Krimis & Thriller

Die Sensation eines Krimidebts

Leipzig, Januar 1920: 14 Monate nach Ende des Ersten Weltkrieges kehrt Polizist Paul Stainer, schwer traumatisiert, aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Deutschland taumelt durch die Nachkriegswirren. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Und in viel zu vielen Nächten wird Stainer vom Grauen der Schützengräben eingeholt. Der erste Gang in Freiheit führt Stainer zu seiner Frau. Doch er muss feststellen, dass sie mittlerweile mit einem anderen Mann liiert ist. Edith will die Scheidung, Stainer hingegen um seine Ehe kämpfen. Da zwingt eine rätselhafte Mordserie den Kriminalinspektor, sich mit der Gegenwart zu befassen: ein Gymnasiallehrer, in seiner eigenen Wohnung überfallen; zwei Männer, bei einem vermeintlichen Einbruch in einer Villa erschossen.

Auf dem ersten Blick deutet nichts auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen. Aber Stainer ist verdammt gut, sogar der Beste in seinem Job. Eine verängstigte Zeugin und ein Koffer voller Dokumente führen Stainer bald auf die Spur von Männern, die über Leichen gehen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Was der Inspektor nicht ahnt: Die Mörder haben ihn längst ins Visier genommen. Für Stainer wird es höchst gefährlich, auch für seine Karriere als Inspektor. Denn er ist Regierungsrat Dr. Kasimir ein Dorn im Auge. Der will die Akten lieber gestern als morgen schließen. Stainer gerät unter Druck; spätestens, als er an einen dritten Tatort gerufen wird. Stainer muss die "Operation Judas" aufhalten. Auch wenn ihn das sein Leben kostet ...

Crime-Time mit dem Suchtfaktor von Volker Kutschers "Babylon Berlin"-Reihe - Inspektor Paul Stainer hat das Zeug zum Kult à la Gereon Rath. Seine Fälle lesen sich äußerst spannend, sind noch genialer als Drogen. "Der rote Judas" macht high wie sonst nur Kokain. Kaum aufgeschlagen, verschlägt es einem ob solch sensationellstem Thrillerkino sogar den Atem. Die Story versetzt den Leser in einen Rausch ohnegleichen, begeistert ihn wie kaum etwas anderes. Thomas Ziebula kann schreiben, und das auch noch absolut grandios. Die Lektüre seiner Paul-Stainer-Krimis gestaltet sich als fesselnder Geschichtsunterricht, überzeugt mit Spannung, ebenso mit einer anschaulichen, überaus lebendigen Schilderung der Nachkriegszeit in Leipzig. Durch (fast) nichts zu übertreffen!

Es gibt nur wenige (deutsche) Autoren von ähnlich grandiosestem Schreibkönnen eines Thomas Ziebula. Seine Romane bedeuten Literatur, die einen ab der ersten Seite, sogar dem ersten Satz ganz atem-, außerdem sprachlos macht. "Der rote Judas" ist ein Krimijuwel ohnegleichen. Auf beeindruckende Weise werden hier deutsche Zeitgeschichte und ein spannender Kriminalfall miteinander verbunden. Chapeau, für diese Meisterleistung aus der Feder eines Autorengenies.

Susann Fleischer 
24.02.2020

 
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Das Buch:

Thomas Ziebula: Der rote Judas. Kriminalroman

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Reinbek: Wunderlich Verlag 2020 480 S., 20,00 ISBN: 978-3-8052-0006-6

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