Gedichtbände

Lyrik, die einem eine ganze (Gefühls-)Welt offenbart; perfekt geeignet als ständiger Wegbegleiter

Die Literatur ist eine Spielwiese, wo es überall etwas zu entdecken gibt und auf der man sich sowohl als Autor als auch als Leser mal so richtig austoben darf. Die einen machen es gut, andere besser, wenige am besten - je nach Geschmack des Rezipienten -, aber jeder auf seine Art und Weise. Der deutsche Buchmarkt bietet eine Fülle an Neuerscheinungen jedes Jahr, rund 50.000 bis 60.000 Buchtitel an Erstauflagen, manche davon interessanter, manche eher nicht. Doch leider die wenigsten sind Gedichtbände. Lediglich zwei Prozent neue Lyrik findet jedes Jahr ihren Weg in die breite Öffentlichkeit. Da ist es ein Glück, dass es Schriftsteller wie Wolfgang W. Schüler gibt. Selbst seine Kurzgeschichten lesen sich wie Poesie.

"Durchgänge" ist der Titel des vorliegenden Buches. Aber hier ist nicht der Name Programm. Eher im Gegenteil: Man nimmt sich Zeit für diese Lektüre, hält beim Lesen immer wieder inne, sammelt seine Emotionen und lässt den eigenen Gedanken ihren freien Lauf. Das vorliegende Buch ist ein (Weg-)Begleiter durch die Höhen und vor allem Tiefen des Lebens; als wäre es ein guter Freund. Vieles, was man hier liest, kommt einem bekannt vor. Weil man es nämlich selber schon einmal durchgemacht hat. Oder vielleicht noch durchmachen wird. Da ist es tröstend zu wissen, dass man diesen Band in seiner heimischen Bibliothek weiß.

Dass Wolfgang W. Schüler erneut auf belletristischen Pfaden wandelt, erfreut Herz und Seele des Lesers. Diesmal über knapp 200 Buchseiten lang. Dafür muss man dem Autor einfach danken. Seine Publikationen sind ein Geschenk, und zwar eines der wertvollsten überhaupt. Entsprechend behütend, wie mit einem Schatz, sollte man mit dieser Lektüre umgehen, vor allem jedoch genießen vom ersten bis zum letzten Buchstaben. Gerade in der heutigen Zeit, mit all der Hektik, all dem Druck, all den Problemen und Sorgen tun Schülers Texte besonders gut. Sie lassen uns wegdenken vom Alltag; quasi eine Auszeit im Kleinen sowie Stillen.

Literatur, die die Sinne vollkommen gefangen nimmt - nicht jedem Autor gelingt dies, und den wenigsten so gut und scheinbar mühelos wie Wolfgang W. Schüler. Egal welches Genre, man verliert sich in den Versen und Sätzen und staunt darüber, dass selbst die Kurzgeschichten ein bisschen daherkommen wie Gedichte. Alles geht in "Durchgänge" ineinander über, vermischt sich und lässt dem Leser dennoch Raum, außerdem Inspiration, um sich selbst literarisch zu betätigen. Stets im Vordergrund sind Gefühle in all ihren Facetten. Wie Schüler im Vorwort schreibt: "Erinnerungen, Erfahrungen, Erlebnisse - Gespräche, Gedanken, Gefühle - Wahrnehmungen, Fragen, Projektionen. (...) von real bis fiktiv, von ernst bis ironisch, von melancholisch bis heiter. Und wieder spüren sie dem Leben und dem Lebenssinn auf die eine oder andere Weise nach."

Es muss nicht immer der 1000-seitige Historienschmöker, der spannendste Thriller oder die aufregendste Fantasy sein, um den Leser, die Leserin zu fesseln und zu begeistern. Wolfgang W. Schüler zeigt uns, dass sich Gedichte und Kurzgeschichten mindestens genauso dazu eignen, sich unterhalten zu fühlen über ein paar Stunden lang und dabei die Welt um sich herum zu vergessen. "Durchgänge" ist ein Buch, das man so schnell nicht aus der Hand legt. Nicht zuletzt, weil es einem ein Vergnügen über die bekannten Belletristikgrenzen hinaus beschert. Dafür mein höchstes Kompliment!

Anja Rosenthal 
24.08.2026

 

Das Buch:

Wolfgang W. Schüler: Durchgänge. Gedichte und Kurzgeschichten

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Ahrensburg: tredition 2026 182 S., € 12,99 ISBN: 978-3-384-97284-2

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