Krimis & Thriller
Auf den Killing Fields der Roten Khmer
Im südfranzösischen Department Lozère macht die junge Archäologin Julia Kerrigan eine merkwürdige Entdeckung. Sie stößt bei ihren Ausgrabungen in einer Höhle auf zahlreiche Schädel, die allesamt mit einer Bohrung in der Schädeldecke versehen sind. Doch warum zeigt sich Ghislain, ihr Ausgrabungsleiter, so erbost über diesen vermeintlich sensationellen Fund? Und ist Julias Entdeckung etwa der Grund dafür, weshalb Ghislain und seine ehemalige Freundin kurze Zeit darauf ermordet werden?
In Südostasien ist der britische Fotograf Jake auf der Jagd nach einer großen Story. Zusammen mit der hübschen Kambodschanerin Chemda begibt er sich in Laos und Kambodscha auf die Spuren der Roten Khmer, die in den Siebziger Jahren mit ihrem Terrorregime ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung ermordet hatten. Im benachbarten Laos werden Jake und Chemda in der Ebene der Tonkrüge fündig, wo Unmengen von aufgebohrten Schädeln lagern. Ist diese Entdeckung der Grund dafür, dass im Umfeld der beiden mehrere Menschen ermordet werden oder sich das Leben nehmen und dass von nun an Heerscharen der laotischen und kambodschanischen Polizei Jake und Chemda nach ihrem Leben trachten?
Der britische Schriftsteller Sean Thomas, der für seine archäologischen Thriller unter Tom Knox firmiert, hat mit "Die Bibel der Toten" seinen dritten Roman in diesem Genre veröffentlicht. Obgleich er im vorliegenden Werk vorab sogleich darauf verweist, dass die Geschichte völlig frei erfunden sei, hat er diese doch auf wahren und sehr gut recherchierten Begebenheiten aufgebaut. Wie sich der Leser gerne überzeugen kann, sind die verwendeten Hintergründe zum Thema der Roten Khmer sowie der Schädelfunde in Laos und Südfrankreich alles als andere als fiktiver Natur.
Im Aufbau hat Knox alias Thomas einen über weite Strecken des Buches hinweg konsequenten parallelen Weg gewählt. Nach einem, maximal zwei Kapiteln wechselt er von dem einen Handlungsstrang wieder hinüber in den anderen, bevor zum Ende des Buches hin, ohne etwas vorwegnehmen zu wollen, die beiden erwartungsgemäß ineinander übergehen. Dabei operiert Knox großzügig, aber doch gelungen mit dem Stilmittel des Cliffhangers, das den Leser die Seiten des Buches förmlich verschlingen lässt.
Dennoch ist "Die Bibel der Toten" keine einfache, sondern durchaus anspruchsvolle Thriller-Kost. Knox hat Themen in den Mittelpunkt seines Buchs gestellt, die in verschiedener Hinsicht zum Nachdenken anregen. Die Gräuel des Terrorregimes Pol Pots in Kambodscha, das eine der grausamsten Diktaturen der vergangenen Jahrzehnte auf diesem Erdball war, werden dem Leser vor Augen geführt. Des Weiteren beschäftigt sich das vorliegende Buch mit der historischen Entwicklung des Schuldbewusstseins beim Menschen im Zusammenhang mit frühzeitlichen Höhlenmalereien. Seine Thriller-Effekte baut Knox dann schließlich auf diesem Schuldbewusstsein und dem damit einhergehenden religiösen Glauben auf, indem er Möglichkeiten ausgestaltet, wie neuzeitliche Diktaturen gedachten, diese menschliche Entwicklung durch äußere Einwirkung wieder rückgängig machen zu können.
Mit Tom Knox begibt sich der Leser auf eine rasante Achterbahnfahrt und jettet dabei zwischen Frankreich, England, Laos, Kambodscha, Abchasien und schließlich China hin und her. Der Leser darf sich auf ein buntes Kaleidoskop an südostasiatischem Aberglauben, prähistorischer Kunst, philosophischen Ideen und grauenhaftem Wahnsinn neuzeitlicher Diktaturen gefasst machen. Mit den Erfolgen eines Tom Knox dürfte sich das Genre des archäologischen Thrillers, das garantiert noch einiges an Potential bereithält, in Zukunft erhöhter Aufmerksamkeit erfreuen.
Christoph Mahnel
03.09.2012







