Gedichtbnde

Ein Trostpflaster , wie es schner nicht sein knnte

"Rauschende Stille", unter diesem Titel hat JML eine Gedichtsammlung ver?ffentlicht, die sich in auff?lligen, seltsamen Formen pr?sentiert. Kaum sechzig kleine Seiten hat man in der Hand, aber so ohne weiteres wird man sie nach der Lekt?re nicht weglegen oder gar vergessen.

Das liegt zun?chst an den wunderlichen Wortverkn?pfungen, an die man sich zuerst gew?hnen will. So kommen sie beispielsweise daher:

M?de
Ausgesch?pft
Weinende Hand
Ber?hrte des Gl?ckesstrand

Deine Liebesspuren
Bleiben
In unendliche Ewigkeit.

Damit br?skiert der Verfasser nicht nur die Rechtschreiberegeln der braven deutschen Sprache, sondern auch gleich deren Flexion. Man wird also nicht mit Regeln im Kopf an diese Texte herangehen wollen, sondern wird es bald einmal mit einem anderen Ansatz versuchen. Es sind die Wortinhalte, die hinter dem Geschriebenen aufscheinen, und es sind die Assoziationen, die sie hervorrufen. Mit dieser Bereitschaft hat man wohl die richtige Haltung, um die Gedichte voll aufzunehmen. Die Wortkombinationen bringen neue Sch?pfungen hervor - ein legitimes Recht, auf die kein Autor verzichten will.

Liebste
Traumbl?hendaufsternende
Meine Nacht

Es sind feinf?hlige Wortfolgen, die unser Verweilen und unsere gro?e Aufmerksamkeit verlangen: "Jeder Atem von Dir ist wie Meeresblickluft, der mich in Liebesnacht ber?hrt." Der Atem bewegt sich auf und ab, vor und zur?ck in diesem kleinen Buch.

Aber es sind auch viele H?rten darin. In der ?liebevollen Euthanasiestillenacht" steckt nicht einfach ein sanftes Gef?hl, da wird kein Zweifel bestehen. Es ist auch vom "erzwungenen Gl?ck" die Rede, das der Verfasser enth?llt. Vieles klagt an und bohrt, anderes erwartet unsere Gl?ubigkeit, aus der Bibel in die Poesie her?bergeholte Andacht.

Einiges kommt skurril, wenn nicht geradezu witzig daher. "Der Tod", hei?t es an einer Stelle, "hat eingeladen. U. A. W. - nicht G." Das ist eine recht trickreiche Spielerei, die sich mit Buchstaben balgt.

"Ich habe die Sucht nach mir", gesteht der Verfasser. An anderer Stelle beklagt er die Verlogenheit und leuchtet umso liebevoller die Liebe an. Nun stammen diese Stellen nicht von einem Verfasser, der sich voll zu erkennen gibt. Sondern von JML, von dem nur verraten wird, dass es ein Mann ist. Dieser Tatsache wird sich kein Leser richtig entziehen k?nnen, und seine Frage nach dem Warum l?st eine Vielzahl von Antworten aus: Weil sich der Autor in Bescheidenheit ?bt. Weil er seine Person f?r unwichtiger h?lt im Vergleich mit dem, was sie aussagt. Weil er mit seinen Gedichten ein Experiment wagt.

Ronald Roggen
28.02.2011

Eine Lesung aus diesem Buch finden Sie hier: 
http://www.autoren-tv.de/vorschaltseiten/bm_linnek_intro.html

 
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Das Buch:

JML: Rauschende Stille

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2007
57 S., 6,90
ISBN: 978-3-86548-906-7

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