Krimis & Thriller

Durch die Abgrnde Berlins

Jules Tannberg hat für einen Freund dessen Schicht am Begleittelefon übernommen. Dieses Servicetelefon erlaubt es Frauen, die beispielsweise nachts alleine auf dem Heimweg sind, telefonisch Kontakt mit einem anderen Menschen zu halten. In dieser Nacht telefoniert Jules mit Klara Vernet, die ihm schier Unglaubliches berichtet. Zum einen ist sie bereits seit Jahren Opfer ihres psychopathischen und äußerst gewalttätigen Ehemannes, zum anderen hat sie vor kurzem einen anderen Mann getroffen, mit dem sie zunächst himmelhochjauchzenden Sex hatte, kurze Zeit später aber dessen dunkle Seite kennenlernen musste. Yannick, so der Name ihres neuesten Peinigers, verkündete Klara das Datum ihres Todes, falls es ihr bis dahin nicht gelänge, sich von ihrem Mann dadurch zu befreien, indem sie ihn töte.

Während des Gesprächs zwischen Jules und Klara bricht schließlich der Tag an, den Yannick Klara als Ultimatum gesetzt hatte. Während Klara Jules zu warnen versucht, da Yannick auch ihn als Mitwisser töten werde, lässt sich Jules allerdings nicht abschütteln, sondern schaltet sogar noch seinen Vater mit ein, um Klara aufzuspüren. Es beginnt eine abenteuerliche Rallye durch Berlin, und nicht nur Klara und Jules werden bei ihrer Jagd viele Schmerzen erleiden müssen. Klaras Ehemann wie auch Yannick tauchen unverhofft auf, um ihr Werk zu verrichten. Klara ist mittlerweile derart verstört, dass sie nicht einmal Hendrik, dem zufällig aufkreuzenden strippenden Weihnachtsmann, vertraut. Ein dubioses Schlachten der beteiligten Personen mit etlichen Unbeteiligten zieht seine Blutspur durch die Hauptstadt, bis am Ende nichts mehr so ist, wie es einmal schien.

Psychospielchen in Berlin, dies ist natürlich das Metier von Sebastian Fitzek. Deutschlands Nummer Eins unter den Thriller-Schriftstellern hat wieder einmal geliefert. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist sein neuestes Werk erschienen: "Der Heimweg" schlicht, aber zu 100% präzise passend zum Inhalt des Buches. Ein einziger Heimweg als Horrorerlebnis einer über Jahre hinweg gedemütigten und gebrochenen Frau. Seit nunmehr vierzehn Jahren grüßt Fitzek hierzulande stets für mehrere Wochen im Jahr vom Gipfel der Bestsellerlisten. Bereits mit seinem Debüt "Die Therapie" war Fitzek anno 2006 ein Auftakt nach Maß gelungen. Das dort erstmals angewandte Muster hat Fitzek im Großen und Ganzen beibehalten und über die Jahre nur geringfügig, aber höchst erfolgreich weiterentwickelt.

Mehr oder weniger einen Thriller pro Jahr lässt der in Berlin geborene und ansässige Erfolgsautor auf die Menschheit los. Wer seine Bücher kennt, weiß ganz genau, worauf er sich einlässt. Ein sehr komprimierter und atmosphärisch düsterer Plot bildet die Grundierung von Fitzeks Thrillern. Im vorliegenden Buch ist es die spannungsgeladene Situation während eines Telefonats zwischen einer verfolgten und gehetzten Frau sowie einem weitgehend hilflosen Seelsorger am anderen Ende der Leitung. Für Rückschauen oder Nebenhandlungen ist schlichtweg keine Zeit, diese werden nur dort eingestreut, wo sie für die auf der Überholspur befindliche Handlung absolut notwendig sind. "Der Heimweg" kennt nur eine Richtung, und zwar in Höchstgeschwindigkeit ins unabwendbare Unheil.

Bei "Der Heimweg" fragt sich der versierte Leser bei der Schilderung der erschütternden Ereignisse natürlich über die ganze Zeit hinweg, welche davon der Realität entsprechen und welche den Wahnvorstellungen der Protagonisten entspringen. So richtig rund bekommt man schließlich die Story, die einem Fitzek glauben machen will, nicht wirklich. Ohne an dieser Stelle einen Spoiler platzieren zu wollen, ist man am Ende des Tages nicht überrascht, dass Fitzek einen ziemlich lange an der Nase herumgeführt hat. Aber dies ist definitiv nichts Neues im Opus des Autors, im Gegenteil: Dieses Vorgehen hat Tradition und Kalkül. Wer sich darüber ärgert, sollte fortan die Finger von Fitzeks Romanen lassen, da dieser sein Erfolgsrezept sicherlich nicht mehr ändern wird. Für diejenigen Leser, die ihren Spaß an einer wilden Achterbahnfahrt mit Psychopathen haben und sich am Ende gerne mit einem Twist nochmal richtig durchschütteln lassen wollen, gibt es auf dem deutschen Büchermarkt keinen Besseren als Sebastian Fitzek!

Christoph Mahnel 
21.12.2020

 
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Das Buch:

Sebastian Fitzek: Der Heimweg. Psychothriller

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Mnchen: Droemer Verlag 2020 400 S., 22,99 ISBN: 978-3-426-28155-0

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