Briefliteratur & Tagebuch

Alexander von Humboldts "Amerikanische Tagebcher" in einer literarisch und knstlerisch besonders wertvollen Ausgabe

Zum großen Humboldt-Gedenken 2018/2019 macht der Münchner Manesse Verlag seinen Lesern ein ganz besonders, nämlich ein besonders schönes Geschenk. "Das Buch der Begegnungen" gehört unbedingt in jedes Bücherregal, oder noch eher: auf jedes Nachttischchen. Schon ab den ersten Seiten verliert man sich vollkommen und mit allen Sinnen in von Humboldts Schilderungen, Erlebnissen und Treffen mit den unterschiedlichsten Menschen. Zwischen zwei Buchdeckeln offenbart sich dem Leser eine ganz neue, bislang nie gekannte Welt der Kulturen, deren Sitten und Gebräuche. Während der Lektüre ist es, als unternähme man eine Reise über den Atlantik zu den Regenwäldern und weit über diese hinaus. Das lohnt eine Entdeckung!

Wagemut und Wissbegier, ein feines Beobachtungs- und Differenzierungsvermögen und vor allem die unbändige Lust an immer neuen Begegnungen machten Alexander von Humboldt vor 200 Jahren zu einem epochalen Weltentdecker. "Das Buch der Begegnungen", das die emphatischsten Zeugnisse aus den "Amerikanischen Reisetagebüchern" versammelt, zeigt einen warmherzigen Menschen ohne Berührungsängste. Auf seiner Reise in die amerikanischen Tropen von 1799 bis 1804 hielt der preußische Kosmopolit eine Vielzahl exotischer Physiognomien fest und sah die Welt, wie sie vor ihm noch keiner gesehen hatte. Außerdem lernt man ihn von seiner persönlichen Seite kennen: in seiner durch und durch humanen Gesinnung, seinen Respekt vor allem Fremden. Hier schreibt ein warmherziger, mitfühlender Mensch.

Als einer der ersten Europäer überhaupt kritisierte von Humboldt Kolonialismus, Sklavenhandel und christlichen Bekehrungseifer. Dagegen betonte er die Würde und den kulturellen Reichtum vermeintlich primitiver Völker. Überzeugt davon, dass es keine unterlegenen oder gar minderwertigen Ethnien gebe, war er seinen Zeitgenossen weit voraus. Und selbst im 21. Jahrhundert kommt Alexander von Humboldt als Anwalt einer universellen Humanität wie gerufen.

DAS Sachliteratur-Highlight dieses Jahres - Alexander von Humboldts "Das Buch der Begegnungen" bringt einfach jeden Leser schier zum Staunen. Es zieht einen unweigerlich in den Bann, nimmt einen vollkommen gefangen, sodass man über viele, viele Stunden lang von der Welt um sich herum nichts mehr mitbekommt. Herausgeber Ottmar Ette sorgt für spannende, ebenso wie unfassbar fesselnde Unterhaltung fernab des Mainstreams. Man kann gar nicht glauben, dass von Humboldts Geschehnisse kein reines Fiktionswerk sind, sondern real. Da bleibt einem vor lauter Lesebegeisterung, geradezu -ekstase glatt der Mund offenstehen. Auch weil diese Ausgabe besonders schön daherkommt: gebunden in bedrucktes Leinen, zweifarbig gedruckt, fadengeheftet, mit farblich abgestimmtem Lesebändchen, gestaltetem Vorsatz sowie Originalillustrationen Alexander von Humboldts.

Die Tagebücher Alexander von Humboldts besitzen eine hohe literarische Qualität. Diese muss man unbedingt entdecken. "Das Buch der Begegnungen", herausgegeben von Ottmar Ette, bringt dem Leser den berühmten Naturforscher näher, und zwar nicht nur wissenschaftlich, sondern auch ganz privat. Dem Manesse Verlag gelingt mit diesem bibliophilen Prachtband ein ganz großer Wurf auf dem Sachbuchmarkt. Was man hier in die Hände kriegt, übertrifft (fast) alles, was über von Humboldt, sein Wirken und Schaffen in den letzten Jahren erschienen ist.

Susann Fleischer
20.08.2018

 
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Das Buch:

Ottmar Ette (Hrsg.): Alexander von Humboldt: Das Buch der Begegnungen. Menschen - Kulturen - Geschichten aus den Amerikanischen Reisetagebchern

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Mnchen: Manesse Verlag 2018
416 S., 45,00
ISBN: 978-3-7175-2444-1

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