Kinder- & Jugendbücher

Ein Sachbuch , wie es solch eines noch nicht gibt

Vor fast genau einhundert Jahren, am 28. Juli 1914, erklärte die Österreichisch-Ungarische Monarchie dem Königreich Serbien den Krieg und überzog die ganze Welt mit einem dunklen Schatten. 17 Millionen Menschen verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Viele Soldaten wurden schwer verletzt und kehrten als Kriegskrüppel in eine Heimat zurück, die durch Bomben fast vollständig zerstört war. Deutschland war kaum wiederzuerkennen und seine Bewohner gezeichnet für ein ganzes Leben - so wie der Rest der Welt. Für die Kinder und Jugendlichen von heute ist kaum vorstellbar, was damals geschah. Doch dank Nikolaus Nützel wird die Vergangenheit wieder lebendig - und zwar mit all der Grausamkeit des Großen Krieges.

In "Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg" erzählt der deutsche Journalist und mehrfach ausgezeichnete Autor von Gräueltaten, die dem Leser eine Gänsehaut bereiten, und von den persönlichen Erfahrungen seines Großvaters. Dieser zog als junger Mann an die Front und wurde wenige Wochen nach Kriegsausbruch wieder nach Hause geschickt. Noch auf dem "Feld der Ehre" musste ihm das Bein amputiert werden - im 21. Jahrhundert nur schwer vorstellbar. Doch damals bezahlte man für seinen Patriotismus oftmals einen hohen Preis. Österreich-Ungarn und sein Verbündeter Deutschland waren auf die totale Vernichtung aus und wollten die Welt zu ihrem Vorteil verändern. Das Attentat von Sarajevo auf Erzherzog Franz Ferdinand war nur ein Vorwand.

Wie Nützel eindrucksvoll aufzeigt, gab es längst Pläne, sich die Welt untertan zu machen und andere Völker in den Abgrund zu stürzen. Es fehlte lediglich ein Grund. In knapp 150 Buchseiten kann man aufs Ausführlichste die (wahren) Gründe des Kriegsausbruches, die Folgen und Veränderungen, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte, nachlesen. Dabei gelingt es Nützel insbesondere Kindern die Grausamkeiten, die zwischen 1914 und 1918 geschahen, näherzubringen - und darüber hinaus die Menschen, die einst mittel- oder unmittelbar dabei waren, nicht zu vergessen. Damit verleiht er dem vorliegenden Buch eine ganz persönliche Note und macht die Geschehnisse umso eindringlicher. Eben eine Lektüre, die niemanden kalt lässt und tief im Herzen zu berühren vermag.

Von Büchern wie "Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg" sollte es unbedingt mehr geben. Nikolaus Nützel gelingt es, komplizierte Sachverhalte Lesern jeden Alters verständlich näherzubringen und diese mit Hilfe von Fotos und Grafiken zu verdeutlichen. Spannender wie packender kann selbst der Geschichtsunterricht an deutschen Schulen kaum sein. Bei der Lektüre entstehen Bilder im Kopf, die man definitiv nicht mehr vergessen wird. Es steht außer Frage: Für dieses Werk hat Nikolaus Nützel zweifellos einen Preis verdient. Hier findet man nämlich Wissen, das den Leser garantiert noch lange nach Weglegen des vorliegenden Buches beschäftigen wird - und zwar weil sich das Thema auch mit der Frage beschäftigt: Was ist der Mensch?

"Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg" dient nicht nur als Zeitzeugnis, sondern ist zugleich auch ein Mahnmal: Auf das es niemals wieder einen Krieg geben wird, wie er vor einem Jahrhundert die Welt mit einem dunklen Schatten überzog.

Susann Fleischer
07.10.2013

 
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Das Buch:

Nikolaus Nützel: Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg. Was der Erste Weltkrieg mit uns zu tun hat

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München: arsEdition Verlag 2013
144 S., € 14,99
ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-8458-0172-8

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