Gedichtbnde

Wenn Munterkeit die Dichterfeder fhrt

Frisch und unkompliziert, so kommt einem die Gedichtsammlung entgegen, die unter dem Titel "Schlichte Gedichte" erschienen ist. Regina Ullrich hat hier eine stattliche Reihe Gedichte ein-gereiht, denen eines eigen ist: Hier hat sprudelnde Munterkeit die Feder geführt. Diese Gedichte sind Medizin, rezeptfreie Heilmittel für die Befreiung aus einer Welt, die zwischen Natur- und Zivilisationskatastrophen zu wechseln scheint. Vielleser, die sich dauernd in die öffentlichen Medien versenken, bauen ein negatives Weltbild. Ihnen seien die "schlichten Gedichte" in die Hand gedrückt. Ihnen sei gesagt, die Welt kann auch anders. Sie darf auch necken und lachen.

Ein lauernder Spaß steckt in diesen Strophen, die offensichtlich dazu da sind, Freude zu ver-breiten. Sie führt zum künstlichen Tannenbaum und verstrickt den Leser meuchlings in den Fliegenmord. Vieles dreht sich um die Winzigkeiten des Alltagslebens. "Spaghetti-Albtraum" zum Beispiel oder das Schicksal der Ein- und Zweitagsfliegen. Da fragt sich der Leser inmitten der Lektüre: "Hab ich das alles übersehen? Steckt das Gegengewicht zum Schlechten der großen Welt im Schönen der kleinen?" Regina Ullrichs Gedichte, zu allen Späßen aufgelegt, sind Therapie, leise und überaus freundliche Winke, die wirken, ehe man es merkt.

Ein Liebesdrama steckt ebenfalls in dieser Sammlung. Ein Liebesdrama? Wer jetzt fertig denkt, kommt darauf: Das Drama entfacht sich zwischen den Würmern im Watt. Tiere sind häufig anzutreffen im Figurenspiel von "Schlichte Gedichte". So treibt der fiese Hund, der einen Mann vom Felsen lockt, sein Unwesen. Der Breitmaulfrosch versucht, dem Storch zu entkommen, und auch ein "Füchslein winzig klein" hat da seine Berechtigung.

Es hat auch Innovationen in diesem Buch. "Unchristliche Gedanken" sind ein Beispiel dafür. Hier, in diesem doppelstöckigen Stück, wird hinter dem gesprochenen Wort der versteckte Gedanke hervorgezerrt, auf das sich die echte Seele verrate. "Wie wär’s denn mal mit Whiskey pur?", fragt der Mund. "Aushorchen willst du mich ja nur", denkt es da drinnen. Wer "Das Fundbüro" von Siegfried Lenz aufgesucht hat, soll es doch auch mit dem gleichnamigen Gedicht in Ullrichs Sammlung versuchen. Doch auch in des Schneiders Werkstatt werden wir herumge-führt. Dazu Kulinarisches wie die Wurst aus Bayern, die Kirschen zum Kirschkernweitspucken und der Kuchen als Teil der Schlankheitskur. Der Themenfächer ist breit.

Regina Ullrichs Buch lebt vom fröhlich-breiten Grinsen über dies und das. Sie sind glücklicherweise nicht ausgestorben, die Wilhelm Buschs und die Erich Kästners der dichtenden Kunst. Es gibt sie noch, wie schön!

Es ist keine schwere, mühsame Sprache, die des Lesers Freude erstickt, ehe sie erwachen will. Das Buch versprüht eine ansteckende Unbekümmertheit, der man sich nicht entziehen kann.

So sind die "Schlichten Gedichte" nicht für den gestrengen Skeptiker gedacht, der Begriffe seziert und Versmasse misst. Sie sind für Menschen, die sich eine gewisse Offenheit bewahrt haben. Hier liegen sie goldrichtig. Trotzdem: Es gibt in dieser Sammlung auch die "Sehnsucht", die verhaltenen Ernst in sich birgt und tiefer schürft. "Ich folge der Sonne, die mich durch-wärmt", heißt es darin, "und von den Gärten der Rosen schwärmt." Sie weckt "die Sehnsucht, ich könnte allein inmitten von Rosen ein Schmetterling sein". Schmetterling, genau!

Ronald Roggen
26.03.2012

 
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Das Buch:

Regina Ullrich: Schlichte Gedichte

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Langenfeld (Rheinland): Hellwach Verlag 2012 72 S., 19,95 ISBN: 978-3-00-031529-9

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