Krimis & Thriller

Mord und Dolce Vita in der Emilia-Romagna: der neue Fall des deutschen Ermittlers mit dem episodischen Gedchtnis und dem italienischen Namen

Hätte Paolo Ritter jemand vor einem halben Jahr prophezeit, dass er seinen gut bezahlten Job in Deutschland aufgeben würde, um sich mit einer Frau, die er kaum kannte, in ein finanzielles Abenteuer ohne vorhersehbarem Ausgang zu stürzen, noch dazu in Italien, dem Land, gegen das er sein Leben lang tiefe Abneigung empfunden hatte - Paolo hätte ihn für verrückt erklärt. Doch entgegen seinem strengen, stets auf Vernunft und Ordnung bedachten Wesen entscheidet sich Paolo, das Hotel seines verstorbenen Bruders in Cervia neu zu eröffnen. Während Geschäftspartnerin Lucia als ebenso leidenschaftliche wie geniale Köchin das Restaurant betreibt, wird Paolo der neue "patrono" des Hotels. Dabei hat sein episodisches Gedächtnis ihn zu einem der erfolgreichsten Fall-Analytiker des LKA München gemacht.

Den Abend hatte Paolo Ritter sich anders vorgestellt, als im zugegebenermaßen stimmungsvollen Teatro Amintore Galli in Rimini zu sitzen und einem gefeierten Heldentenor zu lauschen. Lucia hat ihn mitgeschleppt. Dabei hasst er Oper, und gesellig ist der ehemalige LKA-Ermittler auch nicht. Da er das kleine Hotel seines verstorbenen Bruders renoviert, ist Paolo mit unzuverlässigen Handwerkern und allzu charmanten Installateuren hinreichend beschäftigt. Doch dann geschieht etwas, das seine ganzen Fähigkeiten als Ermittler erfordert: Das Konzert ist das letzte, das der Opernstar jemals in seinem Leben geben wird. Am nächsten Tag wird er tot am Strand von Rimini aufgefunden. Und keine andere als Lucias beste Freundin Chiara, die als Letzte mit dem Toten zusammen war, steht unter Mordverdacht.

Lucia drängt ihn zur Aufklärung des Mordes, denn ihre beste Freundin kann es nicht gewesen sein. Sie hatte gar kein Motiv. Doch es sieht nicht gut aus für Chiara. Obwohl sich ihr Freund mit so ziemlich jedem zerstritten hatte, sind die Beweise gegen sie erdrückend. Paolo hat zwar das Gefühl, dass am Tatort irgendwas nicht stimmt, dennoch kommt er lange nicht darauf, was das ist. Er folgt verschiedenen Spuren und sammelt ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen, bis sich letztlich ein Bild ergibt, das sogar den Ispettore überzeugt ...

Krimiunterhaltung der erstklassigsten Sorte - braucht man Spannung in seinem Leben, will sich zugleich auch amüsieren, für den sind die Romane von Dani Scarpa genau die richtige Lektüre. Kaum "Tod in Rimini" aufgeschlagen, ist Langeweile beendet. Wie bereits "Mord in Parma" zuvor, macht auch der zweite Fall für Paolo Ritter dem Leser großen Spaß. Was man mit dem vorliegenden Buch in die Hände bekommt, ist Crime-Time par excellence. Auch das berühmte, viel gerühmte "la Dolce Vita" kommt nicht zu kurz. Land und Leute werden sehr lebendig beschrieben und die regionalen Gerichte lassen einem beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Da freut mich sich darauf, dass Paolo Ritter hoffentlich schon bald als Privatdetektiv erneut zur Höchstform aufläuft. Und das lieber gestern als übermorgen!

Für die deutsche Krimiliteratur ist Ermittler Paolo Ritter ein ähnlich großer Glücksfall wie Commissario Montalbano (erfunden von Andrea Camilleri) für die italienische. Seine Fälle bedeuten amüsant-spannende Unterhaltung vom ersten bis zum letzten Satz und begeistern sogar dermaßen, dass man glatt von der Couch plumpst. "Tod in Rimini" zu lesen, ist wie Urlaub an einem Lieblingsort im Süden. Erholung pur für die gestresste Seele! Dafür gebührt Autor Dani Scarpa größter Dank! Also: danke, danke, DANKEschön!

Susann Fleischer 
30.05.2022

 
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Das Buch:

Dani Scarpa: Tod in Rimini

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Hamburg: Rowohlt Polaris 2022 400 S., 17,00 ISBN: 978-3-499-00472-8

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