Erzhlbnde & Kurzprosa

Wendepunkte und Seelensplitter

Wer kennt sie nicht, die Wendepunkte im Leben, die die verschiedensten Auswirkungen auf unsere Gedankenwelt, unser Handeln und Tun haben können. Nicht selten bleiben da Seelensplitter zurück, weil der Verstand und nicht das Herz gesiegt hat, obwohl Magen und Bauch deutlich gemacht haben, dass da etwas nicht stimmt. Und natürlich trifft man in Folge dessen auf Menschen, denen es genauso ergangen ist. Wohl jeder ist schon einmal in diese emotionale Falle getappt.

Die Autorin hat ihre Erfahrungen in Kurzgeschichten niedergeschrieben, ihre Eindrücke und Erkenntnisse offenbart, für den Leser sichtbar gemacht. Herausgekommen sind dabei die unterschiedlichsten Geschichten, Fabeln und Gedanken. Viele Bereiche des täglichen Lebens deckt sie ab, verdeutlicht vermeintliche Charakterschwächen, die sich dem Leser als nur allzu menschlich dartun. Die Fabel über den Schwan und die Gans zeigt deutlich, dass Hochmut vor dem Fall kommt und man lieber mal alleine bleiben sollte, statt sich jemandem anzuschließen, nur um mit dem Strom schwimmen zu können oder Ansehen zu erreichen. Sich selbst treu zu bleiben, ist so wichtig. Sehr traurig ist die Geschichte um den Tierheimhund Fifi, der so viele Facetten des menschlichen Lebens verdeutlicht. Fifis Mutter strahlt Weisheit aus und zeigt den Alltag in Tierheimen auf. Fifi selbst ist unerfahren und wartet auf die Prophezeiungen der Mutter. Die Menschen mit denen Fifi im Laufe des Lebens zu tun hat, haben die unterschiedlichsten Ansichten, Meinungen und Probleme. Da gibt es die ausländische Familie, die um Integration kämpft und andererseits auf Gedeih und Verderb ihrem Vaterland verpflichtet ist. Da ist der alte Herr, der nur an sich denkt, sich einen Hund anschafft um des Abends nicht alleine zu sein. Doch Fifis Bedürfnisse werden nicht beachtet. Fifi wird enttäuscht, vertröstet und bleibt schließlich unendlich traurig alleine zurück. Eine Geschichte, die zu Tränen rührt, wütend macht und gleichzeitig verdeutlicht, wie viele Fehler wir machen und welche Folgen diese haben. Sehr sensibel sind die Zeilen: „Ich dachte mal…“, mit denen die Autorin ihren Gedanken freien Lauf lässt und dabei einen Irrtum nach dem anderen aufdeckt und eine Erkenntnis nach der anderen daraus zieht, sozusagen die Lehre des Lebens.

Äußerst empfindsam und nachdrücklich wirken die Zeilen auf den Leser. Man ertappt andere und fühlt sich selbst ertappt. Man hinterfragt und findet sich doch oftmals an den gleichen Stellen wieder oder zumindest an ähnlichen. Die Autorin hat Menschliches und Zwischenmenschliches prägnant und kurzweilig auf den Punkt gebracht, ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen oder moralapostelnd zu sein. Menschenkenntnis und Menschenverstand versprühen ihre Zeilen, die sicherlich traurig und nachdenklich machen, einem aber die Möglichkeit geben, darüber nachzudenken, wie man es besser oder anders machen könnte. Und selbst wenn man das vielleicht nicht kann oder möchte, so hat man doch einen tiefen Einblick bekommen und versteht sich selbst besser.

Tanja Küsters
30.03.2009

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Anna May: Wendepunkte & Seelensplitter. Kurzgeschichten

CMS_IMGTITLE[1]

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2009
60 S., 6,90
ISBN: 978-3-8372-0328-8

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.