Kinder- & Jugendbcher

Zweiter Teil der "Ein Haus in Berlin"-Reihe

Irgendwo in Berlin steht ein Haus, das schon vielen Einwohnern ein Heim gewährte. Im ersten Band der "Ein Haus in Berlin"-Reihe wird die Geschichte von Luise und Bertram im Jahre 1890 erzählt. Sie ein armes Mädchen, er ein "Judenbengel". Die beiden müssen sich gegen die damaligen Konventionen behaupten und für ihre Liebe kämpfen. Diese Geschichte zweier Menschen bildet die Grundlage für den zweiten Band der Reihe "Ein Haus in Berlin", in der die Geschichte der 16-jährigen Katharina Sander, von allen nur "Katze" genannt, und den Schrecken des nationalsozialistischen Deutschlands erzählt wird.

Mitte der 1930er Jahre: Adolf Hitler ist seit zwei Jahren als Reichskanzler an der Macht und setzt langsam, Stück für Stück, seine Pläne wider die Juden durch. Gerade ist das neue "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" erlassen worden. Dieses regelt das Zusammenleben der Juden und Nichtjuden ("Arier"), indem Eheschließungen zwischen diesen verboten werden. Die jugendliche Katharina möchte sich nicht, wie ihre Klassenkameraden, Lehrer und Nachbarn, der breiten Masse anpassen und gegen die Juden vorgehen, stattdessen setzt sie sich vielmehr für diese ein. Und dies hat auch seine Gründe: Katharinas Tante und Zeichenlehrerin Paula ist zur Hälfte Jüdin und hat demzufolge mit etlichen Problemen zu kämpfen. Sie musste beispielsweise auf Katharinas Schule als Lehrerin aufhören und ihrer "entarteten Kunst" wird wohl nie der Ruhm zuteil, der ihr zustehen würde. Und so legt sich Katharina mit all jenen an, die Böses gegen Juden sagen.

Bei einem solchen Zwischenfall mit der verhassten Hannelore Blaschke lernt Katharina den gleichaltrigen begeisterten Nationalsozialisten Gerolf kennen. Dieser glaubt an Hitlers Ideologie und betätigt sich aktiv in der Hitlerjugend. Auch er bemerkt Katharina und fasst schnell Zuneigung zu dem etwas anderen Mädchen, das für seine Ideale einsteht und diese bis aufs Blut verteidigt. Einzig Katharinas Umfeld macht Gerolf zu schaffen: Ist Katharina doch mit einer Halbjüdin verwandt und ihre Großmutter ist nicht nur eine "Lumpenverkäuferin", sondern auch noch Trinkerin. Da steht für Gerolf schnell fest, dass er Katharina aus diesem Milieu reißen muss, um sie zu retten. Und so versucht er, Katharina von seinen Ansichten zu überzeugen und sie so auf die "andere Seite" zu ziehen. Bleibt nur die Frage, ob Katharina sich ihrer ersten großen Liebe hingibt oder sie für ihre Überzeugungen einsteht. Und so steht das Mädchen, das mitten im Erwachsenwerden steckt, vor einer großen Entscheidung - zumal sich die Lage in Deutschland langsam zuspitzt und die Auflösung eines unerwarteten Geheimnisses Katharinas Leben vollends aus der Reihe bringt.

Die Autorin Waldtraut Lewin war von 1961 bis 1973 als Musikdramaturgin, Opernübersetzerin und Regisseurin am Landestheater Halle tätig. Diesen Einfluss merkt man ihrem Jugendroman "Ein Haus in Berlin 1935 - Paulas Katze" an, wenn Gerolf an seinem Klavier Stücke von Wagner oder Liszt spielt oder sich die beiden Verliebten in ihrem Kämmerchen klassischer Musik hingeben. Verweise auf Wagners "Ritt der Walküren" oder die Oper "Die Zauberflöte" versuchen bei Kindern ein Interesse für deutsche klassische Musikstücke zu wecken. Denn wie sich zeigt, vermögen diese Gefühle zu wecken und zu transportieren und nehmen indirekt Einfluss auf das Seelenleben eines Menschen.

Klassische Musik steht aber keineswegs im Vordergrund dieses einfühlsam geschriebenen Romans, sondern bildet vielmehr einen Hintergrund, der manches zu erklären vermag. Als Leser wird man beinahe zeitglich in zwei grundverschiedene Welten geführt, die scheinbar unvereinbar sind. Da ist einerseits Katharina, die mit Juden sympathisiert und sich durch eine starke Eigenwilligkeit auszeichnet, andererseits steht ihr Gerolf gegenüber, der blind seinem Führer Adolf Hitler folgt und nichts hinterfragt. Vielmehr befürwortet er das brutale Vorgehen der Nationalsozialisten gegen die Juden. Auf diese Weise wird dem jungen Leser vorgeführt, wie sehr sich Menschen beeinflussen lassen.

Susann Fleischer
27.07.2009

 
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Das Buch:

Waldtraut Lewin: Ein Haus in Berlin 1935 - Paulas Katze

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Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2009
288 S., 7,95
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-473-58171-9

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