Gedichtbnde

Selbstfindung und Wegweisung auf einfachste Art

Paul H. Wendland, angekommen im Herbst seines Lebens, hat ein Buch geschrieben, wie es trefflicher nicht sein kann. Auf einfachste Art und Weise gibt er dem Leser Lyrik und Prosa mit auf den Weg und regt ohne Ausrufungszeichen, ohne mahnenden Zeigefinger oder Hilfestellungen anderer Art unsere Gedankenwelt an, dass man gar nicht anders kann, als sich zu fragen, ob man zu jenen gehört, die verlernt haben zu leben, die dem Materialismus frönen, Krieg spielen, den Nächsten übersehen oder einfach nur blind ihres Weges ziehen ohne jegliche Achtung vor Gottes Schöpfung. Dieses Buch ist eine Erlebnisreise durch die Welt Wendlands, die seiner Mitmenschen und nicht zuletzt, die eines selbst.

Das Buch kommt einfach daher, weil die Überschriften, die Wendland wählt, unscheinbar sind, nichts aussagend. Doch der tiefe Sinn offenbart sich in der Lyrik und Prosa selbst. Seine Worte sind leise und doch gewaltig. Manches muss man zweimal lesen, um zu begreifen, dass der Text mehr hergibt und aussagen will, als die Überschrift vermuten lässt. Man ertappt sich, erkennt sich wieder, hinterfragt sein eigenes Denken und Handeln, gar Tun auf dieser Welt. Dann wieder Wortspielereien oder augenscheinlich heitere Palindrome, die doch so perfekt gewählt und platziert sind, dass sie unausweichlich zum Nachdenken anregen.

Paul Wendland verarbeitet aber auch gleichzeitig seine Vergangenheit und ganz besonders seine Kindheit. Er lässt den Leser teilhaben und will dabei kein Mitleid, sondern zeigen, dass ein jeder, egal wie schlimm oder schrecklich sein Schicksal auch sein mag, glücklich werden kann, sich aus einem Tief herausholen kann und sich einen inneren, herzlichen, weichen Kern bewahren kann, wenngleich der äußere traktiert wird, verhärtet oder gar verhärmt. Er selbst hat das erst Jahre später erkannt, begreifen gelernt, dass seine Kindheitsträume, die mitunter unverständlich und wirr waren, ihn aber am Leben gehalten haben, das Richtige haben tun lassen, einen Sinn hatten. Selbst Kinderzwangsarbeit und die Folgen haben ihn aufrecht aus diesem Teil seines Lebens hervorgehen lassen. Er hat geschafft, woran andere gescheitert sich, sich die kindliche Welt zunutze gemacht, um zwar nicht vergessen aber überleben zu können.

Heute ist Wendland dankbar für diese Zeit. Sie hat ihn vieles gelehrt und erfahren lassen. Und gleichzeitig ist all das auch ein Appell an die Umwelt und seine Mitmenschen, an die heutige Zeit, die im Wandel steht und in der Herzlichkeit, Courage und ein liebevolles Miteinander fast ausgestorben ist. Wer von uns hat denn schon noch die Zeit, ein Finkenpaar zu beobachten und ihrem Gesang zu lauschen? Wer von uns kann denn noch allen Jahreszeiten die Besonderheiten abgewinnen, die sie mit sich bringen? Wer von uns will nicht reich sein und das größte Stück Kuchen abbekommen? Wo sind die Kleinigkeiten, die zählen? Wo ist die Natur? Die Schöpfung? Der Glaube? Die Nächstenliebe? Die Wohlgesonnenheit? Die Herzlichkeit und Liebe? Paul H. Wendland erzählt beherzt aus seiner Schule des Lebens und klärt für uns die Lebensfragen, die so einfach zu beantworten sind…

Abschließend sei noch gesagt, dass der Inhalt sehr schön aufgeteilt ist. Die Lyrik ist übersichtlich zentriert und stetig mit wegweisenden Überschriften oder Erläuterungen versehen. Die Prosa ist überschaubar kurz und doch allesaussagend. Die gesamte Einteilung ist hervorragend gestaltet. Ein Buch welches garantiert nicht in erster Linie verschenkt werden sollte, sondern zum Immer-wieder-Nachschlagen, Sich-Mut-Holen und Erfreuen, im eigenen Regal griffbereit stehen sollte. Ein Kleinod!

Tanja Küsters
23.02.2009


Die Lesung im Deutschen Literaturfernsehen finden Sie hier.

 
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Das Buch:

Paul H. Wendland: Ein Wortefinden in der Schule des Lebens. Beherzte Gedankensaat im Land der Wendezeit

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2008
316 S., 16,40
ISBN: 978-3-8372-0204-5

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