Romane

Gefangen im ewigen Eis

März/April 1913: Während einer Expedition in der Antarktis entdeckt das britische Schiff Kismet eine noch unbekannte, kleine Insel und gibt ihr den Namen "Everland". Kurz darauf machen sich drei Freiwillige mit einem Beiboot auf, um die Insel zu erforschen. Doch das kleine Boot gerät in einen Sturm und Napps, Millet-Bass und Dinners können sich gerade noch an Land retten. Da aber die Kismet zunächst keine Möglichkeit hat zurückzukehren, wird die Expedition zu einem dramatischen Überlebenskampf. Die mühsam gesammelten Vorräte gehen zur Neige. Kälte, Hunger und die Tag-und-Nacht-Gleiche zerren an den Nerven der drei. Wären sie besser dran, wenn sie sich einem Verwundeten, der nur Reserven kostet, entledigen?

Fast einhundert Jahre später macht sich erneut ein Expeditionsteam auf den Weg nach Everland wegen Feldforschungen an Robben und Pinguine. Zugleich soll diese Reise auch eine Gedenkfahrt sein, auf den Spuren der Kismet und der damaligen Tragödie. Auch wenn das Team, bestehend aus den Forschern Decker, Jess und Brix, heute besser ausgerüstet ist als die Männer damals, läuft auch hier nicht alles wie geplant. Ihnen begegnen schnell die Tücken der unwirklichen und unwirtlichen Welt, in der bei Minusgraden ihre Haut verbrennt und Medikamente wie kleine Schätze sind. Zudem machen den Forschern die plötzlichen Wetterumbrüche zu schaffen. Dann geht alles ganz schnell und die drei befinden sich im Kampf mit den Naturgewalten der Insel.

Die Einsamkeit, die harten Wetterbedingungen und die feindseligen Kräfte der Natur verlangen ihnen alles ab. Der Südpol enthüllt den wahren Charakter der Menschen, die sich diesem aussetzen. Und die Antarktis fordert ihre Opfer ...

Erzählkunst auf dem Niveau eines Ilija Trojanow - Rebecca Hunt ist ein brillante Autorin, definitiv eine Meisterin ihres Fachs. Ihre Romane gehören zum Herrlichsten in der Literaturwelt. Nach ihrem Überraschungshit "Mr. Chartwell" legt die Britin nun mit "Everland" nach - und feiert abermals sowie vollkommen zurecht große Erfolge. Was man hier in die Hände kriegt, ist ein Lesevergnügen mit absolutem "Wow!"-Effekt. Während der Lektüre vergisst man die Welt vollkommen um sich herum. Hunt kann definitiv schreiben, und zwar so unvergleichlich schön wie nur wenige andere, und ganz nah am Geschehen: Ab der ersten Seite fühlt man die eisige Kälte der Antarktis. Am besten liest man die Story mit einer Tasse heißer Schokolade.

Von Rebecca Hunts Geschichten wird einem ab wenigen Sätzen ganz schwindelig. "Everland" steckt voller Spannung und außerdem Emotionen. Man fühlt sich ganz berauscht von solch grandioser Literatur. Zwischen zwei Buchdeckeln steckt Unterhaltung, die alles andere als nullachtfünfzehn und gerade deshalb so unwiderstehlich gut ist.

Susann Fleischer
21.08.2017

 
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Das Buch:

Rebecca Hunt: Everland. Aus dem Englischen von pociao

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Mnchen: Luchterhand Literaturverlag 2017
416 S., 22,00
ISBN: 978-3-630-87463-0

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