Kinder- & Jugendbücher

Abschluss der Adrian-Mayfield-Trilogie – mit Happy End?

Zwei Jahre nach Erscheinen des zweiten Bandes können sich Fans von Floortje Zwigtmans Adrian-Mayfield-Trilogie nun über den dritten und letzten Band der Reihe freuen. Ein Happy End für die ungewöhnliche Liebe zwischen dem jungen Stricher Adrian und dem älteren, gut situierten Vincent scheint jedoch zunächst sehr unwahrscheinlich.

Adrian, der am Ende des zweiten Bandes von Vincent vor die Tür gesetzt wurde, als dieser von Adrians Vergangenheit als Stricherjunge erfährt, sinnt nun auf Rache. Auf fast selbstzerstörerische Weise will sich Adrian für das erfahrene Leid und den Herzschmerz rächen und schwankt immer wieder zwischen Liebe und (Selbst-)Hass. Vincent untergehen zu sehen, ist dem Leidenden einiges wert: Er bedient sich zwielichtiger Personen und nicht immer ganz sauberer Methoden. Wie tief Adrian in seinem Liebeswahn auch sinkt, als Leser ist man dank Zwigtmans hervorragenden Stils nie wirklich versucht, ihn zu verurteilen. Auch wenn Adrians Tun nicht immer nachvollziehbar ist, seine Gefühle sind es immer.

Letztendlich muss Adrian erkennen, dass sein Hass auf Vincent verschwendete Liebesmüh ist, denn sein geliebter Vince konnte nicht anders, als ihn zu verleugnen und stattdessen der unschuldigen Octavia einen Heiratsantrag zu machen. Zu Zeiten der Oscar-Wilde-Prozesse und der öffentlichen Homophobie ist Vincent gefangen in den gesellschaftlichen Normen und leidet unter der Bevormundung seines älteren Bruders Stuart.

Abgesehen davon, dass der dritte Band eine düsterere Grundstimmung als die ersten beiden hat, ähnelt er seinen Vorgängern - besonders in all ihren herausstechenden Merkmalen: Zwigtman hat die Hintergründe ihrer historischen Charaktere hervorragend recherchiert und lässt sie gekonnt mit den fiktiven Charakteren und deren Geschichten verschmelzen. Die Übergänge zwischen Realität und Fiktion sind fließend. Wer sich für die Zeit Oscar Wildes und das Leben im viktorianischen England interessiert und dabei nicht auf eine lebendige und emotionsgeladene Erzählung verzichten möchte, ist auch mit dem dritten Band über Adrian Mayfield und seine Feinde und Freunde bestens beraten. Zwigtman lässt nicht nur das England um 1900, sondern auch die Personen - ob historisch oder fiktiv - vor dem Auge des (jungen) Lesers lebendig werden.  

Sabine Mahnel
01.08.2011

 
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Das Buch:

Floortje Zwigtman:
Adrian Mayfield – Auf Leben und Tod. Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

Bild: Buchcover Floortje Zwigtman, Adrian Mayfield – Auf Leben und Tod.

Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2011
637 S., € 22,00
ab 15 Jahren
ISBN: 978-3-8369-5367-2

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