Krimis & Thriller

Bruno zum Zehnten

Der Schatz der Templer befeuert ähnlich wie der Heilige Gral die romantischen Abenteuer- und Schatzsuchergelüste der Menschheit. Gerade die vielen Burgen im Herzen und Süden Frankreichs, von wo aus die Tempelritter sich auf die Kreuzzüge begaben, stehen im Verdacht, diesen sagenumwobenen Schatz in sich zu bergen. Auf einer dieser Burgen stürzt im Hier und Jetzt eine junge Frau zu Tode. Auf der Burgmauer scheint sie noch versucht zu haben, eine letzte Botschaft zu hinterlassen. Doch die merkwürdige Buchstabenzusammensetzung gibt keinen rechten Sinn, selbst Bruno, Chef de police von Saint-Denis, ist mit seinem Latein am Ende. Glücklicherweise wurde ihm dieser Tage eine pfiffige Mitarbeiterin aus dem Ministerium zur Seite gestellt, die mit ihren Recherchemethoden Bruno haushoch überlegen ist.

Amelie begleitet Bruno bei seinen Einsätzen auf Schritt und Tritt und erweist sich rasch als Bereicherung für seine Arbeit wie auch für das gesellschaftliche Leben in Saint-Denis. Der Fall mit der zu Tode gestürzten Frau nimmt schnell Brisanz auf, da die Tote scheinbar für das Testament eines gewissen Iftikhar werben wollte, gemäß dem Jerusalem für Muslime nie eine signifikante Bedeutung hatte. Sollte sich dies als historische Wahrheit herausstellen, würde es den Muslimen schließlich jegliche Grundlage für ihr Beharren auf den Besitzansprüchen in Jerusalem entziehen. Sehr bald gibt es valide Anhaltspunkte dafür, dass muslimische Attentäter hinter dem gewaltsamen Ableben der jungen Frau stecken und sich auch weiterhin im beschaulichen Périgord verschanzen. Höchste Alarmbereitschaft also für Bruno und seine Mitstreiter!

Jedes Jahr im Übergang vom Frühling in den Sommer weckt der Zürcher Diogenes Verlag mit dem neuesten Bruno-Roman von Martin Walker die Urlaubsgefühle seiner deutschen Leser und macht Lust auf einen einzigartigen Urlaub im Périgord. Landschaftlich und kulinarisch scheint dieser Flecken Erde dem Paradies gleichzukommen. "Revanche" lautet der schlichte Titel der deutschen Übersetzung von Walkers mittlerweile zehntem Bruno-Roman. Anno 2009 war ihm mit "Bruno, Chef de police" ein Überraschungshit gelungen, der fortan Jahr für Jahr mit einem neuen Fall aus dem Périgord bestätigt wurde. Mittlerweile gehören Walkers Romane zu den Dauerbrennern, die ihren festen Platz im jährlichen Bücherkalender haben. Walkers Rezeptur ist dabei unverändert geblieben: Die Eigenheiten von Land und Leuten, leckeres Essen, nette Menschen und ein geschichtliches und lokal verankertes Thema liefern den Stoff für seine Romane.

Es ist bei Dauerschreibern wie Walker sicherlich verzeihlich, wenn die Jahr für Jahr immer höher gelegte Latte mal nicht übersprungen werden kann. Im vorliegenden Roman lässt Walker den Drive, der seinen Romanen bisher stets innegewohnt hat, ein wenig vermissen. Eventuell hat er es dieses Mal mit der Beschreibung von Bruno und seinen Freunden, die alle denkbar guten Eigenschaften auf sich vereinen, übertrieben, auch hat er in "Revanche" wohl etwas zu viel Hintergrundwissen in die Handlung einfließen lassen. Als Leser wird man nämlich das Gefühl nicht los, dass einen primär die Loyalität zum Autor und zur Reihe antreibt weiterzulesen und nicht unbedingt die Spannungskurve oder die Handlung selbst. Doch man muss an dieser Stelle auch die Kirche im Dorf lassen. Schließlich ist selbst ein unterdurchschnittlicher Bruno-Roman immer noch besser als mindestens Dreiviertel von allem anderen, was auf dem Büchermarkt feilgeboten wird.

Brunos Harem ist in "Revanche" auch wieder komplett am Start. Zwar ist die Leidenschaft zu seiner Vor-Ort-Dauerfreundin Pamela deutlich heruntergekühlt, dafür ist Isabelle, die schnittige Pariserin mit der Kurzhaarfrisur, wieder mal dienstlich in Saint-Denis zugegen. Außerdem ist gefühlt jede andere Frau in Bruno verschossen, zumindest heimlich. Obwohl dieses Mal Martin Walker nahe am kitschigen Klischee vorbeischrammt, ist es mit einem Bruno-Roman doch stets wie nach Hause zu kommen, wenn man die wunderschönen Bücher aus dem Diogenes Verlag in Händen hält und ins Périgord zu Bruno und seinen Freunden abtauchen darf. Auch wenn Martin Walker mit Jahrgang 1947 altersmäßig schon eine Sieben ganz vorne stehen hat, scheint ihm auch privat das Leben im Périgord gut zu bekommen, so dass er die Jahrestaktung seiner Romane immer noch aufrechterhalten kann. Bruno-Roman Numero 11 ist im englischen Original bereits eingetütet: "A Taste for Vengeance" ist dieser Tage erschienen, die deutsche Übersetzung wird garantiert im nächsten Frühjahr folgen.

Christoph Mahnel
18.06.2018

 
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Das Buch:

Martin Walker: Revanche. Aus dem Englischen von Michael Windgassen

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Zrich: Diogenes Verlag 2018
416 S., 24,00
ISBN: 978-3-257-07025-5

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