Erzhlbnde & Kurzprosa

Eine Novelle ber Werner Heisenberg und die Schaffung einer neuen Welt

Kopenhagen, 1925: Ein Mann taucht im Lichtkegel einer Laterne auf, verschwindet wieder im Dunkel und erscheint erneut im Licht der nächsten Laterne. Wo ist er in der Zwischenzeit gewesen? Den Beobachter dieser Szene, Werner Heisenberg, führt sie zur Entwicklung einer Theorie, die im weiteren Verlauf ein völlig neues Weltbild schaffen wird: die Quantenmechanik. Der Mann im Dunkel selbst hingegen weiß nichts von der Rolle, die er bei der Entdeckung neuer physikalischer Gesetze gespielt hat - er versucht, den Verlust seiner Frau zu verarbeiten und seinem Leben eine neue Ausrichtung zu geben. Christian Haller, der diese beiden durch den Zufall verknüpften Lebenslinien weiter erzählt, macht daraus ein hellsichtiges literarisches Vexierspiel über Trauer und Einsamkeit, die Grenzen unserer Erkenntnis und die Frage, wie das Neue in unsere Welt kommt.

Kurzprosa, von der einem ganz schwindelig wird - nur wenige Bücher zeugen von der Erzählkunst wie "Sich lichtende Nebel". Autor Christian Haller entlockt den Leser auf (fast) jeder Seite mal ein leiseres, mal ein lauteres "Wow, wow, wow!" und bringt ihn dazu, den Kopf vor seinem Können ehrfurchtsvoll zu verneigen. Es braucht weniger als 150 Buchseiten, um den Leser zu fesseln, die Welt um sich herum vergessen zu lassen und restlos zu begeistern; und das so sehr, dass es ihn glatt umhaut. Es ist ein Glück, dass es Schriftsteller wie Haller gibt. Deshalb wird die Lektüre des vorliegenden Buch zu etwas höchst Wertvollem. Es ist ein Buch von immenser Tiefe, das uns über Erkenntnis, Wahrnehmung und Wahrheit nachdenken lässt. Der Leser begibt sich auf eine kurze aber nachhaltige Reise, die auch seine Perspektive verändern wird. Mehr kann Literatur nicht!

Mit "Sich lichtende Nebel" beweist Christian Haller: Er ist nicht nur ein äußerst talentierter Autor, sondern darüber hinaus der Jostein Gaarder unter den Schweizer Autoren. Philosophie und Unterhaltung sind keine Gegensätze, die sich gegenseitig ausschließen. Sie gehen hier Hand in Hand, sodass man ganz enttäuscht ist, wenn man beim letzten Satz angekommen ist. Da beginnt man sofort wieder von vorne, kaum am Schluss angekommen. Quasi eine Lektüre in Dauerschleife! Außerdem ein Lesegenuss par excellence! Etwas ähnlich Grandioses findet man eher selten im Bücherregal. Solche Literatur hat vielmehr Diamantqualität.

Susann Fleischer 
27.02.2023

 
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Das Buch:

Christian Haller: Sich lichtende Nebel

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Mnchen: Luchterhand Literaturverlag 2023 128 S., 22,00 ISBN: 978-3-630-87733-4

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