Gedichtbnde

Es kann selbst Schiller nicht in Frieden ...

In diesem Jahr feiern wir den 250. Geburtstag eines der größten Dichter, die unser Land je hervorgebracht hat. Die Rede ist natürlich von Friedrich Schiller, dessen Gedichte und Dramen einem jeden von uns aus so mancher Deutschstunde wenigstens bruchstückhaft im Gedächtnis haften geblieben sein dürften. Kaum einer hat die deutsche Literatur so beeinflusst wie er, kaum einer hat mit seinen Zitaten solchen Eingang in die Alltagssprache gefunden wie er und kaum ein anderer wurde derart häufig parodiert wie Friedrich Schiller.

Dies hat sich nun Dieter Hildebrandt zunutze gemacht und einen Band mit Schiller-Parodien herausgegeben, die er als "Spottpreis der Erhabenheit" betrachtet. Untermalt wird diese Sichtweise auch durch die herrlich ironischen Zeichnungen des politischen Karikaturisten Luis Murschetz, welche die in diesem Büchlein versammelten Texte ins Bild setzen. Wie Hildebrandt in seinem Vorwort erläutert, drängt sich gerade die Schiller`sche Erhabenheit, die an sich in vielen Fällen schon im Original grenzwertig scheint, nahezu zur Parodie auf. Das hat der Dichter schon zu Lebzeiten erfahren müssen, geschadet hat es seinem Ruhm allerdings nicht. Ganz im Gegenteil, denn so gelangte er wirklich in aller Munde - auch derer, die nicht wirklich etwas mit seinen Texten anfangen können.

Der vorliegende Band stellt Schillers Originale in Form von Auszügen aus seinen Balladen und Dramen dem gegenüber, was andere Autoren daraus gemacht haben. Dass diese dabei nicht gerade zimperlich mit dem großen Klassiker umgegangen sind, beweisen schon August Wilhelm Schlegel, der Schillers "Würde der Frauen" zum Lob der Hausfrau herabwürdigt, und Moritz Saphir, der die "Jungfrau von Orleans" zum Heimchen am Herd macht. Im Laufe von zwei Jahrhunderten haben sich auf diese Art und Weise diverse Dichter und Denker bei Schiller bedient und seine erhabenen Höhenflüge auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, sodass die "Ode an die Freude" schon mal zum Morgengebet einer Bordellbetreiberin oder, wie bei Hans Magnus Enzensberger, zur "Hymne an die Dummheit" verkommt. Parodien wie Adolf Löwensteins "Lied an die Börse", Benno Burkhardts "Götterfunken, digital" oder Walter Denekes "Das verfahrene Mägdlein" demonstrieren aber ebenso, dass Schiller auch in die heutige Zeit passt und seine Texte heute aktueller sind denn je.

Dass sich auch Größen wie Heinrich und Thomas Mann, Peter Rühmkorf, Robert Walser, Bertolt Brecht und Heinz Erhardt an ihm bzw. seinen Werken zu schaffen gemacht und Aufnahme in Dieter Hildebrandts "Loch in Erde" gefunden haben, unterstreicht nur Schillers Wirkung und trägt zu seiner Unsterblichkeit bei. Denn solange das Schaffen eines Dichters parodiert wird und damit im Gespräch bleibt, kann auch ein Schiller nicht in Frieden ... 

Christian Götz
24.08.2009

 
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Das Buch:

Dieter Hildebrandt (Hg.): Loch in Erde, Bronze rin. Schiller-Parodien. Mit Illustrationen von Luis Murschetz

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Mnchen: Sanssouci Verlag 2009
96 S., 6,90
ISBN: 978-3-8363-0163-3

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