Gedichtbnde

Wortspiegeleien

"Dicht, dichter, am dich testen". Damit beginnt Egbert Schmoll und wirft einen förmlich hinein in das Meer seiner Wortklaubereien. Nähere sachdienliche Hinweise, die zum Begreifen des Täters führen, findet man in diesen Texten.

Bekannte Literaten, Sänger und Filmleute nimmt er aufs Korn. Stets behält er den Überblick über sein gehaltvolles Werk, welches an manchen Textstellen explosionsartig daher kommt, um dann sachte abzuflauen. Bissig sind die Zeilen über den Irak, wo sich Selbstmordattentäter zerstreut zeigen. Nachdenklich das Mahnmal zum Holocaust, wo die Sterne der Juden konzentriert durch den Kamin an die Himmel geschrieben werden. "Berlin 68" regt zum Hinterfragen an, denn "Sie schießen nicht – und tun es doch. Sie zielen nicht – und treffen doch. Sie töten nicht – sind selbst schon tot". Zärtlich und liebevoll die warmen Worte zur Guten Nacht, dem eigenen Kinde, dass einem das Herz überläuft vor Liebe, die aus diesen Zeilen springt. "Das Freudenaus" geht ein auf die Priesterproblematik. "Der Gemischtwarenladen" gibt ein treffliches Potpourri zum Besten. "Die Verkehrthinweise" beanspruchen die Lachmuskeln.

Und so geht es immer weiter. Wortspielereien mit Tücke und List. Egbert Schmoll verwöhnt mit Gedichten, Aphorismen, Limericks und vielem mehr. Zuweilen ist er erfrischend, pointenreich, humorig und satirisch. Der 11. September zeigt aber auch die Kehrseite der Medaille, die durchaus nachdenklich und traurig stimmt. Dann wieder Wortwitz in Hülle und Fülle im Angriff auf Manager und ihre Politik. Und nicht zuletzt bringt er (Zwischen)menschliches zum Ausdruck.

Egbert Schmoll nimmt sich verstaubte Wörter und Texte zur Brust und macht aus Wortmüll neue Sprachkreationen. Aus alt wird neu. Seine Fantasie kennt keine Grenzen. Schier unerschöpflich bringt er seine weitschweifenden Gedanken trefflich zu Papier, stets unterhaltsam. Er kann auf die Schippe nehmen, ohne anzugreifen. Er schafft es sogar mit den zwei kleinen Italienern seinen Text zu singen. Und last but not least nimmt er auch Kritikern den Wind aus den Segeln, wie seine "Laserbriefe" zeigen. Da schreibt er: Wer unter der Brücke wohnt hat den Absprung geschafft. Darauf eine Lesermeinung: Er würde mit den Minderheiten nicht fair umgehen. Seine Antwort: Er kenne aber wirklich einen. Der war zuvor beim Zahnarzt. Die Heiterkeit und Liebe zum Detail, die Leidenschaft zu Wörtern sprüht einem auf jeder Seite entgegen. Grandios! Zum immer wieder zur Hand nehmen.

Tanja Küsters
22.06.2009

 
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Das Buch:

Egbert Schmoll: Spiegelei Spiegelei an der Wand

CMS_IMGTITLE[1]

Bregenz: Edition Egbert 2008
160 S., 14,80 (A) 15,30 sFr 22,20
ISBN: 978-3-00-024486-5

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