Briefliteratur & Tagebuch

"Zrtlich ist die Nacht" - Eine Liebe wie jene von "Romeo und Julia"

Der Dichter John Keats (1795-1821) gilt neben Lord Byron und Percy Bysshe Shelley als einer der wichtigsten Vertreter der englischen Romantik. Werke wie das unvollendete Gedicht "Hyperion", "Bright star, would I were stedfast as thou art", "La Belle Dame sans Merci: A Ballad" und "Ode on Melancholy" berühren bis heute ihre Leser. Sie behandeln Fragen nach Schönheit, Vergänglichkeit und Tod - Dinge, mit denen Keats in seinem kurzen Leben immer wieder konfrontiert wurde und die ihn zeitlebens beschäftigten.

Aber nicht nur als Lyriker tat sich Keats hervor, auch seine Briefe sind unvergessen. Mit seiner großen Liebe Fanny Brawne konnte er nur über Briefe korrespondieren, die von verzweifelter Sehnsucht und Schmerz, aber auch von Glück und liebevollen Worten durchzogen sind und beim Leser ein Gefühl sowohl von Traurigkeit als auch von Herzenswärme hinterlässt. Eigentlich ein perfekter Filmstoff, der den Kinobesuchern mehr als nur eine romantische Liebesgeschichte erzählt. Das dachte sich auch Jane Campion, die Keats Briefe an Fanny zur Vorlage für "Bright Star" nahm. Was die neuseeländische Filmregisseurin 1993 mit "Das Piano" eindrucksvoll bewies, gelingt ihr auch diesmal wieder: Campion kreiert ein Liebesdrama, das von Emotionen und atmosphärischer Dichte zeugt. Ähnlich wie das vorliegende Buch zum Film.

Die Geschichte von John Keats und Fanny Brawne ist gezeichnet von Widerstand, seitens der Mutter, die ihre Tochter nicht mit einem "brotlosen Künstler" verbandelt sehen möchte, seitens Keats' Freund Charles Brown, der Fanny nicht für ebenbürtig hält, und seitens des eigenen Schicksals, das einen andere Weg für sie beide vorgesehen hat. Trotz dieser Hindernisse kommen sich die beiden langsam näher und verbringen Stunden des vollkommenen Glücks miteinander - bis Keats seine Geliebte verlässt, um weit entfernt von London, und damit von Fanny, auf der Insel Wight ungestört schreiben zu können und sein Dasein als erfolgreicher Dichter zu begründen. Erst Monate später kehrt Keats zurück nach London, zurück zu seiner großen Liebe Fanny Brawne, die ihn mit ebensolch zärtlicher Heftigkeit liebt wie vor seinem Weggang. Doch die Idylle ist trügerisch, denn in Keats schwelt die gleiche Krankheit wie bei seiner verstorbenen Mutter und dem jüngeren Bruder - Tuberkulose. Und wieder muss Keats seine Geliebte verlassen, doch diesmal für immer.

"Bright Star" ist nicht nur eine bloße Ansammlung von Keats Briefen (und Gedichten), vielmehr erzählt das vorliegende Buch eine einzigartige Liebesgeschichte, die selbst jene von Julia und ihrem Romeo in den Schatten zu stellen vermag. Die Briefe zeugen von einer schier grenzenlosen Zärtlichkeit und Leidenschaft, wie man sie heute nur noch selten antrifft. Beim Lesen wird man hineingerissen in ein Drama, das berührt, aufwühlt und den Rezipienten zuweilen aufseufzen lässt vor Sehnsucht. Mal abgesehen vom beständigen Kribbeln unter der Haut, wenn man Seite für Seite tiefer eindringt in das Leben zweier Menschen, die füreinander bestimmt zu sein schienen.

Ergänzt wird dieser herausragende Eindruck einer kunstvollen Buchausgabe durch qualitativ hochwertige Bilder aus dem Film. Sie verleihen dem Buch zusätzliche atmosphärische Tiefe und beim Leser hinterlassen sie ein Gefühl von zärtlicher Zuneigung für die "unglücklich" Verliebten. Was möchte man da noch mehr?

Susann Fleischer
22.03.2010

 
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Das Buch:

John Keats: Bright Star - Die Geschichte von John Keats und Fanny Brawne. Aus dem Englischen von Adolf Girschick und Wulf Teichmann

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Frankfurt am Main: Insel Verlag 2009
222 S., 8,90
ISBN: 978-3-458-35187-0

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