Kinder- & Jugendbcher

Leprochan Ein Gnom erklrt den Menschen die Welt

"Hallo ... ich bin der Leprochan." So beginnt das erste Zusammentreffen zwischen Thomas und einem kleinen Gnom. Dieser Gnom der sich selbst den "größten und wichtigsten" Gnom nennt, ist erschienen, um Thomas fortan die Welt aus seiner Sicht darzustellen, was vor allem eine endlose Reihe von Schimpftiraden über die Dummheit und Blindheit der Menschen mit sich führt. Da Leprochan Thomas aber "adoptiert" hat, gibt es für Thomas auch keine Möglichkeit, sich den umfangreichen Theorien seines Gnoms zu entziehen, denn eine Menschenadoption dauert ein Menschenleben lang. Erst danach kann der Gnom sich ein neues menschliches "Adoptivkind" suchen.

Mit dem plötzlichen Erscheinen des Gnoms beginnt für Thomas aber auch eine abenteuerliche Zeit, denn der Gnom hat ständig neue Ideen und Flausen im Kopf. So verschlägt es sie nach New Orleans, wo Leprochan erfährt, warum er im Gegensatz zu anderen Gnomen nicht unsichtbar werden kann. Ein Krokodilszahn spielt dabei eine entscheidende Rolle. In Frankreich treffen sie die wunderschöne Hexe Erika, in Spanien erfahren sie alles über die Boshaftigkeit von Zwergen. Sie kehren in das Reich des Steinkönigs ein, sie treffen Halbgnome und schließlich bewirkt Leprochans Liebeszauber fast noch eine Katastrophe, als Thomas sich in die Tänzerin Carla verliebt.

Auf den vielen Reisen und während der unzähligen Abenteuer versucht Leprochan Thomas' Blick wieder auf das für ihn Wesentliche zu lenken. Er verurteilt immer wieder den Drang nach Macht und sieht den technischen Fortschritt als negative Entwicklung, die den Menschen von der Natur und seinen ursprünglich guten Fähigkeiten und Charakterzügen weglenkt. Das Wichtigste für die Urteilsbildung ist für den Gnom, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wie Thomas im Laufe der Zeit erfährt, meint er dies nicht nur im übertragenen Sinn, so dass es keine Seltenheit bleibt, dass er mit Leprochan ins Erdreich eindringen muss, sei es in eine Seeräuberhöhle, die Wohnung der Hexe Erika oder in das Reich des Steinkönigs. Durch die vielen Anekdoten, die Leprochan durch seine lange Lebenserfahrung (Thomas ist bereits sein 4. adoptierter Mensch) zum besten geben kann, erfährt der Leser außerdem viele historische Hintergründe über die Orte, an die Leprochan Thomas führt.

Der Autor wagt in Leprochan eine Mischung aus den verschiedensten literarischen Genres: Das Buch ist sowohl Fantasy-Roman, Märchen, Reisebericht, als auch historischer Abriss und philosophisches Traktat. Die Handlung führt vielleicht auch deshalb nicht stringent von A nach B. Es handelt sich eher um die Aneinanderreihung vieler kleinerer Geschichten. Dem Autor ist es dabei dennoch gelungen gute Spannungsbögen am Ende einzelner Kapitel zu ziehen, die den Leser dazu animieren, gleich das nächste Kapitel zu lesen. Auch die Figur des Gnoms wurde vom Autor liebevoll gezeichnet. Der Name Leprochan setzt sich, wie im Buch selbst erläutert wird, aus lepe = "sehr beschlagen sein", emprode = "Nutzen bringen" und chan = "zeigt das Heitere" zusammen. Diese Charaktermischung ist es denn auch die den Gnom auszeichnet und seine Geschichten für die Leser interessant macht.

igo
13.12.2002

 
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Das Buch:

Gerhard Stiegler: Leprochan. Von Gnomen und Menschen

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Egelsbach/Frankfurt: Fouqu Literaturverlag 2002
359 S.
ISBN: 3-8267-5067-5

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