Krimis & Thriller

Krimiliteratur at its best

Südengland, 1969: Nachdem Detective Sergeant Cathal Breen bei der Jagd eines berüchtigten Mörders nur knapp mit dem Leben davon gekommen ist, sucht er Erholung auf dem Land. Seit ein paar Tagen wohnt er auf der Farm von Helen Tozers Familie. Dort findet er Ruhe und kann Kraft schöpfen für neue Arbeit. Von der wartet jede Menge auf Breens Schreibtisch. Und eigentlich auch auf dem seiner Polizistenkollegin Helen. Doch die hat ihren Job bei der Met geschmissen. Nun kümmert sie sich um Kühe, statt irgendwelchen Verbrechern das Handwerk zu legen. Allerdings können beide das Ermitteln nicht so richtig sein lassen. Helens Schwester Alex wurde vor fünf Jahren entführt, anschließend gefoltert und getötet. Dafür soll der Täter nun endlich büßen.

Breen macht sich auf die Suche nach einer Spur. Wie er den Akten entnimmt, war Alex Tozer kein Mädchen von Traurigkeit. So hatte sie unter anderem eine Affäre mit James Fletchet. Die beiden gingen im Streit auseinander. Allerdings hat James für die Tatzeit ein Alibi. Breen bleibt keine Wahl, als sich schnellstmöglich wieder auf den Weg zurück nach London zu machen. Dort hofft er Antworten zu finden. Kaum angekommen, wartet auf ihn bereits eine zweite Leiche, und zwar die von William Milkwood, Mitarbeiter beim Drogendezernat und guter Freund ausgerechnet von James Fletchet. Allem Anschein nach fand er auf gleiche grausame Weise den Tod wie einst Alex Tozer. Breen ist sich sicher: Das ist kein Zufall. Da ist ein Serienkiller unterwegs.

Um diesen dingfest machen zu können, muss sich Breen mit der Geschichte Kenias auseinandersetzen. Es geht um den Mau-Mau-Krieg und die Rolle von James Fletchet, William Milkwood und Nicholas Doyle in diesem. Wie Breen erfährt, wendeten die drei bei den Mitgliedern der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung brutalste Methoden an, um sie zum Reden zu bringen. Und eben diese kamen offenbar bei der Ermordung von Alex Tozer und Milkwood ebenfalls zum Einsatz. Breen steckt in einer Sackgasse. Zwar hat er ein Motiv, aber von einem Täter ist weit und breit nichts in Sicht. Dafür jedoch von Helen, die mit einer Neuigkeit Breens wohlgeordnetes Leben mit einem Schlag vollkommen durcheinanderbringt ...

Weder zum Atmen noch zum Schlafen kommt man, sobald man mit der Lektüre eines von William Shaws Romanen beginnt. "History of Murder" ist ein Krimi par excellence. Ab der ersten Seite begibt man sich in die Abgründe der menschlichen Seele und ist schockiert darüber, wie düster und auch dämonisch diese oftmals ist. Und trotzdem kann man nicht anders, als sich voll und ganz diesem Lesegenuss zu verschreiben. Der britische Autor schreibt nämlich verdammt fesselnd. Und er bringt seine Leser vor allem an ihre psychische Belastungsgrenze. Der dritte Fall für Helen Tozer und Cathal Breen hat es ordentlich in sich - insbesondere eine Extraportion Spannung. Fans von Adrian McKinty & Co. kommen um das vorliegende Buch nicht herum.

Krimiliteratur, die so genial gut ist, dass sie einfach alles andere in den Schatten zu stellen vermag - Helen Tozer und Cathal Breen sind definitiv und ohne jeden Zweifel das beste Ermittlerteam Großbritanniens. An die beiden reicht nichts und niemand heran, selbst ein Sean Duffy nur äußerst schwer. William Shaw gelingt mit "History of Murder" ein Lesevergnügen, wie es mörderischer nicht sein könnte. Und außerdem kaum spannender.

Susann Fleischer
12.09.0216

 
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Das Buch:

William Shaw: History of Murder. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Conny Lsch

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Berlin: Suhrkamp Verlag 2016
463 S., 14,99
ISBN: 978-3-518-46691-9

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