Kinder- & Jugendbcher

Bis(s) alles gesagt ist

Ohne Zweifel geh?rt die "Twilight"-Saga der US-amerikanischen Autorin Stephenie Meyer neben den "Harry Potter"-Romanen zu den erfolgreichsten Romanserien der zur?ckliegenden Nuller-Jahre. In Deutschland wurde die vierb?ndige "Twilight"-Saga aufgrund ihrer deutschen ?bersetzung als "Bis(s)"-Serie vermarktet und zu einem Riesenerfolg vor allem bei Jung, aber auch bei Alt. In allen vier B?ndern schreibt Meyer aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Bella, einer Highschool-Sch?lerin, und ?ber deren Liebe zu Edward Cullen, einem Vampir. 

"Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl" folgt im Titelnamen dem bisherigen Konzept, ansonsten stellt es lediglich eine Erg?nzung zur "Bis(s)"-Serie dar - auch ist keine Weiterentwicklung ?ber das Ende des vierten Bandes hinaus enthalten. Die Hauptdarstellerin Bree Tanner, eine Neugeborene, hatte einst in "Bis(s) zum Abendrot", dem dritten Band der "Twilight"-Saga, einen kurzen Auftritt. Als Neugeborene werden diejenigen Vampire bezeichnet, die gerade frisch zum Vampir mutiert sind und noch keine Kontrolle ?ber ihren Blutdurst haben. Bree geh?rte dabei zu den Neugeborenen, die von den Gegnern des Cullen-Clans als Werkzeuge im Kampf gegen Bella, Edward und dessen Familie eingesetzt wurden. Dabei hatte Bree aufgrund ihrer Weigerung, gegen die Cullens zu k?mpfen, eine besondere Stellung eingenommen. Stattdessen hatte sie seinerzeit sogar die Kontaktaufnahme mit den Cullens gesucht, wodurch es im dritten Band auch zu einer kurzen Begegnung mit Bella gekommen war. 

Das vorliegende Buch ist zum einen eine traurige Liebesgeschichte zwischen Bree und einem Neugeborenen und zum anderen eine Erg?nzung zu einer Nebenhandlung aus "Bis(s) zum Abendrot". Letztlich f?gt sich die Handlung in "Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl" am Ende auch wieder mit der Handlung des dritten Bandes zusammen, so dass f?r "Twilight"-Fans der Ausgang des Buches nat?rlich wenig ?berraschend daherkommt. 

Bei einer b?sartigen Einstellung k?nnte man argumentieren, dass Stephenie Meyer und mit Carlsen ihr deutscher Verleger sich den Marktmechanismen unterworfen haben und unter gro?en Ank?ndigungen die Marketing-Maschinerie angeworfen haben, um die versiegende "Twilight"-Geldquelle noch ein letztes Mal sprudeln zu lassen. Indizien hierf?r liegen auf der Hand: Eine f?r die eigentliche Handlung der "Twilight"-Saga keinesfalls notwendige Kurzgeschichte wurde als kapitelloser Text mit einer Gro?schrift versehen, die zumindest die Seitenanzahl auf zweihundert und damit in "Buchn?he" gehievt hat. Und: Garantierte 15,90 Euro pro "Twilight"-Fan sind in der Folge auf der Habenseite zu verbuchen. 

Doch halt! Wer so argumentiert, ist entweder kein "Twilight"-Fan oder hat sich nicht die M?he gemacht, die Autorin und ihre Absicht f?r dieses Buch verstehen zu wollen. Wie Stephenie Meyer im einleitenden Vorwort schildert, war sie bereits beim Schreiben des dritten Bandes hin- und hergerissen, die Geschichte anders enden zu lassen, als sie es letztlich getan hat. Da die Bella-zentrische Schreibweise der vier B?nde auch nur sehr bedingt andere Perspektiven zugelassen hat, war es ihr Wunsch, mit Bree einer Nebenperson das Wort zu erteilen und ihr zu erlauben, ihre Sicht auf den Verlauf der Dinge preiszugeben. Dies alleine ist bereits Grund genug f?r das Erscheinen des vorliegenden Buches, dar?ber hinaus hat eine bedeutende Serie wie die "Twilight"-Saga definitiv das Recht zu einer kleinen Zugabe, die man ganz selbstverst?ndlich von jedem begeisternden K?nstler auf der B?hne durch starken Applaus und verlangenden Zuruf einfordert. 

Christoph Mahnel 
02.08.2010

 
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Das Buch:

Stephenie Meyer: Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl - Das kurze zweite Leben der Bree Tanner. Aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier

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Hamburg: Carlsen Verlag 2010
224 S., 15,90
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-551-58200-3

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