Ratgeber

Erste Hilfe für Sachautoren

Sie haben eine gute Idee für ein Sachbuch? Sie setzen sich hin und schreiben es frei weg, kopieren es 50 Mal und schicken es an entsprechende Verlage. Das ist mal das Erste und das Schwierigste, sagen Sie sich. Dann warten Sie. Nach einem Dreivierteljahr haben Sie 50 Absagen. Und jetzt? Gute Idee, aber keiner will sie? Sie haben eine neue, phänomenale und ultimative Methode entdeckt, ein Problem zu lösen, aber niemand interessiert sich dafür, obwohl Sie sich alle Mühe gegeben haben auf 703 Seiten, gewürzt mit unzähligen Fallbeispielen aus Ihrem eigenen interessanten und krisenerprobten Leben, die bahnbrechende neue Hilfe anzubieten wie Sauerbier? Tja. Sie sollten den Berater wechseln.
Nehmen Sie Sonja Klugs Buch und Sie vermeiden 99 Prozent aller üblichen Fehler, die man im Bereich Sachbuch machen kann. Sollten Sie schon Sachbuchautor sein, brauchen Sie das Buch auch – es ist so schön zu erleben, wie die Ohren feuerrot werden, denn keiner von uns Autoren und seien wir auch noch so erfolgreich, ist gefeit davor, das eine oder andere Fettnäpfen ausgiebigst zu benutzen. Sonja Klug steigt mit einem Überblick auf den Buchmarkt ein. Wozu heute ein Sachbuch schreiben – logisch, noch nie etwas von Autoren als Marke gehört (Dann brauchen Sie noch ein paar Sachbücher zum Thema Imagepflege ...)?

Kluge geht ausgesprochen systematisch vor. Nach dem ersten Überblick folgt der Einstieg in die wirkliche Arbeit. Wie macht man aus seinem Ideenhaufen, dem Wirrwarr und der krisenhaften Frage, wie man der Stofffülle Herr werden und es gleichzeitig als Bestseller formulieren soll, ein wirklich gutes Sachbuch? Die Autorin bepflügt gern gemiedene Felder, übertitelt mit "Stoff sammeln und recherchieren" (das macht man ja noch gern), "Informationen kreativ strukturieren" (hier neigt man oft schon zum Schlendrian), "Verständlich formulieren" (ach ja, das war es noch gewesen ...), "Vorbildlich konzipieren" (ab hier ist absolut Schluss mit jeder Art von Gedankenlosigkeit) und das gern gemiedene Thema "Korrekt zitieren". Wer gedacht hat, nun sei die Schafschur schon vollbracht, muss sich jetzt aber erst einmal dem wahren Leben stellen. Das Buch hervorragend schreiben ist nur der erste Schritt und er ist – der Erfahrung sei gedankt – der einfachere. Jetzt muss man nur noch "Dem Elch eine Gasmaske verkaufen", wie Sonja Klug ein weiteres wesentliches Kapitel überschreibt. Verlagssuche, Manuskripte anbieten, selbst verlegen und jenseits der üblichen Verlagswelt produzieren ist mehr als eine Überlegung wert. Danach geht es schon ans Eingemachte: Verträge mit Verlagen und der oft und gern von den Damen und Herren Autoren vergessene Punkt "Klappern gehört zum Handwerk". Wer meint, man liefere ein Buch im Verlag ab, bekomme den Vertrag und dann laufe der Laden, irrt. Autoren sind nicht hilflos den Rezensenten ausgeliefert – selbst ist der Autor und macht sich daran, den Leserboden ebenfalls zu bearbeiten, steter Tropfen höhlt den Stein.

Na, schon entmutigt? Gut. Dann haben Sie nicht genug Mumm, wirklich von Ihrem Thema angefressen zu sein und gar nicht anders zu können als den Rest der Welt von Ihrer Methode zu überzeugen. Dann bleiben Sie beim kleinen Brötchen, Sie ersparen sich ein spannendes Leben voller Aufregungen. Wer jetzt tapfer bleibt und sich das Buch erarbeitet, bekommt nicht nur die oben mit dürren Worten angegebenen Inhalte, sondern sieht am Buch selbst, wie ein hervorragend gestaltetes Sachbuch aufgebaut ist. Klare Gliederung, überzeugende Sprache, die niemals anbiedernd-geschwätzig wird, sondern stets klar, ruhig und professionell ist, ein logischer Buchaufbau, der von einem Thema zum anderen so führt, dass man am Ende wirklich alle wesentlichen Punkte beleuchtet hat und – eine wahre Fundgrube – jede Menge nützlicher Adressen und Hilfen (kommentiert!). Bekannte Stolperfallen hat Sonja Kluge ebenfalls gelistet und zeigt, wie man sie umgehen kann.

Kochen lernt man oft mit einem Kochbuch in der Hand. Wahre Könner werfen es dann in die Ecke und kreieren ihr eigenes Ding. Sachbuchautor wird man aber nicht, indem man einen genialen Wurf hinlegt, der aber unverkäuflich ist, sondern indem man es erst einmal entlang einer gewissen roten Spur versucht. Also nehmen Sie ruhig mal eine Hilfe an! Seitdem der Lektor Kurt W. Marek 1949 sein 448-Seiten-Buch über "Götter, Gräber und Gelehrte" als Sachbuch auf den Markt brachte und damit das Genre Sachbuch begründete (es wurde ein Bestseller, bis heute wurde es über 5 Millionen Mal verkauft), haben viele Autoren den Versuch unternommen, den Olymp zu besteigen. Natürlich spielen eine Menge Faktoren mit beim Versuch, erfolgreicher Sachbuchautor zu werden. Entscheidend ist, dass das Thema eine große Menge Menschen begeistert, eine Marktlücke füllt. Aber: Die beste Idee ist heute wertlos, wenn die Verpackung nicht stimmt. Und an der können Sie selbst arbeiten. Vieles ist Handwerk und erlernbar beim Schreiben – lernen muss man es schon allein. Das Buch von Sonja Klug ist ein ganz hervorragend zusammengestelltes "Lehrmaterial" zum Thema.

-csc
04.11.2002

 
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Das Buch:

Sonja Klug:
Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch ... Der erfolgreiche Weg zum eigenen Sachbuch

Bild: Buchcover Sonja Klug, Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch ... Der erfolgreiche Weg zum eigenen Sachbuch

Zürich: Orell Füssli 2002
216 S.
ISBN: 3-280-02623-7

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