Kinder- & Jugendbcher

Ein literarisches Juwel, so schn, dass es einen ganz atem- und sprachlos macht

In ihrem letzten Schuljahr steht Leni vor so mancher Herausforderung und vor der Frage, wie es nach dem Abitur weitergehen soll. Ein Studium? Eine Ausbildung? Reisen? Leni ist ein normales und glückliches Mädchen voller Träume. Bis ein Moment alles verändert und etwas in ihr aus dem Gleichgewicht gerät. Es beginnt mit zu vielen Gedanken und wächst zu Übelkeit, Panikattacken, Angst vor der Angst. All das ist plötzlich da und führt zu einer Diagnose, die Leni zu zerbrechen droht. Leni leidet an schweren Depressionen. Eine Therapie soll helfen. Doch es ist ein Kampf, der Leni viel abverlangt. Zu viel? Trotz Medikamenten, trotz der Aufnahme in einer psychiatrischen Einrichtung, trotz Einzel- und Gruppengesprächen ist die Dunkelheit in Leni stärker. Aber auch dann brennt immer noch ein Licht. Man muss es nur finden.

Da lernt Leni Matti kennen. Er führt ein Leben ohne Schmerz. Dabei möchte er nichts sehnlicher, als endlich zu fühlen. Nach einem vermeintlichen "Suizidversuch" mit einer Rasierklinge landet Matti bei Leni auf der Station. Schnell kommen sich die beiden näher. Leni findet in Matti einen guten Freund, der sie als einziger zu verstehen scheint. Dabei ist ihre gemeinsame Zeit äußerst begrenzt. Matti plant seine Flucht. Leni, die glaubt, mit Matti an ihrer Seite ihr altes Ich werden zu können, begleitet ihn auf eine Reise, die sie nie antreten wollte. Plötzlich muss sich Leni ihren Ängsten stellen. Allerdings lähmen die Depressionen sie, in ihrem Handeln, in ihrem Denken, in ihrem Sein. Doch wenn Leni ihren Kampf, und damit ihre letzte Chance verliert, wird niemals wieder etwas wenigstens okay sein ...

Unterhaltung, die mitten ins Herz trifft und es zu brechen droht - Ava Reed schreibt Geschichten voller Emotionen. Mit diesen kriegt man ganz großes Gefühlskino in die Hände. "Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen." gehört zu den Lesehighlights dieses Jahres. Man verliert sich mit allen Sinnen in der Story, leidet mit Protagonistin Leni mit und hofft auf ein Happy End. Ein ähnlich berührendes, herzzerreißendes Leseerlebnis gelänge nur den wenigsten Schriftstellerinnen. Die deutsche Autorin macht Mädchen ab zwölf Jahren unfassbar traurig, trotzdem sehr, sehr glücklich. Ihre Romane bedeuten ein besonders wertvolles, besonders seltenes Geschenk. Während deren Lektüre verbraucht man unzählige Taschentücher. Nach nur wenigen Seiten weint man hier Sturzbäche von Tränen, auch vor berauschendem Leseglück.

Ava Reeds Erzählkunst ist von einmaliger Schönheit, absolut überwältigend. Diese besitzt eine Sogkraft, der man sich partout nicht entziehen kann, auch nicht entziehen möchte. "Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen." zeugt von solch einer Schwermut, zugleich aber auch Leichtigkeit, dass es einen glatt umhaut. Jugendliteratur ist selten mitreißender, grandioser, kostbarer. Definitiv betörendste Poesie zwischen zwei Buchdeckeln!

Susann Fleischer 
23.04.2019

 
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Das Buch:

Ava Reed: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.

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Berlin: Ueberreuter Verlag 2019 320 S., 16,95 ab 12 Jahren ISBN: 978-3-7641-7089-9

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