Gedichtbnde

Liebesgedichte und starke Bilder dazu

Der Titel "Meine Haut erinnert sich der deinen" verrät es sehr deutlich, dass hier Liebesgedichte vorliegen. Sie stammen von Gerhild M. Kreutziger, während Margot Schönherr zu diesem quadratischen Geschenkband die Illustrationen beigesteuert hat. Und das Titelgedicht macht auch gleich deutlich, dass es um Intimes geht:

Meine Haut 
erinnert sich der deinen, 
holt aus dem tiefsten Innern das Gefühl hervor, 
von dir berührt zu werden. 

Mitunter zeigt sich die Sprache kompress, wie im Gedicht "Ohnmacht", wo es heißt: "Tage ohne dich. Schon der Plural tut mir weh." Die Sätze sind kurz, die Zeilen eng und fernab jeder Geschwätzigkeit. Verknappung findet sich auch in manchem Schluss, so auch in jenem: "Wundervoll. Gefühl. Es trägt." Aber die Stärke solcher Strophen packt nicht an der Gurgel, Liebe "funktioniert" hier ganz anders. "Schenk mir deine Liebe auf Distanz", liest man in einem Gedicht, das nicht von ungefähr unter dem Titel "Der fernen Geliebten" steht.

Dem widerspricht nicht, dass der Leser von sehr viel Nähe eingeholt wird - vielleicht mehr, als er es von einem beliebigen Produkt des Buchhandels erwartet. Das kommt auch inhaltlich zum Ausdruck, etwa wenn von der Beziehung im Internet die Rede ist, der widersprochen wird mit dem Ruf: "Berühre mich stattdessen."

Starke Gefühle in Gedichten, gedruckt auf starkes Papier, dem Auge präsentiert mit Bildern, in denen ein zarter Strich nach starken Konturen verlangt. Viele dieser Bilder leben von ihrem ungewöhnlichen, kontrastreichen Farbenspiel, aber eben auch vom Nebeneinander von Kräftigem und Zartem. Text und Bild folgen der gleichen Spur. Aber was oder wer war zuerst? Man glaubt zu wissen, dass die Worte zuerst das Licht dieser Welt der Gefühle erblickten. Denn die Bilder erscheinen als Gefährten, die sich willig "Illustrationen" nennen lassen.

Nun wird man vor allem dann zu einem Lyrikbuch dieser Art greifen, wenn man selber Gleiches oder ähnlich Gefühltes übermitteln will. "Ich brauch dich", ist eine feste Brücke zu einem Menschen, den man mag, verehrt und liebt, oder dem man auch "bloß" eine innere Verbindung deutlich machen möchte, die auf irgendwelche Formen von Zuneigung beruht.

Was vorliegt, ist ein Anstoß zum Sinnieren und Bedenken. "Ich habe Angst vor deiner Angst in mir", schreibt Gerhild Kreutziger, "Ich habe Angst vor dir so ohne dich." Das sind mutige Sätze, einer Leserschaft entgegengebracht, von der man die Bereitschaft erwartet, solches aufzunehmen und innerlich mitzugehen. Liebe, die mehr als nur zwei erfasst? Nicht nur die Bilder enthüllen und zeigen sich dem Fremden, auch die Texte tun es.

Ronald Roggen
04.10.2010

 
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Das Buch:

Gerhild M. Kreutziger: Meine Haut erinnert sich der deinen

CMS_IMGTITLE[1]

Kln: Edition Kalk 2010
30 S., 17,90
ISBN: 978-3-935735-82-7

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