verwandelt sich in blankes Entsetzen, pulsierende Stadtkerne weichen einer Flut von Panik, Zerstörung und schließlich: Stille. Als die Invasion der Erde beginnt, entbrennt ein Krieg, bei dem nicht weniger auf dem Spiel steht als das Überleben der gesamten Menschheit ...

Unterhaltung, die sämtliche Science-Fiction-Grenzen sprengt - während der Lektüre der Romane von H.G. Wells verschlägt es einem nicht nur den Atem, sondern außerdem die Sprache. Mit diesen kriegt man nämlich den hellen Lesewahnsinn in die Hände. "Krieg der Welten" zählt zu den absoluten Highlights in jedem Bücherregal. Ab dem ersten Satz glaubt man sich mitten im Geschehen. Der englische Schriftsteller versteht es, seine Leser über viele, viele Stunden lang zu fesseln. Und außerdem mit einem Space-Abenteuer der einsamen Spitzenklasse restlos zu begeistern. Von seinen Werken wird einem ganz schwindelig. Kaum aufgeschlagen, fühlt man sich so high wie sonst nur noch von Drogen. Man liest sogar die Nächte durch. Denn Wells schreibt so verdammt spannend wie nur die wenigsten.

"Krieg der Welten" war als Satire auf die Kolonialpolitik des Empires angelegt und vertauschte hierzu die Rollen von Eroberern und Opfern zu Ungunsten der Briten. Ein zusätzlich böser Seitenhieb war die Tatsache, dass die primitivsten damals bekannten Lebensformen das britische Weltreich retteten. H.G. Wells gelang ein Science-Fiction-Klassiker, der bis heute unerreicht ist. Für solch meisterhafte Literatur gibt es eigentlich nur drei Worte: wow, wow, wow!

Susann Fleischer
05.02.2018

 
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Das Buch:

H.G. Wells:
Krieg der Welten. Aus dem Englischen von Jan Enseling

Bild: Buchcover H.G. Wells, Krieg der Welten

Frankfurt am Main: Mantikore Verlag 2017
320 S., € 14,95
ISBN: 978-3-945493-86-1

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