Krimis & Thriller

Wenn Telse eine Reise tut , gibt es Spannendes zu erlesen

Juli 1964: Die frisch mit dem französischen Filmregisseur Robert Valmy verheiratete Leipziger Studentin Telse befindet sich auf einer Hochzeitsreise der besonderen Art. Es geht zwar mit ihrem Liebsten ins exotische Marokko, doch ihr Gatte ist nicht nur zum Vergnügen im nordwestafrikanischen Land, sondern um sechs Folgen für eine Fernsehserie abzudrehen. Deshalb bleibt ihm nicht viel Zeit für seine Angetraute. Telse ist jedoch sofort von den freundlichen Menschen, dem vielschichtigen Land und der reichhaltigen Kultur fasziniert. Dann darf die junge Frau auch noch für eine verhinderte Schauspielerin einspringen. Ihr Glück scheint vollkommen. Doch was hat es mit dem Algerier auf sich, der ihr scheinbar nachstellt? Schon bald schwebt die frischgebackene Ehefrau in tödlicher Gefahr.

Claire Vernay hat mit "Von Mord stand nichts im Drehbuch" bereits ihren dritten Roman veröffentlicht. Auch die ersten beiden Bücher handeln von den Erlebnissen der jungen Telse. Zwar finden sich gerade gegen Ende des Bandes einige Anspielungen auf die beiden Erstlingswerke der in Baden-Württemberg lebenden Autorin, die unter einem Pseudonym schreibt. Trotzdem ist die Kenntnis ihrer Romane "Einmal Paris und zurück" sowie "Wunder dauern etwas länger", die in Paris und Leipzig spielen, für das Verständnis ihres aktuellen Werks nicht unbedingt notwendig.

Der Autorin gelingt in "Von Mord stand nichts im Drehbuch" eine farbenfrohe Schilderung von Marokko, die beim Leser unweigerlich Reiselust weckt, zumal die Autorin es versteht, ihren Roman immer wieder mit interessanten Ausführungen über Kultur, Geschichte, kulinarische Spezialitäten und vielen mehr zu würzen. Die lebendigen und realistisch wirkenden Beschreibungen sind kein Zufall, denn Claire Vernay lässt hier Teile ihrer eigenen Autobiographie einfließen. Nebenbei erhält der Leser auch einige Einblicke in die Welt des Films der 60er Jahre. Mit Telse kreiert die Autorin eine liebenswürdige Hauptfigur, die durch ihr manchmal überbordendes Mitteilungsbedürfnis nur noch realistischer und sympathischer wirkt; gerade weil diese Eigenschaft immer wieder mit einem Augenzwinkern hervorgehoben wird.

Aber Claire Vernays Roman ist mehr als nur eine interessante Reiseerzählung. Der Autorin gelingt es zudem noch, ihre Leser durch eine spannende Krimi-Handlung zu fesseln. Dazu baut sie den Spannungsbogen - beginnend mit dem Auftauchen des mysteriösen Algeriers - behutsam auf und intensiviert ihn geschickt, indem sie schildert, wie sich die Lage für Telse immer weiter zuspitzt. Wenn man etwas kritisieren will, dann, dass eben jener Krimi-Plot etwas zu früh aufgelöst wird. Dadurch fehlt es auf den letzten Seiten des Buches etwas an Spannung. Dennoch ist "Von Mord stand nichts im Drehbuch" nicht nur für Marokko-Urlauber eine lesenswerte, lehrreiche und über weite Strecken auch spannende Lektüre.

Ingo Gatzer
18.10.2010


Eine Lesung von Claire Vernay finden Sie hier.

 
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Das Buch:

Claire Vernay: Von Mord stand nichts im Drehbuch

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Frankfurt am Main: Weimarer Schiller Presse 2010
343 S., 24,80
ISBN: 978-3-8372-0712-5

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