Ratgeber

Wrdevoll leben mit oder trotz einer psychotischen Erkrankung

"Sind Sie gefährdet, sich selbst etwas anzutun?" Diese Leitfrage zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch "Psychose, was nun?" Zu Beginn erläutert eine Abbildung, auf die immer wieder Bezug genommen wird, auf einem Zeitstrahl die unterschiedlichen Phasen des Phänomens Psychose. Besonders aufgrund der eigenen Erfahrungen wirken die folgenden Berichte, Ratschläge und Empfehlungen an die Leser - entweder selbst Patienten oder Personen aus deren direktem Umfeld - äußerst authentisch. Das alles geschieht in deutlichen und drastischen, aber auch in einfühlsamen und feinsinnigen Worten. Wissenschaftlich unterstützt und belegt werden ihre Äußerungen durch das Vier-Schritte-Modell der Gewaltfreien Kommunikation von Dr. Marshall B. Rosenberg. Ein kleines ABC - mit übrigens allen Buchstaben - einer Psychose führt kompakt zahlreiche Erscheinungen und Auswirkungen auf alle Beteiligten auf.

Die Autorin legt stets großen Wert und Sorgfalt darauf, die Ängste und Scheinwelten der Betroffenen, ihre Balance zwischen Wahnsinn und Wirklichkeit sowie Gefahren und Risiken der Krankheit darzustellen, ihnen aber auch Entscheidungshilfen zu geben, Mut zuzusprechen und auf ihre immer noch vorhandenen menschlichen Stärken hinzuweisen.

Verschiedene Exkurse, bildhafte und ausdrucksstarke Vergleiche, fiktive Beispiele aus der Behandlung mit solchen Menschen und fiktive Dialoge: All das gibt tiefe Einblicke in deren Inneres und vermittelt besonders Außenstehenden einen Eindruck dieses Seelenlebens. Die Leser können sich danach viel besser in die Lage der Betroffenen hineinversetzen und dadurch (mehr) Verständnis aufbringen sowie ihre Haltung diesen Personen gegenüber entsprechend ausrichten. Schließlich soll das Buch gleichzeitig Aufklärungsarbeit leisten, damit die Psychose, die aus der Sicht der Autorin als hochgradig riskant einzustufen ist und zum Tode führen kann, in der Gesellschaft nicht weiter Unverständnis erntet. Ohne Hilfe von außen ist eine Psychose nämlich nicht zu besiegen.

Erfreulicherweise hat es die Autorin, die sich selbst als ungewöhnlich dickköpfigen und eckigen Patienten bezeichnet, trotzdem geschafft, mit ihrer Krankheit zu leben. Das sollte ein Ansporn sein, es ihr gleichzutun.

Andreas Berger
01.06.2015

 
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Das Buch:

Linda Rose: Psychose, was nun?

Frankfurt: Frankfurter Literaturverlag 2015
73 S., 10,80 Euro
ISBN: 978-3837216868

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