Krimis & Thriller

Die Pest in Paris

Die Pest in Paris - diese Angst beherrscht die Handlung des neuesten Krimis von Fred Vargas. Kommissar Adamsberg verfolgt besorgt die Tatsache, dass mehr und mehr T?ren der Stadt mit spiegelverkehrten Vieren gekennzeichnet sind, w?hrend ein Ausrufer neben einer Metrostation alte Texte verliest, die eine nahende Katastrophe beschw?ren. Nach und nach wird klar, dass die merkw?rdigen Vorkommnisse in der Stadt gezielt inszeniert werden vom so genannten "Pestbereiter" ? sie sind logische Ma?nahmen von demjenigen, der einen Ausbruch der Epidemie nicht nur anzuk?ndigen, sondern akribisch voranzutreiben scheint.

Wieder einmal begegnet der Leser Kommissar Adamsberg nicht erst am Tatort (man denke an die Kreidekreise in Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord), sondern fr?her, bereits dann, wenn sich erste Zweifel bilden, wenn Adamsberg, der am liebsten umherl?uft und nicht ?ber Fakten nachdenkt, in seiner unnachahmlichen Art die Witterung des B?sen aufnimmt.

Mit dem ersten Mord ist klar, dass der Pestbereiter es ernst meint; doch ist das Opfer erw?rgt worden und nicht durch Flohbisse infiziert. Adamsberg hat alle H?nde voll zu tun, er wei?, dass er das Denken des Pestbereiters durchschauen muss um ihm das Handwerk zu legen, w?hrend gleichzeitig sein Privatleben aus den Fugen ger?t.Kommissar Adamsberg fragt bei seiner Verfolgung des Pestbereiters alte Bekannte wie Marc Vandoosler (seines Zeichens Medi?vist und einer der drei Evangelisten, siehe z.B. Die sch?ne Diva von Saint-Jacques) um Rat, kommt aber auch in Kontakt mit dem Ausrufer Joss Le Guern und seinen Freunden. Alle Charaktere, ob alt oder neu, bewegen sich am Rande vielleicht nicht der Normalit?t, aber sicher der gesellschaftlichen Norm. Jeder hat seine Eigenheiten, jeder ist fehlbar, aber auf skurrile Art und Weise auch liebenswert.

In Fliehe weit und schnell geht es nicht zuletzt um Identit?ten und Lebenswege, um die Frage, wie sehr das Selbst von Tradition und Mythos bestimmt ist. Der zentrale Punkt ist die Kraft des Wortes, angefangen bei der Faszination des Ausrufers, der sein Brot damit verdient, sich von anderen Menschen Worte in den Mund legen zu lassen, ?ber die Auswirkung der Medien, die eine Massenhysterie ausl?sen k?nnen, sobald das Wort ?Pest? schwarz auf wei? gedruckt ist, bis hin zum Bezug des Lesers zum Text selbst, der ja ausschlie?lich ? und in Vargas? Fall vorz?glich ? von der Kraft des sorgf?ltig gew?hlten Wortes lebt. Nichtsdestotrotz bleibt f?r Kommissar Adamsberg die Einsicht, dass es Taten gibt, f?r die man keinen Ausdruck mehr finden kann, und andere, die ein Schweigen nach sich ziehen, das mehr sagt als tausend Worte.

jw
17.04.2005

 
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Das Buch:

Fred Vargas: Fliehe weit und schnell

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Berlin: Aufbau-Verlag, 3. Auflage, 2004
399 S., 8,95
ISBN: 3-7466-2115-1

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