Erzählbände & Kurzprosa

Daheim ist es doch am Schönsten

Passend zu den Sommerferien ist dieses Buch voller Kurzgeschichten rund um das Thema Urlaub. Zwar sind die Geschichten unabhängig voneinander, die Hauptdarstellerin bleibt jedoch gleich: Kerstin Gier selbst. Es sieht ganz danach aus, als hätte sie hier zu dem frei Erfundenen ihre eigenen Reiseerlebnisse gepackt. Wenn man der Autorin glaubt, so handelt es sich hierbei nicht um "gezielte Lügen, sondern um dramaturgische und inhaltliche Verbesserungen des tatsächlich Erlebten". Wieviel Wahrheit tatsächlich in dem Erzählten steckt, und ob es wirklich Frau Giers schönstes Ferienerlebnis ist, wie sie damals Monchichi-Ingo das Nasenbein gebrochen hat, bleibt ungewiss.

Wie der Titel schon vermuten lässt, vertritt die Autorin die Auffassung, dass es zu Hause immer noch am Schönsten ist. Nachdem man den Schilderungen ihrer Urlaubserlebnisse gefolgt ist, versteht man auch, warum. Wer möchte schon gerne eine Woche in einem außerordentlich hässlichen Hotel mit schlechtem Essen verbringen, gelegen in einem furchtbar hässlichen Fischerdorf, fernab von jeglicher Zivilisation, mit einem Müllstrand als einziges Ausflugsziel? Außerdem wird Frau Gier im Urlaub von Ängsten begleitet, die zu Hause eher selten auftreten wie beispielsweise die Angst vor nackten Männerbäuchen oder die Angst, in der Ferienwohnung keinen funktionierenden Korkenzieher vorzufinden. Auch erinnert sie den Leser an zahlreiche Dinge, die einem im Urlaub den Schlaf rauben können: in aller Frühe beginnende Bauarbeiten, unruhige Skorpione und gruselige Geister.

Selbst als Kind hat die Protagonistin schon Bekanntschaft mit schrecklichen Urlaubsdomizilen gemacht. Als Mädchen träumte Frau Gier davon, mit ihrer Freundin Gabi die Sommerferien in einem Ferienheim zu verbringen, um Mitternachtspartys zu feiern und den Erzieherinnen lustige Streiche zu spielen. Genau so wie es in der einschlägigen Literatur von Enid Blyton beschrieben wird. Nach langem Betteln geht ihr Wunsch in Erfüllung. Vor Ort muss die kleine Kerstin leider bemerken, dass das Ganze doch vielmehr ein Gefängnis ist als ein idyllisches Mädcheninternat.

Giers Situationskomik ist erheiternd wie eh und je und sorgt beim Lesen für jede Menge gute Laune. In der einen oder anderen Geschichte wird sich der Leser mit Sicherheit wieder erkennen, in anderen vielleicht weniger, denn einige unglaublichen Sachen passieren wohl nur einer Kerstin Gier. Genau die richtige Lektüre für die Urlaubszeit, egal, ob man nun auf Reisen geht oder Urlaub auf Balkonien macht. Und ob beabsichtigt oder nicht: Das Buch macht auf jeden Fall Lust auf Urlaub.

Jennifer Mettenborg
26.07.2010 

 
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Das Buch:

Kerstin Gier:
Ach, wär ich nur zu Hause geblieben. Lustige Urlaubsgeschichten

Bild: Buchcover Kerstin Gier, Ach, wär ich nur zu Hause geblieben. Lustige Urlaubsgeschichten

Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 2009
208 S., € 7,99
ISBN: 978-3-404-15711-2

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