Krimis & Thriller

Ein schreibendes Paar und sein kreativer Austausch

Das ein kreativer Geist einen anderen beflügelt und befruchtet, ist in der Literatur bereits bei einigen Paaren zu beobachten gewesen. Ein solcher Fall sind auch die Autoren Johanna M. Rieke und ihr Ehemann Bryan Stone. Interessant ist bei diesem Paar jedoch nicht nur, dass beide Schriftsteller sind, sondern auch, dass es trotz unterschiedlicher Schwerpunkte - Johanna M. Rieke schreibt Romane und Bryan Stone schreibt wissenschaftliche Texte - zu einem regen Austausch untereinander kommen kann.

Johanna M. Rieke verfasst nicht irgendwelche Romane, sie schreibt Fortsetzungen zu Sir Arthur Conan Doyles "Sherlock Holmes". Als großer Anhänger von Sir Conan Doyles Geschichten und als ein Mitglied der "Sherlock Holmes Society of London" war es für sie nach einer mit Fantasie und Geschichten belebten Kindheit und Jugend nur noch ein kleiner Schritt, ihre Leidenschaft in einem eigenen Buchprojekt zum Ausdruck zu bringen. Ihre größte Schwierigkeit dabei ist, dass man den Originalen schon irgendwie treu bleiben will und die Handlung so aufbauen muss, dass der Leser über alle Indizien und Informationen verfügt, die eine später von Holmes ausgeführte Lösung des Problems nachvollziehen zu können. Die Tatsache, dass Sir Conan Doyle in seinem Stil dem viktorianischen Zeitalter entsprach, macht es für Johanna Rieke nicht unbedingt leichter. Aber dieses zeitliche Hindernis meistert sie mit Bravour, bei Lesungen tritt sie im viktorianischen Dresscode auf, um auch ihre Zuhörer in die viktorianische Zeit mitzunehmen und bei ihrer schriftstellerischen Aktivitäten lässt sie sich von ihrem Arbeitszimmer inspirieren, das einer Miniaturausgabe des berühmten Wohnzimmers in der Baker Street 221b entspricht. Bei so viel Einsatz und dem Ehrgeiz, nicht zu weit von dem Original abzuweichen und dem Leser ein Miträtseln zu ermöglichen, gehören viel Planung, Recherche und auch Vorausdenken zu ihrem Alltag als Schriftstellerin - und sie ist in diesem Denken nicht allein.

Ihr Ehemann, Bryan Stone, ist in seiner Tätigkeit als Autor von genau denselben Fähigkeiten abhängig. Sein Buch "Basel and the Church in England" ist dieses Jahr im Frankfurter "public book media verlag" erschienen. Für ihn geht es dabei um die gegenseitige Beeinflussung der Anglikanischen Reformation und der kirchlichen Entwicklung der Stadt und Kirche Basel als Zentrum des humanistischen Denkens. Obwohl es sich dabei um ein wissenschaftliches Thema handelt, das vom Inhalt und Konzept nichts mit der Arbeit seiner Frau gemeinsam hat, gibt Bryan Stone doch zu, dass ihre Arbeitsmoral für ihn einen großen Einfluss auf seine eigene Arbeit hat. Da sein Werk nicht auf seinen persönlichen Vorstellungsmöglichkeiten basiert, ist die Recherche gerade für ihn ein Teil des Alltags, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Für sein Werk waren besonders die Suche und Auswertung von Quellen in Universitätsbibliotheken, dem Staatsarchiv Basel, bei den kirchlichen Archivquellen in London und viele persönliche Gespräche ein ausschlaggebender Impuls. Die Arbeit an seinem Werk war für ihn auch auf einer anderen Ebene sehr lehrreich, denn durch die Recherche ist er mit neuen Leuten in Kontakt gekommen, die ihm zusätzliche Impulse liefern konnten und ihn gleichzeitig auch ermuntert haben, was ihn als Ruheständler in seinem Vorhaben natürlich bestärkt hat.

Während die Voraussetzungen für die Arbeit der beiden unterschiedliche Schwierigkeiten und Problemfelder haben - Johanna M. Rieke ist von ihrer eigenen Fantasie und ihrer Fähigkeit, ihre Vorstellungen in ein zusammenhängendes Konstrukt zu verarbeiten, abhängig, und Bryan Stone von der Qualität der Quellen, auf denen seine Arbeit basiert - ist die Motivation doch ein Faktor, den sich beide teilen. Das man dabei einen Ehepartner hat, der auch als Autor tätig ist und dieselben Schwierigkeiten überwinden muss, ist dabei nur von Vorteil.

Erwähnenswert ist bei den beiden zudem auch noch, wie sie sich kennengelernt haben. In Johanna Riekes Leben hat Sherlock Holmes laut eigenen Aussagen schon immer einen großen Platz eingenommen, doch einen noch viel größeren Stellenwert sollte ihre Leidenschaft bekommen, da sie durch diese ihren Ehemann kennengelernt hat und zwar auf der "Sherlock Holmes Pilgerfahrt 2012" im Berner Oberland. Dass sich dabei zwei Menschen getroffen haben, die einander eine große Unterstützung in den Tätigkeiten als Autor sind, ist ein Aspekt, der jeden Romantiker zum Schwärmen bringen kann.

Momentan ist Bryan Stone dabei, seinen Verlag bei dem Vertrieb seines Buches zu unterstützen und immer wieder kleinere wissenschaftliche Texte über verschiedene Themen zu schreiben. Bei Johanna M. Rieke hingegen ist gerade ihr viertes Buch "Eine Studie in Basilisken" erschienen, das abermals eine spannende und großartig recherchierte Lektüre verspricht und mit viel Baseler Lokalkolorit aufwartet.

Dicle Yasan
14.11.2016

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Johanna Rieke: Eine Studie in Basilisken

CMS_IMGTITLE[1]

Frankfurt am Main: public book media Verlag 2016
227 S., 14,80
ISBN: 978-3-86369-292-6

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.

Bryan Stone: Basel and the Church in England

CMS_IMGTITLE[4]

Frankfurt am Main: public book media Verlag 2016 270 S., ? 19,80 ISBN: 978-3-86369-277-3

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.