Kinder- & Jugendbücher

Wie eine Art "Schindlers Liste" der Kinder- und Jugendliteratur

Deutschland, 1942: Der 13-jährige Ernst Lossa wird als schwer erziehbar in eine psychiatrische Heilanstalt eingewiesen. Nach anfänglichem Widerstand gewöhnt er sich an das Anstaltsleben und wird Helfer des Hausmeisters Witt. Mit diesem muss er auch den Raum säubern, in dem Obduktionen stattfinden. Der Leiter Dr. Veithausen gibt sich menschlich, führt aber konsequent das Euthanasieprogramm durch, bei dem regelmäßig Anstaltsbewohner mit Bussen weggebracht werden. Ernst freundet sich mit einem anderen Jungen an, der einen Ausstieg zum Dach kennt, wo sie ein wenig Freiheit genießen. Der Junge wird schließlich von seinen Eltern abgeholt. Auch Ernst ist überzeugt, dass sein Vater ihn abholt und sie nach Amerika gehen.

Eines Tages wird das Tötungsprogramm umgestellt, und die Anstalt muss nun selbst die Insassen umbringen. Als das stumme Mädchen Amelie an der Reihe ist, kann Ernst sie zusammen mit Oberschwester Sophia verstecken. Ernst freundet sich mit Nandl an, die an Epilepsie leidet und keine Angehörigen mehr hat. Bei einem Fliegeralarm wollen die beiden das Chaos nutzen und vom Keller aus flüchten, doch Bomben fallen auf das Anstaltsgelände. Die ebenfalls in den Keller geflüchtete Oberschwester Sophia kommt mit Amelie dabei um, während sich Nandl verletzt und Bettruhe verordnet bekommt. Bei der Beerdigung von Sophia beschimpft Ernst Dr. Veithausen als Lügner und Mörder. Daraufhin setzt dieser ihn auf die Todesliste ...

Was für ein Tränenschocker - während der Lektüre von "Nebel im August" bleibt garantiert kein Auge lange trocken. Robert Domes sorgt für Unterhaltung, die einfach niemanden kalt lässt. Nach nur wenigen Seiten weint man regelrechte Sturzbäche von Tränen. Diese Geschichte zeugt von großen Gefühlen, und darüber hinaus von hoher Erzählkunst. Das Schicksal von Ernst Lossa ist ein Mahnzeichen für uns. Und es steht stellvertretend für Tausende anderer, die als "unwertes Leben" ausgeräumt wurden. Lossa und Domes geben den Opfern eine Stimme. Lesekino ist seltenst so ergreifend und erschütternd wie in diesem Fall. Solche Literatur wird man sein Leben lang nicht mehr vergessen. Lossa bleibt in unserer Erinnerung und in unseren Herzen.

Robert Domes gelingt mit seinem Roman "Nebel im August" ein zutiefst erschütterndes und zugleich berührend schönes Leseerlebnis. Der deutsche Autor gibt dem Schrecken der Nazi-Zeit ein Gesicht. Er erweckt mit viel Feingefühl die Vergangenheit wieder zu Leben. Seine Worte sind pure Poesie und treffen den Leser mitten ins Herz.

Susann Fleischer
13.02.2017

 
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Das Buch:

Robert Domes:
Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa

Bild: Buchcover Robert Domes, Nebel im August

München: cbj Verlag 2016
352 S., € 9,99
ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-570-40328-0

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