Kinder- & Jugendbcher

Detektivarbeit im Alten gypten

Der altägyptische Pharao Tutanchamun gibt uns seit der Entdeckung seines Grabes im Jahre 1922 durch Howard Carter Rätsel auf. Er wurde nur circa 18 Jahre alt und seine Todesursache war vermutlich ein offener Oberschenkelbruch, der sich entzündet hatte. Doch es halten sich trotz neuester Erkenntnisse hartnäckig Mordtheorien. Da verwundert es keineswegs, dass Schriftsteller sich diesem Thema ausgiebig widmen. So auch Brigitte Riebe in ihrem neuesten Jugendbuch "Der Kuss des Anubis", in dem die 15-jährige Miu im Mittelpunkt der Handlung steht.

Miu lebt in Waset, besser bekannt als Theben, dem Mittelpunkt des Pharaonenreiches. Sie wohnt zusammen mit ihrem Vater, ihrer Großmutter und einer Bediensteten unweit des Nils und erlebt aufregende Abenteuer. Dabei hört sie weniger auf ihren Vater, was wohl daran liegt, dass Miu langsam erwachsen wird und einen doch recht eigenwilligen Kopf hat. Eines Tages hört sie in der Schenke ihrer Tante, dass zwei Männer einen Anschlag auf den Pharao Tutanchamun planen. Um dies zu verhindern, begibt Miu sich zusammen mit ihrer Großmutter zum Palast und warnt den Herrscher. Da dieser erkennt, dass Miu die Wahrheit spricht, wird er aufmerksam und kann so dem tödlichen Biss einer Kobra noch knapp entgehen. Aus Dankbarkeit, dass Miu ihn gewarnt hat, lädt er sie zu sich ein und zeigt ihr offen seine Zuneigung, was allerdings seiner Frau Anchesenamun nicht genehm ist. Und so entwickelt sich eine scheinbare Liebe zwischen Miu und Tutanchamun, die Ruhe ist allerdings sehr trügerisch – zumal sie von einem zweiten Anschlag durch vergiftetes Essen unterbrochen wird. Und so begibt sich Miu nun auf den gefährlichen Weg, die Attentäter auf den Pharao zu entdecken, um so das Leben des "Einzig-Einen" zu retten.

Die Haupthandlung wird unterbrochen durch zwei scheinbar nebensächliche Handlungen, die aber nicht unwesentlich für den Verlauf des Plots sind. Zum einen soll Mius etwas älterer Cousin Ani in seiner Tätigkeit als Polizist Grabräuber dingfest machen, die schon seit längerer Zeit im Tal der Könige Gräber schänden und plündern. Zum anderen wird Mius Vater auf hinterhältige Weise erpresst, wenn er für einst begangene Taten Buße leisten soll. Seinen Höhepunkt erreicht das Buch, als Ani und Mius Vater als vermeintliche Grabräuber festgenommen werden. Da muss man bis zum Ende am Buch dranbleiben, um zu erfahren, ob Miu die Attentäter fassen kann und ob die zwei wichtigsten Männer im Leben der Protagonistin nicht freigelassen, sondern womöglich zum Tode verurteilt werden.

Brigitte Riebe ist mit "Der Kuss des Anubis" ein ausgezeichneter historischer Roman für Kinder ab zwölf Jahren gelungen, mit dem man sich in eine Zeitreise zurück in das Alte Ägypten begibt. Mit Mius Wahl als "Detektivin", oder doch zumindest Retterin des Pharaos, zeigt Riebe Kindern von heute, dass das damalige Leben zwar einerseits anders war als heutzutage, aber andererseits bereits damals ähnliche Interessen vorlagen: Man traf Freunde, spielte miteinander und erlebte aufregende Abenteuer. Die Liebesgeschichte wird in erster Linie eher die Mädchen berühren, während die männlichen, jugendlichen Leser wahrscheinlich mehr mit Ani mitfiebern werden. Ganz nebenbei gibt es eine kleine Lektion in Sachen Geschichte, denn schließlich erfährt man alles Wissenswerte über das Alte Ägypten, seine Bewohner und deren Herrscher. Dies ist auch in der Wahl von altem Vokabular erkennbar. Wer also ein wenig Geschichtsunterricht erfahren möchte,  verpackt in eine spannende Geschichte, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Susann Fleischer
29.06.2009

 
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Das Buch:

Brigitte Riebe: Der Kuss des Anubis

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Mnchen: cbj Verlag 2009
416 S., 15,95
ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-570-13679-9

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