Gedichtbnde

Auf der Suche nach neuen Wegen

Die in Luxemburg lebende Lyrikerin Karin Jahr (Jahrgang 1936) knüpft mit ihren neuesten Gedichten an den Lyrikband "Trotzdem" (erschienen 1997) an.

Sie möchte wie der Klang des Widderhorns Menschen aufrütteln und einen Anstoß zum Umdenken geben. Schon in den ersten Gedichten wird deutlich, dass sie alles, was sie bewegt, in die Welt hinausschreien möchte. Dabei ist ihr wichtig, vor allem auch junge Menschen anzusprechen, die nicht aufzugeben sollten, auch wenn das Leben manchmal düster und traurig ist.

Es gilt ihrer Meinung nach, mutig neu zu beginnen; sie ist sich aber auch bewusst, dass Macht und Reichtum den Menschen negativ verändern.

Wiederholt wendet sie sich an die Frauen und stellt die Frage "Wann werden die Frauen endlich erwachsen?" Es ist ihr ein Anliegen zu betonen, dass die Welt dringend mutige Frauen mit Persönlichkeit braucht. Die Frauen sollten sich nicht in die eigenen vier Wände verkriechen, sondern sich auf sich selbst besinnen (siehe Seiten 58, 64) und nicht immer nur lieb und verständnisvoll für die Familie da sein (Seite 95).

Sie ruft angesichts der Grausamkeiten in der Welt alle Menschen auf, wach zu sein, denn "sonst werden uns die bösen Geister verschlingen". Karin Jahr spart die menschlichen Abgründe nicht aus, blutgetränkte Erde macht ihr Angst. Wie so oft taucht auch bei ihr die Frage auf. Wo bist Du Gott? An wen kann ich mich in der Verzweiflung wenden?

Die Autorin bekundet, dass sie im Leben viele Narben bekommen hat, diese aber mag. Das zeugt von einer Auseinandersetzung mit sich selbst. Als sie sich der Frage zuwendet, wie wir im Leben bestehen können, werden viele Zweifel offenkundig, die aber bedingt sind durch die Tatsache, dass man vor der Realität der Jetzt-Zeit nicht die Augen verschließen kann. Entscheidend ist, dass die Herzen sprechen sollen "Mit dem Herzen schauen und neue Wege finden". Es ist sicher richtig, wenn sie meint, dass die Wege in die Zukunft immer ohne Garantie sind. Ihre Herangehensweise macht aber Mut, denn sie beendet den Gedichtband mit Worten voller Hoffnung und der Zuversicht, dass wir Neues finden werden, wenn wir uns nicht von Habgier, überzogenem Wohlstandsdenken und Hass leiten lassen.

Allen Unbilden zum Trotz sollte es so eine Chance für die Menschheit geben, irgendwann in Frieden zu leben.

Dr. Helga Miesch
02.02.2015


Die Lesung im Deutschen Literaturfernsehen finden Sie hier.

 
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Das Buch:

Karin Jahr: Widderhorn

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Frankfurt: August von Goethe Literaturverlag 2014
120 S., 12,80
ISBN: 978-3-8372-1586-1

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