Briefliteratur & Tagebuch

Briefliteratur auf hchstem Niveau und von einem Knnen, das ganz atemlos macht

Der herausgebende Suhrkamp Verlag schreibt zur Berner Ausgabe von Robert Walsers Briefen (1897-1956):

"Robert Walser ist als Briefschreiber noch zu entdecken. Seine Briefe sind nicht bloß die private Rückseite des Werks, sondern dessen integraler Teil. Deshalb wird die Berner Ausgabe der Werke Walsers mit einer neuen, umfassenden Briefedition eröffnet. Sie gibt Einblick in die Existenzbedingungen von Walsers 'Poetenleben' zwischen Zürich, Berlin, Biel, Bern und Herisau.

In den Briefen lernen wir Walser in seinem weit verzweigten Netzwerk kennen, das von den nächsten Geschwistern bis zu Hesse und Hofmannsthal reicht. Wir werden Zeugen, wie raffiniert und hartnäckig er gegenüber Verlegern und Redakteuren sein literarisches Überleben behauptet. Im Kampf um Zeilenhonorare und im kritischen Kommentar zur Gegenwart wird der hellwache, weltzugewandte Walser hörbar. Dagegen spricht in der Privatkorrespondenz ein verspielter und witziger Walser. Insbesondere die Briefe an seine langjährige Freundin Frieda Mermet dokumentieren eine Fernliebe delikatester Art.

Als Briefeschreiber erprobt und entfaltet Walser all jene literarischen Register, die sein Werk so aufregend vielstimmig machen; die Briefe werden zur Kurzprosa eigener Art, eng verwandt jenen Feuilletons, mit denen Walser seine Leserinnen und Leser unterhält. Doch dabei hält sich derjenige bedeckt, der hier 'ich' sagt: Im scheinbar offenherzigen Plaudern wahrt Walsers Schreiben ein letztes Briefgeheimnis.

Robert Walser zählt mit seinen Romanen, Dramoletten und Gedichten und vor allem mit seiner feuilletonistischen Kurzprosa zu den wichtigsten Autoren der deutschsprachigen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts. Seit 1978 erscheint sein Werk im Suhrkamp Verlag. Die Berner Ausgabe, publiziert im Auftrag der Robert Walser-Stiftung Bern, macht das Werk Walsers neu zugänglich, mit zuverlässig edierten Texten, Nachworten und erläuternden Kommentaren. Sie wird durch drei Briefbände eröffnet. Diese enthalten gegenüber der Vorgängerausgabe 336 zusätzliche Briefe Walsers sowie alle erhaltenen Gegenbriefe. Im Kommentarband finden sich unter anderem Drittbriefe, Abbildungen, ein reiches Personenregister und Zeittafeln."

Um Robert Walser handhab zu werden, muss man unbedingt seine Briefe lesen. In ihnen offenbart sich ein Ausnahmeschriftsteller, aber auch ein Privatmensch mit all seinen Gedanken zu den verschiedensten (gesellschaftlichen sowie politischen) Themen und Problemen. Seine Worte bewirken beim Leser eine Veränderung im Denken und Fühlen. Zudem kriegt man einen Lesegenuss in die Hände, der definitiv unvergessen bleiben wird. Walser betätigt sich auch in seinen Briefen als ein grandioser Autor, obwohl diese nicht für die öffentliche Allgemeinheit geschrieben worden, sondern zum Beispiel an seine Schwestern gingen. Und doch zeigen die Schriftstücke, dass der deutschschweizerische Verfasser auch in einem weniger belletristischen Genre wahre Poesie wirken kann.

Diese Edition von Robert Walsers Briefen ist ein ganz großer Wurf in der Sachliteratur. Dem Suhrkamp Verlag gelingt einmal mehr eine kleine Sensation auf dem deutschen Buchmarkt. Man bekommt die Gelegenheit, einem Ausnahme-Romancier ein Stück weit näher zu kommen. Schon nach wenigen Sätzen kann man über diesen Geniestreich nur noch staunen. Ob solch einer Lektüre verschlägt es einem den Atem über Stunden hinweg.

Susann Fleischer
25.02.2019

 
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Das Buch:

Peter Stocker, Bernhard Echte (Hg.): Robert Walser: Werke. Berner Ausgabe - Briefe 1-3

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Berlin: Suhrkamp Verlag 2018 1523 S., 68,00 ISBN: 978-3-518-42845-0

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