Krimis & Thriller
Krimispaß, bei dem Langeweile zu keinem Satz aufkommt
Oh nein. Wie kann man bitte aus Versehen zum Mörder werden? Aber genau das passiert dem schüchternen Tierarzt Severin Herr. Dabei wollte er seinen Chef nicht umbringen. Nicht wirklich, jedenfalls. Es war ein Unfall, dass die Spritze mit dem Analgetikum Relieve in der Brust von Professor Thalheim landete. Nur wird Severin das kein Mensch glauben. Denn sein Chef, allseits beliebter Medienstar und "Tierfreund der Nation", hat Spendengelder veruntreut und es Severin in die Schuhe geschoben. Jetzt muss Severin nicht nur den Mord vertuschen, sondern auch schnellstens an Geld kommen, um den zur Praxis gehörenden Gnadenhof zu retten. Beides hat Severin nur wenige Stunden nach Thalheims "Suizid" geerbt. Der russischen Mafia sei dafür wohl eher nicht gedankt?!
Ehe Severin sich's versieht, hat er Schulden in Höhe von 150.000 Euro. Jetzt braucht es eine gute Einnahmequelle. Da kommt von unerwarteter Seite der Vorschlag, ins Auftragskillergeschäft einzusteigen. Ein sanfter Tierarzt als Mörder? Allein die Idee erscheint Severin absurd. Aber was tut man nicht alles für seine Tiere? Wie zum Beispiel die allseits beliebte Politikerin Isabelle Aufwerth still und heimlich umzubringen. Severin steckt in einem emotionalen Dilemma, denn dummerweise entwickelt er Gefühle für sein Zielobjekt. Jetzt kann nicht einmal Muskelprotz und seit kurzem Sprechstundenhilfe Tristan helfen. Vielmehr braucht es ein Wunder. Oder jemanden, der keinen Geringeren als Severin ganz weit oben auf seiner Todesliste zu stehen hat ...
Crime-Time mit Wohlfühlfaktor - wer es ebenso spannend wie auch amüsant mag, der sollte ein Buch von René Anour lesen. Das Krimidebüt des österreichischen Schriftstellers bringt einen zum Lächeln über viele, viele Stunden lang. Kein Wunder, denn was man hier in die Hände kriegt, ist eine morbid-witziger Lektüre mit jeder Menge tierischer Nebenfiguren, vom Riesenpferd mit Angststörung bis hin zum verräterischen Zwergohreulenküken. Bei solch turbulentestem Lesespaß haut es einen nach nur wenigen Sätzen glatt vom Hocker. Anour kann schreiben, dass man richtig gute Laune bekommt. Einen tolleren, unkonventionelleren Zeitvertreib kann man sich kaum wünschen. Und warum? Weil perfekt als Antidepressivum in Buchform; nur um einiges wirksamer als jede Art von Psychopharmaka..
Hoffentlich wandelt René Anour noch sehr lange auf seinen neuen (Krimi-)Pfaden, jedenfalls noch für mindestens zwei, drei oder gerne auch sieben, acht Bücher lang. Mit "Der Doktor und der liebe Mord" jedenfalls bringt er frischen Wind in das Genre. Ab der ersten Seite überschlägt man sich beinahe vor Begeisterung. Langeweile kommt bei dieser Lektüre garantiert zu keinem Satz auf!
Susann Fleischer
10.11.2025
