Gedichtbnde

Auch mit Nummer sechs kein bisschen leise!

Irgendwann kann ja nichts Neues und Originelles mehr kommen, mag man meinen, und doch: Selbst mit seinem mittlerweile sechsten Gedichtband, "Liebe und Liebeskummer", vermag Wendelin Schlosser immer noch zu überraschen. Unbequeme Themen wie Glauben oder den Begriff "Heimat" scheut er dabei nicht.

Für den freischaffenden Journalisten liegt nicht nur das Lebens- und Arbeitszentrum, sondern vor allem die Heimat im hessischen Taunus - ein Begriff, den er zu Unrecht negativ konnotiert sieht, was an manchen Stellen deutlich herausblitzt. Die Problemstellungen, die sich daraus ergeben, beleuchtet er intensiv und ermuntert den Leser so, sich damit ebenso intensiv auseinanderzusetzen.

Zentrales Motiv seiner Gedichte ist hier aber die ganze Bandbreite an universellen menschlichen Emotionen, und er transportiert sie intensiv und unmittelbar. Der studierte Germanist und Theologe jongliert so dermaßen virtuos mit nicht nur verschiedensten Themen, sondern auch immer wieder neuen Perspektivwechseln. Als Leser unterstellt man dabei oft gerade bei so emotionaler Lyrik wie dieser, dass der Autor aus Erfahrung spricht und autobiographische Züge in die Texte einfließen lässt. Man fühlt richtig mit, wenn das lyrische Ich, belogen, betrogen, verraten und verlassen, lamentiert und seiner Pein Ausdruck verleiht!

"Der arme Mann", möchte man denken, "was hat der alles mitgemacht!" Doch nein, schon im nächsten Gedicht ist nicht nur der Ton, sondern auch die Aussage ganz anders: sprühend vor Glück, glücklich verliebt, oft auch mit einem Geschlechterwechsel des lyrischen Ichs.

Chamäleongleich wandeln sich Stimmungen und Geschichten, mal mit einer schwermütigen Dramatik und Tragik, die einen Kloß im Hals spüren lassen, im nächsten Moment mit einem Glück und einer Freude, dass man gleich mitjubeln möchte!

Wendelin Schlosser greift in seinem neuesten Werk nur selten Themen der Zeitgeschichte mit aktuellem Bezug auf, wie sie seine vorherigen Bände oft geprägt haben. Stattdessen verlagert er hier seinen Fokus auf all das, was wirklich von Bedeutung ist und uns ein halbes Jahrtausend nach der Veröffentlichung immer noch Shakespeare lesen lässt: allgemeingültige und zeitlose Emotionen und Verbindungen zu anderen Menschen, stets aktuelle Fragen von Liebe und den Verlust derselben, Trauer, Vertrauen und Verrat - schlechthin alles, was den Menschen schon immer bewegt hat und es wohl auch immer wird! Wie im echten Leben werden diese Themen und Fragen nie langweilig und man wird ihrer nie überdrüssig.

So gehen die Gedichte immer weit über bloße Unterhaltung hinaus, machen sie doch Mut und geben dem Leser mit auf den Weg, dass auf Regen auch immer wieder Sonnenschein folgt.

Gerrit Koehler
28.05.2018

 
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Das Buch:

Wendelin Schlosser: Liebe und Liebeskummer

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Offenbach am Main: August von Goethe Literaturverlag 2018
186 S., 14,80
ISBN: 978-3-8372-2106-0

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