Krimis & Thriller

Berechtigte Kontrolle oder unbegründete Paranoia?

Eines Tages wacht Viola im Krankenhaus auf. Sie wurde im einstürzenden Weinkeller ihres renovierungsbedürftigen Hauses beinahe begraben und hat dabei ihr Bein verloren. Mit dieser neuen Behinderung belastet, macht sie sich Sorgen um ihre sechsjährige Ehe mit dem prominenten Wiener Statistiker Adam. Allerdings scheint sich Adam sehr gut um sie zu kümmern, vielleicht aber auch zu gut. Viola bekommt eine dauerhafte Pflegekraft an ihre Seite, die ihr zwar jeden Wunsch erfüllt, sie aber auch permanent im Auge behält und keinerlei Versuche der Selbstständigkeit, z.B. das Laufen mit Krücken, zulässt.

An ihr Bett gefesselt, hat Viola genügend Zeit, über die Umstände ihres Unfalls genauer nachzudenken, und wird Stück für Stück mit ihrer eigenen, nicht ganz sauberen Vergangenheit konfrontiert. Um dabei ihre Abhängigkeit von Adam und dem, was er ihr über sein Leben erzählt, sowie ihre körperliche Abhängigkeit von der Pflegekraft zu mindern, bestellt sie kleine Tracker, die in ihrer Funktionsweise AirTags ähneln. Mit diesen gelingt es ihr, einen geheimen Einblick ins Leben ihres Mannes zu erhaschen, welches, wie sich bald herausstellt, nicht ganz so verläuft, wie er es berichtet. Zudem taucht online ein Interview auf, in dem ihr Mann behauptet, seine Frau habe nach dem Unfall jeden Lebenswillen verloren ...

Mit "Das Signal" ist Ursula Poznanski mal wieder ein Page-Turner vom Feinsten gelungen, gerade da es sich um eine neue Idee handelt. Die enorme Einschränkung, unter der Viola leidet, kombiniert mit ihrem zunächst paranoid wirkenden Verhalten und der tatsächlichen Angst vor dem so freundlich scheinenden und schwer beschäftigten Ehemann sorgt für ein unglaublich spannendes Leseerlebnis. Doch gleichzeitig werden die Probleme einer so unnatürlichen Kontrolle sichtbar gemacht. Dazu kommt noch die für Ursula Poznanski typische Schreibart, in der der eine oder andere Plot-Twist nicht unüblich ist, und man hat einen Thriller, den man gut und gerne an einem Tag verschlingt.

Was allerdings noch besser hätte genutzt werden können, ist die Karte der Wiener Innenstadt im Einband. So hofft man, die Bewegungen der Tracker auf dieser nachverfolgen zu können, allerdings kommt die große Mehrheit der dort eingezeichneten Orte nicht im Buch vor, während die große Mehrheit der im Buch tatsächlich genannten Straßen und Locations nicht auf der Karte eingezeichnet ist.

Mit Ausnahme dieser Kleinigkeit handelt es sich bei "Das Signal" jedoch um einen wirklich spannenden und zum Nachdenken anregenden Thriller, der Poznanskis sonstigen Werken ohne Frage das Wasser reichen kann. Gerade die Tatsache, dass nach "Erebos 3" mal wieder eine frische Idee das Licht der Welt erblickt hat, lässt die Leser weitere Thriller der Autorin mit Vorfreude erwarten.

Lucian Mahnel 
01.06.2026

 

Das Buch:

Ursula Poznanski: Das Signal. Thriller

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München: Knaur Verlag 2026 398 S., € 24,00 ISBN: 978-3-426-56812-5

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