Krimis & Thriller

Frankfurts Wallander

Wandert man in den letzten Jahren durch Buchläden, finden sich immer öfter Regale oder Tische mit heimischen Romanen und Krimis, denn Bücher mit lokalem Bezug sind im Kommen. Im Frankfurter Raum ist es seit Jahren Andreas Franz, der mit nunmehr 14 Kriminalgeschichten mitten aus dem Leben die Frankfurter und Offenbacher Polizei in Atem hält. Nun hat er in Frankfurt hochklassige Konkurrenz bekommen: Jan Seghers. Was die unentwegte Nachfrage nach lokalen Romanhelden aufrecht hält, ist offensichtlich: Der Leser bekommt auf einfache Weise hochwertiges Kopfkino geliefert, er begibt sich mit den Kommissaren auf Verfolgungsjagden durch ihm bekannte Strassen, erlebt Schiessereien auf ihm bekannten Plätzen, kurzum er kennt sich in der Landschaft des Buches bestens aus.

Jan Seghers alias Matthias Altenburg veröffentlichte mit dem vorliegenden Buch "Partitur des Todes" gerade seinen dritten "Marthaler"-Roman. Nach einem starken Debüt folgte mit "Die Braut im Schnee" ein schwächeres zweites Buch. Ähnlich wie im Erstling "Ein allzu schönes Mädchen" lässt er auch dieses Mal wieder einen Handlungsstrang in Frankreich beginnen. Gemeinsamkeiten zwischen Schriftsteller und Hauptdarsteller sind nicht zu verkennen, schliesslich verfrachtet der im nordhessischen Baunatal aufgewachsene Autor die Kindheit des Kommissars in dieselbe Stadt.

Kommissar Marthaler – schon als "deutscher Wallander" bezeichnet – ist kein Superheld und nur sehr bedingt sportlich zu nennen. Stattdessen glänzt er mit seiner Durchsetzungsstärke und einem Starrsinn, der keine Konfrontation mit Vor-Vorgesetzten oder der Presse scheut. Er lebt nach dem frühen Tod seiner Frau Katharina mit Tereza aus Prag zusammen, die er im ersten Band im Sachsenhausener Lesecafé in der Diesterwegstrasse kennengelernt hat. Im vorliegenden Band hat sie ihm eine wichtige Mitteilung zu machen. Ohne hierbei zuviel vorwegzunehmen, es ist nicht das abwegige, sondern das naheliegende – wie so oft in Kriminalromanen.

Die Handlung des Buches beginnt in Paris mit Georges Hofmann, der als jüdisches Kind in Frankfurt lebte und dort die Deportation seiner Eltern mit ansehen musste. Hofmann hat sich in Frankreich eine neue Existenz, nahezu eine neue Identität aufgebaut. In einem Interview mit dem Fernsehsender "arte" gibt er Details aus seinem Leben preis, die er bis dato erfolgreich verdrängt und verschwiegen hatte. Die Ausstrahlung dieses Interviews tritt die ganzen kommenden Ereignisse los: Er selbst erhält tags darauf von einer Französin einen Umschlag, adressiert mit dem Namen seines Vaters und dem Zusatz "Auschwitz" und in Frankfurt werden fünf Menschen ermordet, förmlich hingerichtet.

Seghers erzählt diesen Fall mit einer Rasanz, die es dem Leser beinahe verbietet, das Buch abzulegen. Es kennt keine Längen oder Durststrecken, es macht süchtig nach mehr und der Leser freut sich auf die nächste Gelegenheit, weiterlesen zu können. Als einziger Kritikpunkt ist anzumerken, dass Seghers – wie schon im zweiten Band – nicht umhin kommt, moderne Technologien ins Spiel zu bringen: hier das Code Knacker Tool "Twist Drill 12.4" oder die Internet-Plattform "Schoolfriends". Als Leser möchte ihm man beinahe zurufen: "Schuster, bleib bei Deinem Leisten!", denn sein Handwerk als Krimiautor versteht er blendend.

"Partitur des Todes" ist nahe dran am perfekten Krimi. Es sind nicht dramatische Wendungen oder eine spektakuläre Auflösung des Falles, sondern die unglaubliche Dynamik über das komplette Buch hinweg, die es sehr, sehr lesenswert macht.

Christoph Mahnel
14.07.2008

 
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Das Buch:

Jan Seghers: Partitur des Todes

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Reinbek bei Hamburg: Wunderlich Verlag 2008
480 S., 19,90
ISBN: 978-3-805-20839-0

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