Krimis & Thriller

Gefangen in Realitt und Wahnsinn: ein Mdchen auf der Suche nach ihrer eigenen Welt

In diesem knapp 100-seitigen Roman steht das 15-jährige Mädchen Sarah Florimath im Mittelpunkt. Sie hat vor drei Jahren ihre Mutter durch eine ungeklärte Todesursache verloren und muss jetzt den Unfalltod ihres Vaters beklagen. Schnell wird deutlich, dass sich Sarah seit dem Ableben der Mutter in einer Art Traumwelt befindet und sich immer weiter von ihrem Vater entfremdet hat. Außerdem kommt sie mit sich selbst und ihrer Umwelt nicht klar. Und sie setzt alles daran, ihre körperlichen Veränderungen vom Mädchen zur Frau zu verbergen.

Nur wenige Personen nahmen beziehungsweise nehmen Einfluss auf Sarahs Leben, die - teilweise in Rückblenden - kurz, aber recht prägnant vorgestellt werden. Diese einzelnen Mosaiksteinchen ergeben dann ein logisches Bild von Sarahs Verhalten.

Der Vater Anton Florimath, ein Endvierziger und ehemaliger Orchestermusiker, durch den Tod seiner Frau Klara völlig aus der Bahn geworfen, fristete in Depressionen sowie ohne Lebensmut und Körperdisziplin ein jämmerliches Dasein in einem städtischen Amt. Die Mutter, deren Familie dem rassistischen Morden während des Zweiten Weltkriegs entkommen war, und von deren Schicksal sie immer gezeichnet war, war in fast allen Bereichen des Lebens immer stärker als ihr Mann, hat aber als eine von wenigen immer an ihn geglaubt.

Ebenfalls von großer Bedeutung ist Florimaths alter Freund Alois Hottenmoser, der als erfolgreicher Geschäftsmann das krasse Gegenteil von Sarahs Vater darstellt. Er hat es immer noch nicht überwunden, dass sich Klara seinerzeit gegen ihn entschieden hatte. Dessen Frau Madeleine leidet noch immer unter ihrer Kinderlosigkeit und den ständigen außerehelichen Eskapaden ihres Mannes. Das Ehepaar wird quasi zu Sarahs Pflegeeltern.

Biber, eine Journalistin und frühere Freundin von Klara, steht Sarah unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters bei. Dann ist da noch Sarahs beste Freundin Laura, die ihr allerdings in vielen Bereichen weit voraus ist und der sie sich bedingungslos anvertrauen kann.

Sarah fühlt sich bei den Hottenmosers nicht wohl: Alois macht anzügliche Bemerkungen, und die unaufrichtige Madeleine sieht in dem Mädchen eine Ersatztochter. Schließlich lernt Sarah den Lehrmeister einer Sekte kennen, von deren Zielen eines himmlischen Reichs und eines Kampfes für eine bessere Welt sie sich magisch angezogen fühlt, auch wenn sie weiß, dass die Menschheit erst vergehen muss, damit dieses geistige Reich kommt. Da reift in ihr der Entschluss, Hottenmoser umzubringen, der für sie das Böse und den Satan verkörpert, und sie malt sich mit Laura genüsslich diverse grausame Todesarten für ihn aus.

Letztlich stellt sich heraus, dass die eifersüchtige Madeleine auf der Suche nach ihrem fremdgehenden Mann versehentlich Alois Florimath angefahren und getötet hat. Hottenmoser selbst will nun für Sarah sorgen und erwähnt dabei in angetrunkenem Zustand, dass er etwas mit dem Tod von Sarahs Mutter Klara zu tun hat, indem er sie vergewaltigt hat. Danach hat Klara wohl Selbstmord begangen. Sarah selbst tötet Hottenmoser auf grausame Weise und sieht keinen anderen Ausweg, als sich selbst das Leben zu nehmen, und zwar an genau der gleichen Stelle, an der ihre Mutter starb.

Der Autor lässt in zahllosen Gedankengängen tief in das innerste Seelenleben eines ungefestigten Mädchens in seelischer Not blicken, das unbedingt ein Junge sein wollte und sich seine eigene Welt zurechtlegt. Der Leser wird zudem Zeuge von Sarahs eigenen Visionen und Erscheinungen mit vielen Lichtern und Farben und ihrem Willen, das Böse, das Satanische zu vernichten. Mehrfach vermischen sich bei ihr Realität und Wahn. Damit ist ihr Ende unausweichlich.

Andreas Berger
29.05.2017

 
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Das Buch:

Andreas Holschneider: Sarah Florimath. Eine Kriminalgeschichte

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2017
96 S., 12,80
ISBN: 978-3-8372-1975-3

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