Dramen

Ein Drama mit Sogkraft

Erzählt wird die Geschichte zweier Familien in Bern: Arzttochter Antoinette und Lily, Tochter aus einem geschätzten Gärtnereibetrieb, sind befreundet. Lily gilt als schwierig. Am Wochenende verschwindet sie heimlich in ein feudales Appartement nach Zürich, wo sie als Luxusprostituierte arbeitet. Sie hat eine Affäre mit Lilys Vater Ben, wird zu seiner Maitresse und Ehefrau, hintergeht ihn mit einem Geliebten. Auch das Leben der ahnungslosen Antoinette nimmt nach einer Vergewaltigung eine schicksalhafte Wendung.

Die strebsame Ärztin trinkt, wird depressiv, sucht in ihrer Verwahrlosung Halt und Kraft bei einer Lebensgefährtin. Ihr Vater Ben wird ermordet, Lilys Vater Linus zum Invaliden. Die Situation gibt Rätsel auf. "Was wird hier gespielt?" Wie kam es zu Lilys Doppelleben? Wo stammt ihr geheimnisumwobenes Kind her, wenn nicht von Ben oder ihrem Geliebten? Und wer war Antoinettes Vergewaltiger ... "damals im Garten"?

"Die Erinnerung kam wie ein Blitz: Es war ein brennend heißer Tag, [Antoinettes] Gedanken damals: Ein Auto hielt vor ihrem Garten ... ein Mann, der sehr schnell zum Haus lief." Wer ist der Täter?

Lilys Familie stellt nicht wirklich ein angesehenes Elternhaus dar. Ein "Gruselkabinett" wohl eher, mit Vater Linus als "Untier". Niemand will hier etwas bemerkt haben. "... ein Vater mit seiner Tochter, widerlich!", der einzige Kommentar.

Unbändige Sexualität, Inzest, Missbrauch, Voyeurismus und Vergewaltigung gehen auf das Konto von Linus. Jenem geachteten Betreiber des so wunderbaren Gartenzentrums, der jeden Namen der berühmtesten Gärten und Anlagen vergangener Epochen kennt, sie gründlich studiert hat. Nur dass Lily leider sehr alleingelassen war in der so wunderbaren Blumen- und Pflanzenwelt ...

Eine Krimitragödie, nicht nur katastrophenreich, sondern auch dialogstark. Geprägt von intensiven Reden und Reflexionen. Dazu das durchgängige Motiv des Gartens, gewählt als "ausschlaggebender" Schauplatz. Ein vermeintlicher Locus amoenus, weit entfernt von jedem Paradies. Stattdessen gibt es Verbrechen über Verbrechen, "kaputte Liebesgeschichten" zuhauf. Und dazwischen wiederkehrende Bittreden an einen ersehnten Richter als letzte Versuche der Rechtfertigung.

Mit "Antoinettes Garten" erwarten den Leser ein außergewöhnlicher Text und eine fesselnde Geschichte, die der Autorin eine reife Leistung attestieren.

Dr. Annette Debold 
08.06.2020

 
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Das Buch:

Marga Spehr-Zegers: Antoinettes Garten

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Offenbach am Main: Weimarer Schiller-Presse 2019 136 S., 12,80 ISBN: 978-3-8372-2313-2

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