Krimis & Thriller

Kinderwunschbehandlung mit Nebenwirkungen

Alex und Leslie Twisden führen ein scheinbar perfektes Eheleben. Alex ist ein erfolgreicher Anwalt mit einer eigenen Kanzlei, seine Frau Leslie eine gefragte Lektorin in einem Verlag für Kinderbücher. Ihr Haus liegt in einer wohlhabenden Gegend von New York, die beiden verkehren gesellschaftlich auf hohem Niveau. Doch kann sie dieses Leben nicht vollumfänglich glücklich stimmen, da ihnen zu ihrem ganz großen Glück ein Kind fehlt. Sämtliche kostspieligen und nervlich belastenden Versuche sind gescheitert, so dass die Twisdens nach Jahren des Misserfolgs bereit sind, jeden Strohhalm zu ergreifen, der sich ihnen bietet.

Nachdem Alex eines Abends zufällig Bekannte aus einer Selbshilfegruppe kinderloser Paare trifft, ist er nicht mehr davon abzubringen, deren Erfolgsweg zu beschreiten. Ein gewisser Dr. Kis aus Ljubljana in Slowenien könne dank neuartiger Behandlungsmethoden eine hohe Erfolgsquote aufweisen, auch bei solchen Paaren, die seit Jahren erfolglos und entsprechend ernüchtert sind. Die Twisdens buchen die Reise nach Europa und die kostspielige Behandlung in der slowenischen Hauptstadt. Die rabiate Verabreichung verschiedenster Injektionen bei den beiden führt rasch zu dem gewünschten Ergebnis: Leslie wird schwanger und schenkt den Zwillingen Adam und Alice kurze Zeit später das Leben.

Zehn Jahre danach sind jedoch merkwürdige Veränderungen mit Alex und Leslie vonstatten gegangen. Bereits kurz nach der Behandlung hatte ein vermehrter Haarwuchs bei den beiden eingesetzt. Über die Jahre hinweg haben sämtliche Gelüste und Verhaltensweisen immer animalischere Züge angenommen, so dass die beiden ihre über alles geliebten Zwillinge zu deren Sicherheit nachts einsperren. Das merkwürdige Verhalten der Eltern bleibt den beiden Kindern nicht verborgen. Als Adam seine geplante Flucht gemeinsam mit seiner Schwester in die Tat umsetzt, nimmt die Katastrophe seinen Lauf.

Der erfolgreiche US-amerikanische Autor Scott Spencer hat sich für sein Thrillerdebüt mit "Breed" das Pseudonym Chase Novak zugelegt. Ob er sich nicht recht traute, seinen richtigen Namen für dieses delikate Projekt herzugeben, bleibt wohl sein Geheimnis. Die grundlegende Idee von "Breed" ist wahrlich eine höchst schaurige, die den zartbesaiteten Leser Abstand halten lässt, während unerschrockene Naturelle sich auf dieses Buch stürzen werden.

Der Schriftsteller hetzt den Leser nach dem Ausbruch der beiden Zwillinge durch die New Yorker Nacht und lässt ihn kaum zu Atem kommen. Man ist zu jeder Zeit neugierig auf den Fortgang der Geschichte und wird so untentwegt durch das Buch getrieben. "Breed" mutiert dabei rasch zum Pageturner, da einem die Unkenntnis über den Fortgang nicht behagen möchte. Novak gelingt es, dieses Tempo über 350 Seiten hinweg aufrechtzuerhalten, obgleich die Geschichte im Vergleich zum ursprünglichen Aufhänger eine doch recht unspektakuläre Entwicklung nimmt.

Im Verlauf der Geschichte werden zahlreiche Schauplätze eröffnet, von denen der geübte Leser eine entscheidende Rolle im Ausgang des Buches erwartet hätte, doch weit gefehlt. Hat Novak den Leser an der Nase herumgeführt oder schlicht vergessen, ihm die offenen Fragen zu beantworten? Darüber hinaus wird sich der rational gestimmte Leser weitere auf der Hand liegende Fragen stellen, für die Novak keine Antworten bereithält. Dies tut der eigentlichen Spannung jedoch keinen Abbruch. Man zittert mit den beiden Zwillingen und hofft, dass sie sich dem Zugriff ihrer Eltern entziehen können.

Mit dem Cover von "Breed" ist den Verlegern von Hoffmann und Campe wahrlich ein Hingucker gelungen. Ein geschwungener roter Farbstrich auf einem schwarzen Hintergrund zeigt die Kontur einer Schwangeren in der Dunkelheit und stellt einen hervorragenden Bezug zum Inhalt des Buches her, ist doch die Verborgenheit der Nacht schließlich auch der Rahmen, in dem die Twisdens ihre rasante Verfolgung bestreiten. Explizit sei allerdings darauf hingewiesen, dass dieser Horror-Trip für Paare mit Kinderwunsch nicht geeignet ist, sie sollten zu ihrem eigenen Wohl von diesem Buch besser die Finger lassen.

Christoph Mahnel
18.03.2013

 
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Das Buch:

Chase Novak: Breed. Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt

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Hamburg: Hoffmann und Campe 2013
352 S., 19,99
ISBN: 978-3-455-40441-8

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