Briefliteratur & Tagebuch

Getrieben

Der Autor Bruno Kryczun wurde im zweiten Weltkrieg schwer verwundet. Er begann auf der Feldpost Tagebuch zu schreiben. Später dann hat er seine Tagebucheinträge in Hefte übertragen. Das Buch umfasst den Zeitraum vom 29.04.1945 bis zum 04.08.1953. Insgesamt sind es Abschriften von zehn Heften.

Bruno wird sehr schwer verwundet. Sein Bein wird amputiert, er erleidet eine Augen- und Ohrenverletzung und kommt in ein Lazarett. Zu keinem Zeitpunkt spielt er mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen - wenngleich um ihn herum immer wieder andere Kameraden dies vorhaben oder auch in die Tat umsetzen. Bruno verliert seinen Lebensmut nicht und doch leidet er still. Anfänglich ist er nur froh, dass er irgendwie überlebt hat. Er nimmt die Operationen hin und auch die Tatsache, dass er fortan als Krüppel, wie er zu sagen pflegt, leben muss. Erst später begreift er das ganze Ausmaß dessen, nämlich die Tatsache, dass er wohl keine Frau finden wird, die mit ihm ein Leben teilen will. Wer will schon mit jemandem zusammen sein oder gar intim werden, dem ein Teil seines Beines fehlt, der schwerhörig und sehbehindert ist, sich nur beschwerlich fortbewegen kann. Als ihm das deutlich bewusst wird, beginnt er zu Träumen.

Die Schwestern im Lazarett werden angehimmelt. Bruno möchte so gerne eine Frau kennenlernen. Tatsächlich interessieren sich einige Krankenschwestern für ihn, doch nie weiß er, ob sie sich mit ihm nur die Zeit bei ein paar netten Gesprächen vertreiben wollen, weil sie ihn als Mensch mögen, oder ob sie etwas für ihn empfinden. Für Bruno eine sehr schwere Zeit. Die Entbehrung von Liebe und Zuneigung fällt ihm sehr schwer. Und so geschieht es, dass Bruno eine erste leichte Liebe von sich weist. Er will nicht aus Mitleid geehelicht werden. Er will aufrichtig geliebt werden als Mensch. Bruno möchte keine Frau an sich binden, die das vielleicht später bereut. Und so nimmt er der Frau die Entscheidung auf seine Weise ab. Mit der Zeit glaubt er, dass das nicht ganz richtig war, aber nun auch nicht mehr rückgängig zu machen ist. Eines Tages lernt er Hilde kennen. Sie erobert sein Herz und auch umgekehrt hegt sie für Bruno Gefühle. Die beiden treffen sich immer wieder mal, schreiben sich unzählige Briefe und doch steht diese Liebe unter keinem guten Stern.

Das Tagebuch erzählt von Ängsten, von der Aussichtslosigkeit die Bruno beschleicht, aber auch von dem unbändigen Willen, eines Tages sein Liebesglück zu finden. Von den Qualen und Schmerzen ganz abgesehen, kämpft er auf seine Weise. Zwischendrin erzählt er auch von anderen Begebenheiten, von Freundschaft, von seiner Familie und nicht zuletzt von dem Versuch in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Ihm bleiben nicht viele Möglichkeiten als Arbeiter, also versucht er sich mit dem Schreiben. Niemals verliert Bruno den Mut. Er kämpft um sich, sein Leben und die Liebe. Um ein würdiges Dasein. Der Krieg ist vorbei, er wird aus dem Lazarett entlassen und sucht sich Arbeit. Kein leichtes Unterfangen, zumal die Liebe zu Hilde schwierigen Zeiten entgegensieht.

Durch seine Tagebücher gibt der Autor dem Leser einen tiefen Einblick in seine Gefühlswelt. Er geht als gutes Beispiel voran, dass man aus jeder Situation das Beste machen kann - egal, wie aussichtslos diese erscheint.

Tanja Küsters
02.11.2009

 
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Das Buch:

Bruno Kryczun: Tagebuch

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Frankfurt am Main: Weimarer Schiller-Presse 2009
272 S., 13,40
ISBN: 978-3-8372-0247-2

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