Briefliteratur & Tagebuch

Der ewige Kampf Gut gegen Bse

Der Teufel ist ein gefallener Engel, der einst gegen Gott rebellierte. Nachdem er aus dem Himmel verbannt wurde, baute er zusammen mit Dämonen die Hölle auf, die als ewiger Aufenthaltsort für sündige Menschen gilt. Da Satan das personalisierte Böse ist, werden alle Katastrophen in der Menschheitsgeschichte ihm zugeschrieben. In den Jahrtausenden seit der Entstehung der Erde ist vieles geschehen, das der Teufel in seinem Tagebuch vermerkt hat. An dieses ist Professor M. J. Weeks gelangt, der Auszüge daraus transkribiert und als "Das Tagebuch des Teufels" zusammengefasst hat.

Das Tagebuch ist in fünf Bände unterteilt, in denen exemplarische Eintragungen von Satan aufgeschrieben sind. Die ersten beiden Bände folgen dabei der Bibel, die in Altes und Neues Testament eingeteilt ist. Satan übernimmt dabei - wie nicht anders zu erwarten - Gottes Gegenpart. Dies ist beispielsweise anhand der Schöpfungsgeschichte erkennbar, wenn der Teufel als Kontrastprogramm unter anderem Sümpfe und Wüsten, die Nacht, Wespen und Heuschrecken sowie Giftefeu und Kartoffelfäule schafft. Besonders die ersten Jahrhunderte zeigen Probleme auf, denen sich der Teufel tagtäglich stellen muss - sei es nun die Suche nach Bediensteten oder erfolglose Verführungen von Jesus von Nazareth, Gottes Sohn auf Erden. Erst mit der Zeit löst sich das ein oder andere Problem. Dies ist insbesondere im dritten Band des Buches erkennbar, das mit September 295 beginnt und im August 1504 endet. Dies folgt der groben Einteilung des Mittelalters. Es werden Themen betrachtet wie die allmächtige Institution Kirche, der Hexenkult, der Ausbruch der Pest und die Inquisition.

Im Anschluss bewegt sich das Tagebuch im vierten Band in der Zeit der Renaissance und der Aufklärung (vom November 1504 bis zum November 1859). Hierbei geht es in erster Linie um die Welt der Wissenschaften wie Astronomie, Alchemie und (falsch verstandenen) Humanismus. Zudem werden die Folgen der Industrialisierung für die Zukunft erkennbar. Abschließend wird im fünften und letzten Band die moderne Welt betrachtet. Besonders hervorzuheben sind in diesem Fall der Erste und Zweite Weltkrieg, Versuche mit Wasserstoffbomben, der Börsencrash von 1929, der Kalte Krieg und der immer mehr um sich greifende Terrorismus.

Das Buch fällt nicht nur mit seinem witzig erzählten Inhalt auf, bereits die Aufmachung ist sehr gelungen. Das schwarze Cover mit roter Schrift darauf, ist ein kleiner Blickfang, sodass man an diesem Buch im Buchladen einfach nicht vorbeigehen kann. Der Goldschnitt lässt es besonders edel aussehen, während das blutrote Bändchen Satans Schwanz nachempfunden ist. Aber nicht nur das Äußere ist einzigartig, auch im Inneren verstecken sich kleine Besonderheiten: Wenn man das Buch aufschlägt, hat der Leser bereits zu Anfang die Möglichkeit, einen faustischen Pakt einzugehen. Doch Vorsicht, denn der Unterzeichner verpfändet damit seine Seele für die Ewigkeit an den Teufel. Die Seiten wirken wie gebraucht, da sie mit vermeintlichen Blutstropfen, Kritzeleien und Brandflecken versehen wurden, zudem findet ein ständiger Wechsel zwischen Gedrucktem und - scheinbar - Handschriftlichem statt, sodass für das Auge Abwechslung geboten wird.

Der Teufel hat bereits viel in seinem Leben durchgemacht. In seinem Tagebuch zeigt sich, dass besonders in Krisenzeiten, wie während der beiden Weltkriege und beim Ausbruch der Pest, viele Arbeiten anstanden. Interessanterweise erwähnt Satan, welche Berühmtheiten auf ihn "hereingefallen" sind (beispielsweise der englische Dramatiker Christopher Marlowe, der Entwickler der Evolutionstheorie Charles Darwin und Microsoft-Gründer Bill Gates). Wer mit dem Teufel Kontakt aufnehmen möchte, wird auf den letzten Seiten eine Telefonliste mit kostenfreier Hotline finden. Durch die recht kurzen Eintragungen entsteht ein schnelles Tempo, sodass "Das Tagebuch des Teufels" leider viel zu schnell durchgelesen ist. Mit viel Witz, zahlreichen bunten (eher kleinen) Bildern und den wie eigenhändig vom Teufel angefertigt wirkenden Zeichnungen, ist das Buch etwas Besonderes. Ein Muss für all jene, die den nötigen Humor haben, nicht alles zu ernst nehmen.

Susann Fleischer
27.04.2009

 
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Das Buch:

Nicholas D. Satan: Das Tagebuch des Teufels. Transkribiert von Professor M. J. Weeks. Aus dem Englischen von Edith Beleites

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Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2009
160 S., 12,95
ISBN: 978-3-821-86066-4

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