Briefliteratur & Tagebuch

Mit Hut, Charme und ... Peitsche

Endlich ist es aufgetaucht, besser gesagt, es wurde zur Veröffentlichung freigegeben: das (fiktive) Tagebuch von Dr. Henry Jones jun., vermutlich besser bekannt unter dem Namen "Indiana Jones". Nachdem dieses brisante Werk 1959 in Peru gefunden wurde, ist es in den Tiefen sowjetischer Archive ein weiteres Mal verschwunden. Jedoch nur um pünktlich zum Filmstart des vorerst letzen Abenteuers unseres Helden im Buchhandel zu sein.

Über die Existenz des Tagebuchs von Dr. Henry Jones sen. wissen vermutlich alle Bescheid, die den dritten Teil der klassischen Indiana Jones Trilogie kennen; dass Junior aber ein ähnliches Werk im Verborgenen verfasst hat, wissen wahrscheinlich die wenigsten.

Das Buch beginnt mit dem Eintrag eines kleinen Jungen, der dieses Buch von seiner Mutter geschenkt bekommen hat, damit er seinen Vater nach einem Umzug nicht mit seiner Traurigkeit belastet. Nach der Vorstellung der gesamten Familie inklusive Hund "Indiana" wird recht bald klar, dass ein harmonisches Familienleben anders aussieht.  Die Mutter des Jungen besucht für lange Zeit ihre Schwester und kehrt nicht mehr zurück, da eine schwere Krankheit sie das Leben gekostet hat. Damit fehlt den beiden Männern, die sie zurücklässt, ihre einzige Verbindung zueinander und sie beginnen, sich zumindest fachlich ähnlich, aber menschlich völlig unterschiedlich zu entwickeln.

Der Versuch, "Das Kreuz von Coronado" in ein Museum zu bringen, endet für den 13-jährigen Indy mit einer Narbe am Kinn und einem Filzhut als Geschenk eines Handlangers des rechtmäßigen Besitzers. Da sein Vater sich "mehr für Leute interessiert, die vor tausenden Jahren in fremden Ländern gestorben sind" verlässt Indy sein Elternhaus und schließt sich zunächst dem mexikanischen Revolutionär Pancho Villa an. So beginnt für den jungen Indiana Jones eine Reise weit entfernt von Zuhause durch den 1. Weltkrieg, in der belgischen Armee mit seinem Freund Remy, bis er schließlich in die Vereinigten Staaten zurückkehrt und dort Linguistik studiert.

Sein Leben ist durch die Suche nach den Pfauenaugen-Diamanten geprägt, welche ihn auch nach Indien verschlägt, wo er sich unverhoffterweise auch auf die Suche nach den heiligen Sankara-Steinen begibt. Seine Tätigkeit als Professor für Archäologie unterbricht er hin und wieder, wenn ihn der CIA z.B. auf die Suche nach der Bundeslade schickt, er mit seinem Vater gemeinsam ein Wettrennen gegen die Nazis um den heiligen Gral bestreitet, die versunkene Stadt Atlantis besucht oder auf der Suche nach einem alten Freund in Peru auf der Flucht vor dem KGB ist.

Dieses Tagebuch zeigt Indy aus verschiedenen Blickwinkeln und mittels Materialien, die man ohne Weiteres nicht zu Gesicht bekommt, massiv gestützt wird das Tagebuch durch die inzwischen weltbekannten Kinofilme und die weniger bekannte Fernsehserie. Im Verlauf des Tagebuchs erkennt man zudem deutlich, dass der "Verfasser" einem Reifeprozess unterworfen ist. Die Schrift, wie auch die Zeichnungen sind zu Beginn, wie man es von einem 10-jährigen Kind erwarten würde, und gewinnen im Laufe der Zeit deutlich an Detailtreue und Schwung. Das Buch ist in seinem Inneren gespickt mit Abdrucken von Papieren aus diversen Abenteuern. So finden sich hier z.B. Luftschifftickets oder die Pause des Schildes eines Kreuzfahrers und Zeitungsartikel, wie sie bei einem solchen Leben zweifelsfrei anfallen würden. Das von Dr. Henry Jones jr. verfasste Buch ist eine kurzweilige und liebevolle Ergänzung zu den einschlägig bekannten Filmen Lucas' für alle Fans und die, die es werden wollen.

Adam Vass
22.09.2008

 
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Das Buch:

Henry Jones jun.: Das Tagebuch von Indiana Jones. Aus dem Amerikanischen von Christian Dreller

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Hamburg: Oetinger Verlag 2008
160 S., 19,90
ISBN: 3-4980-5304-3

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