Ratgeber

Interne Kommunikation im Unternehmen. Von der Hauszeitung bis zum Intranet

In einem Betrieb mit sieben Mitarbeitern wei? der Lehrling in der Regel, was der Boss von ihm m?chte. Geht die Zahl in den zweistelligen Bereich, kann man sich nicht mehr so sicher sein. Hat man ein Gro?unternehmen, grenzt es schon an Zufall, wenn man ?ber grundlegende Ver?nderungen in der Firma via Zeitung erf?hrt. Im Zeitalter von Internet und zeitgleicher Kommunikation all around the world verbl?fft die Tatsache, dass Mitarbeiter keine Vorstellung von Firmenzielen haben, keiner genau Bescheid wei?, wer welchen Vorgang eigentlich weswegen h?tte bearbeiten sollen, es offenbar, glaubt man dem w?tend schreienden Kunden am Telefon, aber nicht getan hat und wo man eben diesem Anrufer eher hilflos gegen?ber steht, weil man ja nicht in den H?rer sagen kann: "Ich habs nicht verbockt und ich mag nicht von Ihnen angebr?llt werden" und selbigen aufknallt. Hier bedarf es einer neuen Unternehmenskultur. Damit ist nicht der vierte Sprachkurs gemeint f?r die Auslandsabteilung oder das private Treffen gehobener Angestellter zur Bildung von Verb?ndeten im Kampf um die rangh?heren Sesselchen der Firmenhierarchie. Kommunikation im Unternehmen ist ein im Moment noch vollkommen untersch?tztes Potential!

Philip Meier erforscht seit Jahren Kommunikationsstrukturen und ?prozesse in Unternehmen. Im Lauf der Jahre kam er zu der Erkenntnis, dass bislang selten Anstrengungen zur Verbesserung der internen Kommunikation in den Firmen gestartet werden. Mit seinem Buch hat Meier nicht nur eine sehr sorgf?ltig ausgearbeitete Bestandsaufnahme geleistet, sondern nach der genauen Definition und der Untersuchung in der Praxis macht er sehr gut durchdachte praxisnahe Vorschl?ge zur Umsetzung seiner Ergebnisse.

Wer am Markt bestehen will, rasch reagieren muss auf Weltwirtschaftslage, Wettbewerb, globale Orientierung und zugleich neben den Zielgruppen, den Kunden, die diversen ebenfalls am Unternehmen irgendwie beteiligten Organisationen wie Gewerkschaften, Aktion?ren, Betriebsr?ten und anderen im Auge behalten soll, braucht klare Aussagen. Zunehmende Vernetzung f?hrt nicht zwangsl?ufig zu besserem Informationsaustausch, so viel steht fest. Wenn Mitarbeiter am Flie?band keine Ahnung haben, wohin das gro?e Firmenschiff steuert, geht es um mehr als reine Informationsvermittlung ? da geht es um substantielle Fragen wie die, ob sich der Mitarbeiter ?berhaupt in irgendeiner Form gef?hlsm??ig an seine Firma binden kann, um Corporate Idendity. Aktion?re und Kunden sch?tzen es, wenn die Firmenleitung geplante Projekte so rechtzeitig vorstellt, dass sie darauf reagieren k?nnen. Und dass die Firma einen Betriebskindergarten ins Leben rufen will, interessiert mit Sicherheit bestimmte Gruppen der Angestellten brennend, l?st es doch ihr dringendstes Problem.

Sprache, die von diversen Zielgruppen verstanden wird, kommt Chefs und Abteilungsleitern nicht zwangsl?ufig ?ber die Zunge, das will erarbeitet werden. Meier untersucht die Bed?rfnisse, die diese Form der Sprache erf?llen wird, sehr genau. Er hat sich die M?he gemacht, Hauszeitungen von Firmen, Mitarbeiterzeitschriften-Editorials u. a. zu untersuchen. Sein Fazit kann deprimieren: Es herrscht ein eklatanter Mangel im Bereich interne Kommunikation. Firmen verf?gen weder ?ber notwendige strukturelle Voraussetzungen, noch werden Mitarbeiter befragt, so dass man nicht einmal wei?, was die eigenen Angestellten denken oder welche Bed?rfnisse sie ?berhaupt haben! In kaum einer Firma gibt es eine Abteilung f?r Kommunikation, Medien werden nicht genutzt. Zwar sprechen die Mitarbeiter durchaus miteinander, aber der ?bermittelte Informationsgehalt ist eher schmal. Der Grund liegt auch darin, dass die wenigsten Mitarbeiter sprachliche Taktiker sind mit journalistischem Sp?rsinn oder mit einer trefflichen Formulierungskunst gesegnet. Firmenzeitungen sind meist von irgendwelchen dazu verdonnerten Personen lieblos dahergeschusterte Sammelsurien zwischen Witz der Woche und einer dreizeiligen Meldung ?ber Firmenziele. Selbstverst?ndlich br?stet sich jede Firma andererseits mit ihrer Zeitung, wenngleich die Analyse der Druckwerke eher einen schalen Geschmack hinterl?sst. "Redlich bem?ht" w?re die rechte Beurteilung, das "aber hat nicht hingehauen" darf man nur leise denken, denn immerhin, da hat ja jemand was getan!

Kann man sich heute leisten, Firmenbindung und Informationsfluss zwischen allen Ebenen innerhalb des Unternehmens einerseits und Unternehmen und Markt/Kunden etc. andererseits zu torpedieren? Nein, das kann man nicht. Was also tun? Meier stellte fest, dass bislang erst rund ein Drittel der gro?en Unternehmen sich bewusst gemacht hat, wie wichtig interne Kommunikation ist. Zwei Drittel verzichtet darauf, mit relativ geringen Mitteln gro?e Wirkung zu erzielen ? sehr wirtschaftlich gedacht ist das sicherlich nicht.

Klare Aussagen machen die gezielte Umsetzung von Arbeitsanforderungen leichter. Verpflichtungen der Firmenleitung gegen?ber Mitarbeitern und umgekehrt, die in einer Firmenzeitung schriftlich festgehalten sind, wirken nachhaltig anders als fl?chtige Ger?chte, deren Wahrheitsgehalt sp?testens mit der dritten Weitergabe gegen Null geht.

Nun muss nicht gleich der B?cker um die Ecke ein professionelles Werbestudio organisieren, dass die Mitarbeiterzeitung layoutet. Manchmal gen?gt es schon, wenn kleinere organisatorische und sprachliche Ma?nahmen eingeleitet werden. In gro?en Firmen sollte man jedoch ?ber die Schaffung einer Internen Kommunikationsabteilung als wesentlichen Faktor der Identit?tsfindung sowohl innerhalb als auch au?erhalb des Unternehmens nachdenken. Das wird sich im jeweiligen Fall nat?rlich nach der Art des Unernehmens und den entsprechenden Bed?rfnissen auszurichten haben, es sind also individuelle, kreative und innovative L?sungen gefragt. Wer kurzfristig ein Projekt andenkt und nach der Nullnummer, die aus irgendwelchen Gr?nden nicht der Rei?er war, meint, man habe es versucht, aber es br?chte nichts, l?st bei den Mitarbeitern eher Unmut aus. Ein R?ckfall in "sprachlose" Zeiten ist ebenfalls emotional als R?ckschritt wahrnehmbar. Abh?ngig von dem Bedarf innerhalb der Firma und dem Budget, was f?r diese zunehmend wichtiger werdende Abteilung zur Verf?gung gestellt werden kann, richten sich auch die to-do-Listen aus: Firmenzeitung? Klare Aufstellung von Regeln innerhalb welcher Hierarchien? Wer sagt wem in welcher Art was? ?bereinstimmung von Ank?ndigung und Durchf?hrung ? stimmt sie oder wird nur angek?ndigt und nie verwirklicht?

Letztlich richtet sich diese ?berlegung direkt an die Firmenleitung. Diese bestimmt quasi die Richtlinien der Politik innerhalb des Unternehmens. Ist es ein autorit?r gef?hrter Laden, bei dem nur Befehle nach unten weiter gegeben werden, bedarf es keiner Kommunikation, vorausgesetzt, die Angestellten leben gut damit. Diesen Fall aber kann man wohl getrost vernachl?ssigen. Alle anderen tun gut daran, sich die Untersuchung Meiers unter der Frage zu Gem?te zu f?hren, wie es eigentlich hinter der eigenen Haust?r aussieht. Besteht die Firmenkommunikation im Austausch von Klatsch und Tratsch oder wei? auch die Reinigungsfachfrau, dass sie mit Aktien in die Firma einsteigen kann, wird sie informiert dar?ber, wer f?r welche Fragen im Haus zust?ndig ist? Werden Mitarbeiter vorgestellt, die durch besondere Motivation, Ideen, Kreativit?t Zugpferde f?r die weniger flotten, sich noch nicht alles zutrauenden Kollegen sein k?nnen? Gew?hrt die Firmenzeitung einen Blick ?ber das Firmentor hinaus unter der Frage: Wie stehen wir im Vergleich? Wie machen es die Mitbewerber? Wo k?nnen wir uns verbessern? Dies alles schafft ein anderes Wir-Gef?hl und wer als Firmenleitung diese M?glichkeiten verschenkt, sollte sich dar?ber klar werden, ob die eigene Sprachlosigkeit auch f?r das Unternehmen g?nstig ist.

Nicht jeder ist ein Rhetoriker. Aber wer auch die M?glichkeiten in diesem Bereich nutzt, engagiert sich letztlich f?r das Firmenziel und das hei?t doch im Grunde immer: Bestm?glich mit den f?higsten Leuten das angemessenste Produkt im Einklang mit Mensch und Umwelt zu schaffen. Und Sprache als eines der wesentlichsten Kulturg?ter des Menschen ist mehr als eine Einbahnstra?e Befehl ? Untergebenenohr (dort schlimmstenfalls unbenutzt wieder heraus). In Meiers Buch werden Unternehmen f?ndig, was Analyse und Hilfen betrifft, wie man Mitarbeiter befragt, eine Medieninfrastruktur aufbaut oder wie man ?berhaupt in der Firma miteinander redet. Meier l?sst die Firmenchefs nicht mit einer Analyse im Regen stehen, sondern bietet L?sungen generell an. Die je ma?geschneiderte dann zu entwerfen ist ?brigens ein gewaltiger Schritt hin zu einer neuen Kultur innerhalb der Firma!

-csc
06.07.2002

 
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Das Buch:

Philip Meier: Interne Kommunikation im Unternehmen. Von der Hauszeitung bis zum Intranet

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Zrich: Orell Fssli 2002
192 S., 29,80
ISBN: 3-280-02693-8

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