Romane

Eine Liebesgeschichte, so berührend-schön, dass man gleich mehrere Packungen Taschentücher braucht

Jule führt in Hamburg das Café "Strandperlchen". Aber nicht mehr lange, denn eine gewaltige Mieterhöhung gefährdet ihre Existenz. Jule braucht dringend ein zweites Standbein. Seit kurzem widmet sie sich mit ihrem Service "Ich schreib Dir Dein Leben" alten Familiengeschichten. Ihr Angebot Menschen zu helfen, die nach Familienangehörigen suchen, oder einfach alte Biografien ins Reine zu schreiben, weckt auch das Interesse von Johanna Martens. Nach dem Tod ihrer Mutter findet sie auf dem Dachboden ein Medaillon mit Oleanderblüten und ein Tagebuch. Johanna kann die Aufzeichnung nicht mehr aus der Hand legen und bittet Jule, mehr über Sophie Terhoven herauszufinden. Die Suche führt Jule in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und zu einem dunklen Geheimnis.

Hamburg, 1936: Die wohlhabende Familie Terhoven verdient seit Jahrzehnten ihr Geld mit dem Import von Kaffee. Die Dame des Hauses widmet sich der feinen Gesellschaft, während sich ihr Ehemann mit den Geschäften befasst. Die 17-jährige Sophie wächst wohlbehütet in der großen Familienvilla auf. Doch schon bald ziehen dunkle Wolken über die Familie. Die politische Situation wird immer angespannter, ebenso wie die finanzielle Lage der Terhovens. Sophie hingegen hat mit anderen Problemen zu kämpfen: Hannes Kröger, der uneheliche Sohn der Köchin, ist ihr von Kindheit an Freund und Vertrauter. Irgendwann verändern sich ihre Gefühle füreinander, und plötzlich wird ihnen klar, dass sie sich ineinander verliebt haben. Doch Reich und Arm gehören nicht zusammen.

Sophies und Hannes´ gemeinsamer Zeit droht ein jähes Ende. Ihre Liebe trägt Früchte und die schwangere Sophie wird mit dem etwa gleichaltrigen Hausmädchen Stine auf die Insel Föhr verbannt, um einen gesellschaftlichen Skandal zu vermeiden. Sophies Gedanken gelten die ganze Zeit einzig und allein Hannes. Der ist in Hamburg geblieben. Als die Alliierten den Gegenangriff gegen Nazideutschland fliegen, muss er um sein Leben fürchten. Sophie und Hannes scheint Fortuna nicht hold. Eine Zukunft zu zweit rückt in weite Ferne ...

Verführung pur! Die Geschichten von Teresa Simon bedeuten eine zarte Versuchung, der man partout nicht widerstehen kann. In diesen steckt Lesegenuss der besonders berauschenden Sorte. Während der Lektüre von "Die Oleanderfrauen" droht einem das Herz zu brechen. Nach nur wenigen Sätzen fühlt man sich regelrecht schwindelig vor lauter Leseglück und hat ganz feuchte Augen. Was man hier in die Hände bekommt, ist Gefühlskino wie aus der Feder einer Corina Bomann. Man verliert sich mit allen Sinnen in der Story. Über dieses Lesevergnügen kriegt man von der Welt um sich herum nichts. Solch ein betörend-schönstes Leseerlebnis nimmt einen vollkommen gefangen. Literatur zum Niederknien gut gelingt der deutschen Autorin. Sie beherrscht die Erzählkunst auf höchstem Niveau.

Poesie, die nicht nur Frauen zum Strahlen bringt - Teresa Simon schreibt Romane voller Emotionen, Spannung und Leidenschaft(en). Mit diesen erfährt man ein Unterhaltung, die einem über viele, viele Stunden lang fesselt. Für "Die Oleanderfrauen" braucht man besser mehrere Packungen Tempos. Taschentuch-Alarm! Seufz!

Susann Fleischer
05.02.2018

 
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Das Buch:

Teresa Simon:
Die Oleanderfrauen

Bild: Buchcover Teresa Simon, Die Oleanderfrauen

München: Heyne Verlag 2018
544 S., € 9,99
ISBN: 978-3-453-42115-8

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