Krimis & Thriller

Scharfsichtig wie Hercule Poirot und schrullig wie Miss Marple löst Jean ihren ersten, aber hoffentlich längst nicht letzten Fall

Agatha Christies Amateurdetektivin Miss Jane Marple ist weltweit bekannt und wird von Millionen Krimifans geliebt. Sie ermittelt in zwölf Romanen und 20 Kurzgeschichten, die zwischen 1927 und 1976 erschienen. In Filmen und Fernsehserien wurde die Figur von mehreren Schauspielerinnen verkörpert, darunter in vier Kinofilmen von Margaret Rutherford. Fünfzig Jahre nach "Ruhe unsanft" erlebt man ihr Quasi-Comeback, in Gestalt der Tierärztin Dr. Jean Marple, die in Porthleven jedem Mörder ein Schnippchen schlägt. Denn an der Küste Cornwalls ist es nicht immer so idyllisch, wie es auf dem ersten oder zweiten Blick erscheint. Das muss auch Inspektor Finlaggan, gebürtiger Schotte und gerade erst hierher versetzt, erfahren, als er an den Tatort gerufen wird.

Ausgerechnet auf der idyllischen Gezeiteninsel St. Michael's Mount, der Touristenattraktion Cornwalls, bricht ein Tourist beim traditionellen High Tea tot zusammen. Herzinfarkt, urteilt der Dorfarzt, Mord, glaubt die zufällig anwesende Tierärztin Jean Marple. Und ihre Untersuchung der Teetasse, aus der das Opfer getrunken hat, bestätigt ihren Verdacht: Strychnin. Inspektor Finlaggan ist einigermaßen konsterniert, dass eine Hobbydetektivin ihm in seinen Fall reinpfuscht. Und nicht die Absicht hat, damit aufzuhören. So findet Miss Marple innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Verdächtige. Viele schienen ein Motiv zu haben, Paul Hercule umbringen zu wollen; dummerweise allerdings auch alle ein Alibi. Nicht das einzige Rätsel für Miss Marple.

Bevor die Veterinärmedizinerin wenigstens einmal durchatmen kann, taucht eine zweite Leiche auf: die vor zwei Jahren verschwundene Gattin von Lord Thomas Trevelyan. Obwohl alles für einen tragischen Unfall spricht, glaubt Miss Marple nicht an diese Theorie. Vielleicht liegt es daran, dass sie gefühlt alle Krimiserien der Welt gesehen hat - aber Miss Marple glaubt nicht an ein Unglück, sondern für sie ist klar: Es war Mord! Inspektor Finlaggan derweil muss sich mit anderen Dingen herumschlagen; wie zum Beispiel mit dem Misstrauen, mit dem ihm die Einheimischen begegnen, oder mit seinem Vorgesetzten, der von guter Ermittlungsarbeit nicht viel Ahnung hat ...

Crime-Time, die ebenso thrilling wie amüsant ist und damit einem Agatha-Christie-Roman in nichts nachsteht - der deutsche Autor Arthur Escroyne ist mit "Der Tod auf der Insel" Spannungsliteratur in genialster britischer Manier gelungen. Diese Lektüre erfreut den Leser über viele, viele Stunden lang; mehr noch: begeistert ihn vom ersten bis zum letzten Satz über alle Maßen. Man schlägt das vorliegende Buch auf und hat sofort ein breites Lächeln auf den Lippen. Denn Miss Jean Marple ist eine Ermittlerin mit Herz und Grips. Definitiv eine zum Knutschen! Sie tritt sie in große, aber zum Glück nicht übergroße Fußstapfen, weiß diese durchaus auszufüllen und für Unterhaltung zu sorgen, die jede Laus von der Leber in Windeseile vertreibt. Von ihr möchte man gerne mehr, unbedingt sogar viel mehr lesen!

2013 erschien mit "Der Killer im Lorbeer" Arthur Escronyes Debüt. Es folgten weitere Fälle für Detective Inspector Rosemary Escroyne, die bei Amazon mit Durchschnittsbewertungen von vier Sternen durchaus gute Kritiken bekamen. Acht Jahre nach Veröffentlichung von "Keine Rosy ohne Dornen" hat sich der Autor wieder an seinen Computer gesetzt und einen 1a-Krimi geschrieben. "Der Tod auf der Insel" gehört zu den Büchern, die in der Lieblingslektüreliste nach ganz oben gehören. Ohne jeden Zweifel ein Hit, noch dazu ein (fast) unschlagbar-grandiosester!

Susann Fleischer 
17.08.2026

 

Das Buch:

Arthur Escroyne: Der Tod auf der Insel

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München: Piper Verlag 2026 256 S., € 13,00 ISBN: 978-3-492-06588-7

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