Gedichtbnde

Lyrik ber das Leben

2014 erschien im Frankfurter Literaturverlag der Band "Trost in der Lyrik. Gedichte" von Wolfgang Rinnebach. Der erste Text gibt zum Auftakt das Stichwort:
"In der Lyrik / hab ich in manchen trüben Stunden, / [...] / Entspannung, Trost, ja Rat gefunden."

Eine therapeutische, gar heilende Wirkung wird ihr zugeschrieben: Lyrik bringt Seelenfrieden, beflügelt die Fantasie und lindert den Sehnsuchtsschmerz. Grund genug, Hingabe an die Dichtung zu postulieren.

Lyrik über das Leben ist es, die Rinnebach schreibt. Und wenn der Dichter sich an den Krieg erinnert, an Urlaub, Klassentreffen und Schulfreundschaften, daran, wie es war, "[a]lle Jahre wieder", dann sind wir mit von der Partie.

Was wäre das Leben ohne die Liebe und ihre Lieder, den Stoff fürs große "Musiktheater"? - Was wäre das Leben ohne die Jagd nach dem Glück? Hat Fortuna ihre Finger im Spiel oder ist wirklich ein jeder seines Glückes Schmied? - Und welche Rolle spielen Religion und Nächstenliebe? Dies sind Fragen, Sprüche, Weisheiten, die unser Leben begleiten. Ein Leben, das einer Bahnfahrt gleicht, deren Stationen im Fluge vorüberziehen, das uns aber auch mit der Einsicht in die Tiefen unserer Psyche konfrontiert:

"Warum gabst du, Schicksal, uns die tiefen Blicke und den / Wunsch, die Zukunft anzuschauen?"

Schon läuft die Zeit ab. Man blickt zurück. "Mein Freund, das war's!", heißt's am Ende. Alles nur ein Traum, "leider nichts als Gedankenschaum"?

Abschied und Todestag statt Geburtstag und Willkommen. Nicht nach Feiern steht der Sinn, Gedenken löst es ab. Die Zeit ist gekommen, Fazit zu ziehen ...

Rinnebach wartet in seinem neuen Werk mit viel Lebensphilosophie auf. Doch bleibt auch Platz für die obligatorische literarische oder musikalische Hommage: Goethe und Schiller, Verdi und Wagner - sie alle erleben Reminiszenz. Mutig wirkt da der Kontrast aus Rinnebachs eigener Feder, der irdische Alltäglichkeiten nicht scheut: 

"So rennt man rum, jahrein, jahraus, doch eines Tages, da / ist's aus!" (Staubsauger-Hymne)

Rinnebachs literarisches Schaffen verfügt trotz lyrischer Form über die Kraft eines Prosastückes. Das Strickmuster ist einfach: Held der Geschichte ist der Mensch, den Plot gibt unser Leben ab. Rinnebach schreibt über das, was er kennt. Und es beschert ihm Erfolg. Ein Auszug aus dem Buch des Lebens liegt uns vor, mit bodenständigen Texten. Man will es fast nicht glauben, aber es ist Lyrik, die hier so mitten aus dem Leben greift.

Entsprechend unmissverständlich auch Rinnebachs Sprache, beim Leseakt gut nachvollziehbar. Die Interpretationsleistung überfordert nicht, sorgt für sichere Rezeption.

Nun legt Rinnebach einen weiteren Band "Trost in der Lyrik. Gedichte" auf gewohnt souveräne Art nach. Auch dies mit gutem Recht: Nimmt doch der Fluss des Lebens desgleichen weiter seinen Lauf...

Hugo Meyer
20.07.2015

 
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Das Buch:

Wolfgang Rinnebach: Trost der Lyrik II. Gedichte

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2015 74 S., 9,80 ISBN: 978-3-8372-1654-7

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