Krimis & Thriller

Auf Leben und Tod

Emma Sköld ist tot - oder etwa doch nicht? Die unerschrockene Polizistin war auf der Intensivstation eines Stockholmer Krankenhauses von einem Eindringling getötet worden. So zumindest das Bild, das Emmas Vater, der ehemalige Provinzpolizeichef von Stockholm, alle Welt glauben lassen möchte. In Wirklichkeit war Emma erfolgreich wiederbelebt worden. Die offizielle Version, dass sie von der geistig umnachteten Ex-Freundin ihres verstorbenen Lebensgefährten mit einem Kissen erstickt worden war, kommt Emma und ihrem Vater allerdings nur recht. Tatsächlich scheint es eine ganz große Sauerei in der Stockholmer Polizei zu geben, hinter die Emma bei ihren Recherchen vom Krankenbett aus gestoßen war. Dies wiederum hatte einige hochrangige Tiere bei der Polizei dazu veranlasst, Emma aus dem Weg zu schaffen. So paradox es klingt: Um zu überleben, musste Emma sterben.

Seit einiger Zeit wird Stockholm von einer Serie brutaler Morde an Bettlern heimgesucht. Sogar ein Polizist war im Zuge der Ermittlungen ums Leben gekommen. Emma ist sich sicher, dass dieser Kollege einem großen Skandal auf der Spur war und für seine Ermittlungserfolge mit dem Leben bezahlen musste. Diese Fährten führen hinauf bis hin zur Gunnar, einem langjährigen Freund von Emmas Familie und Nachfolger ihres Vaters als Provinzpolizeichef von Stockholm. Emmas Familie ist dieser Tage ein komplettes Chaos. Alle bis auf Emmas Vater, der sie in einem abgelegenen Wochenendhaus auf dem Land pflegt, sind ob der Trauer um Emma am Boden zerstört. Dazu kommt neben dem sich merkwürdig benehmenden Vater eine Mutter, die sich auf eine gefährliche Liaison eingelassen hat. Emma muss volles Risiko gehen. Um ins Leben zurückkehren zu können, muss sie die skrupellosen Täter überführen und dabei nicht nur ihr Leben aufs Spiel setzen.

"Die Tote und der Polizist" lautet der Titel des neuesten Romans von Sofie Sarenbrant und macht dabei gleich deutlich, welche beiden Personen die Hauptrollen im dritten "deutschen" Fall von Emma Sköld spielen. In deutschsprachigen Übersetzungen waren anno 2017 bereits "Der Mörder und das Mädchen" sowie "Das Mädchen und die Fremde" erschienen. Die hohe Frequenz an erschienenen Büchern kann der herausgebende Rütten & Loening Verlag deswegen halten, weil die Autorin im schwedischen Original bereits einige Emma-Sköld-Romane produziert hat. Der Erfolg dieser Bücher führte dazu, dass Sarenbrants Pageturner seit kurzem auch in deutscher und englischer Sprache erscheinen. Die Veröffentlichungsreihenfolge der deutschen Bücher weicht dabei von der schwedischen ab, so dass man gespannt sein darf, welche Romane von Sarenbrant demnächst auf dem hiesigen Buchmarkt erscheinen werden.

Der vorliegende Fall führt nahtlos den Vorgänger "Das Mädchen und die Fremde" fort. Zwei Polizisten hatten dort die psychisch kranke Hillevi daran hindern können, Emma im Krankenhaus zu ermorden, um dies anschließend selbst zu übernehmen. Als Verdächtige kam ihnen Hillevi jedoch wie gerufen. "Die Tote und der Polizist" startet nun mit der Trauerfeier um Emma, die das Geschehen noch leicht lädiert, aber lebendig aus unmittelbarer Nähe beobachtet. Sie hat dabei eine Gruppe von Polizisten im Visier, die Stockholm und Schweden vom Unrat der Bettler befreien möchten. Dazu ist diesen jedes Mittel Recht. Es beginnt ein Wettrennen mit der Zeit, das ohne Zweifel für viele Beteiligte mit einer Katastrophe enden wird. Und um die Schuldigen hinters Licht zu führen, wird Emma noch weitere Menschen in Lebensgefahr bringen müssen.

Wer Sofie Sarenbrant als nur eine weitere schwedische Krimi-Schriftstellerin abtun möchte, der wird Abbitte leisten müssen. Ihre Romane um Emma Sköld sind absolute Spannungsfeuerwerke, die sich hinter keiner skandinavischen Krimireihe verstecken müssen. Ihre Fälle sind stets auf das Wesentliche ausgerichtet. Es gibt keine unnötigen oder ausschmückenden Handlungsstränge. Sarenbrants Schreibstil sorgt dafür, dass man beim Umblättern der Seiten keine Zeit verlieren möchte. Die rund 350 Seiten im vorliegenden Buch hat sie in mehr als 100 Kapitel getrennt, die allesamt zwischen zwei und vier Seiten umfassen. Von Kapitel zu Kapitel wechselt sie zwischen den Perspektiven der fünf bis sechs Protagonisten hin und her, Emma gestattet sie exklusiv die eindringliche Ich-Perspektive. Dieser Stakkato-Stil führt dazu, dass man als Leser immer und immer weiterlesen möchte und das Buch nicht aus der Hand legen kann. Glücklicherweise ist dank des produzierten Vorrats jetzt schon garantiert, dass es demnächst weiteres Material aus dem reichhaltigen Fundus von Sofie Sarenbrants Krimis geben wird.

Christoph Mahnel
29.10.2018

 
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Das Buch:

Sofie Sarenbrant: Die Tote und der Polizist. Aus dem Schwedischen von Hanna Granz

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Berlin: Rtten & Loening 2018
352 S., 16,99
ISBN: 978-3-352-00916-7

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